Blick auf Jerusalem. Im Vordergrund steht ein Kreuz.
Der Angriff erfolgte auf einer Lesben- und Schwulenparade in Jerusalem

Ultraorthodoxer Jude sticht sechs Menschen nieder

Kriminalität - Ein ultraorthodoxer Jude hat bei einer Lesben- und Schwulenparade in Jerusalem sechs Menschen niedergestochen. Israels Präsident Reuven Rivlin sprach von einem "schrecklichen Hassverbrechen" und warnte vor Intoleranz.

Jerusalem - 31.07.2015

Der 40-Jährige war nach Polizeiangaben bereits nach einem ähnlichen Angriff auf die Schwulenparade vor zehn Jahren festgenommen worden. Nach der Attacke im Jahr 2005 war er zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach Verbüßung von zehn Jahren dieser Strafe war er vor rund drei Wochen aus dem Gefängnis entlassen worden.

Israels Präsident Reuven Rivlin sprach von einem "schrecklichen Hassverbrechen" und warnte vor Intoleranz. "Die Freiheit des Individuums ist einer der grundlegendsten Werte in Israel", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. "Wir müssen sicherstellen, dass in Israel jeder Mann und jede Frau sicher leben kann - wie auch immer sie sich entscheiden", fügte er hinzu. Auch der sephardische Oberrabbiner Izchak Josef verurteilte die Tat und verlangte, der Messerstecher müsse wie ein Mörder bestraft werden.

Ultraorthodoxe Gruppen hatten sich vehement gegen die Parade in Jerusalem ausgesprochen. Zum Schutz der mehreren tausend schwulen und lesbischen Teilnehmer waren mehrere hundert Polizisten und freiwillige Helfer im Einsatz. Die Umzugsroute war bewusst kurz und weit entfernt von den bedeutenden religiösen Zentren für Christentum, Islam und Judentum in Jerusalem gehalten.

2006 hatte es mehrtägige massive Proteste von Ultraorthodoxen gegen den Umzug gegeben. Im vergangenen Jahr hatte die Parade wegen des Gazakriegs erst im September stattgefunden. Zu der - deutlich populäreren - Homosexuellenparade in Tel Aviv waren im Juni rund 180 000 Teilnehmer gekommen. (dpa)