Mit der Kirche war er dicke

Mit der Kirche war er dicke

Geschichte - Seht, hier bringe ich euch den von Gott erkorenen Otto." Mit diesen Worten stellte Erzbischof Hildebert von Mainz 936 den Kandidaten für die Königswahl im Aachener Marienmünster, der Pfalzkapelle Karls des Großen, vor. Die Vorentscheidung zur Königswahl Ottos hatte sein Vater König Heinrich getroffen, als er seinen ältesten Sohn aus legitimer Ehe zum Nachfolger bestimmte.

Bonn - 23.11.2012

Vor 1.100 Jahren, am 23. November 912, erblickte er das Licht der Welt. Die Erbfolge des Erstgeborenen und die Unteilbarkeit des Reiches: Das war eine revolutionäre Neuerung, ein Abweichen von der karolingischen Tradition, auf die man sich in Aachen sonst so gerne berief.

Zepter, Stab und Diadem

Die Königswahl und -erhebung Ottos I., den nach dem Sieg über plündernde Reiterhorden aus Ungarn vor Augsburg schon die Zeitgenossen "den Großen" nannten, wurde stilprägend für das deutsche Mittelalter. Im Säulenhof vor der Kirche hatten zunächst die Fürsten dem Herrscher gehuldigt. Nach zustimmenden Heilsrufen durch das Volk begann der geistliche Teil der Krönungszeremonie im Rundbau der Pfalzkapelle. Die Erzbischöfe von Mainz und Köln salbten Otto mit heiligem Öl und statteten ihn mit den Insignien der Macht aus: Zepter, Stab und das edelsteinblitzende, goldfunkelnde Diadem.

An die Wahl schloss sich die Krönungsmesse an, welcher der König vom marmornen Kaiserthron des großen Karl beiwohnte. Nach dem Gottesdienst begab man sich zum Krönungsmahl. Die Herzöge übernahmen symbolische Ehrenämter, um den König und seine Gäste zu bedienen. Das ausgefeilte, symbolgesättigte Protokoll entsprach Ottos Vorstellungen vom Königtum: ein sakrales Amt von Gottes Gnaden, das ihn auch über die Herzöge als höchste Repräsentanten der Volksstämme stellte.

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Für die katholisch.de-Serie "Freundebuch" hat uns Gerhard Feige einen Einblick in sein Leben gewährt.

Kirche als Fundament der Herrschaft

Otto musste seine hochgespannte Idee vom Königtum aber erst noch verwirklichen - in heftigen Kämpfen selbst mit engsten Angehörigen seiner Familie, um die sich andere Unzufriedene scharten. Eine erste Kraftprobe bestand Otto im Streit um das bayerische Herzogtum, als sich nach dem Tod des Herzogs die Söhne weigerten, ihm zu huldigen, weil sie auf ihr Recht zur Ernennung der Bischöfe nicht verzichten wollten. Der Sachse sicherte sich die Verfügungsgewalt in der bayerischen Kirchenprovinz.

Der König machte die Kirche zum Fundament seiner Herrschaft. Er berief meist landesfremde Bischöfe aus seiner Hofkapelle, wo der Klerus sich im Dienst für König und Reich hochdiente. Otto überhäufte die Kirche mit Privilegien, mit Schenkungen von Ländereien und nutzbaren Rechten wie Zoll, Markt oder Münze. Mit den Rechten war ein immer größerer Pflichtenkreis verbunden: Der König erwartete nicht nur Gebetshilfe, sondern auch Abgaben und Dienstleistungen wie die gastliche Aufnahme seines Hofes in Bischofsstädten und Reichsklöstern, ja sogar die Hauptlast des Heeresaufgebots.

Vom Papst zum Kaiser gekrönt

Ottos jüngerer Bruder Bruno wuchs zum engsten Vertrauten und Berater heran. Eine andere kraftvolle Stütze im Reichsepiskopat war der heilige Ulrich von Augsburg. Auch verlässliche weltliche Helfer fand Otto, vor allem in der Verfestigung des Reiches im Raum östlich der Elbe.

Seine weit ausgreifenden Pläne für die Slawenmission führten Otto auch nach Rom. Erstmals krönte der Papst am 2. Februar 962 zu St. Peter einen ostfränkischen König zum Kaiser. Dieser sah sein beharrliches Wirken für die Mission im Nordosten von Erfolg gekrönt, als im April 967 Magdeburg zum Erzbistum einer Kirchenprovinz erhoben wurde; ihr gehörten Brandenburg, Havelberg, Merseburg, Meißen und Zeitz an. Otto hätte am liebsten die Grenzen der neuen Kirchenprovinz Magdeburg nach Osten hin offen gelassen. Aber da spielte Rom nicht mit, da inzwischen ein christliches Polen entstanden war.

Der Kaiser starb am 7. Mai 973 in der Pfalz Memleben. Seinem Wunsch gemäß ist er im Magdeburger Dom beigesetzt worden. Otto der Große hat das Reich in seiner Doppelgestalt gegründet. Es verband unter dem Mantel des wieder belebten römischen Kaisertums Deutschland und Italien zu einer Schicksalsgemeinschaft.

Von Anselm Verbeek