Ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher sitzen nebeneinander.
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Die Reaktionen auf das Studiendokument über die Reformation

"Große Erwartungen"

Geschichte - Das neue katholisch-lutherische Studiendokument über die Reformation verdient nach Auffassung der deutschen katholischen und evangelischen Bischöfe eine breite Aufnahme. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erwartet "Impulse, die uns auch in Deutschland in der Ökumene weiterbringen können".

Berlin - 18.06.2013

Der Titel "Vom Konflikt zur Gemeinschaft", des Dokuments, das die "Internationale Lutherisch/Römisch-katholischen Kommission für die Einheit" vorgelegt hat, wecke große Erwartungen, erklärte Zollitsch am Montag in Bonn. Durch die Taufe seien die Christen "schon jetzt in der Gemeinschaft des Leibes Christi verbunden".

Zollitsch: Mehr Verbindendes als Trennendes

Der ökumenische Dialog habe gezeigt, dass die Konfessionen mehr verbinde als trenne, so der Freiburger Erzbischof. Zugleich stehe die "volle Gemeinschaft in der sichtbaren Kirche als Ziel unseres ökumenischen Bemühens noch aus". Auf dieses Ziel hin wollten sie weiter arbeiten. Dazu habe sich die katholische Kirche mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), dessen 50-jähriges Jubiläum in diesen Jahren begangen werde, verpflichtet. "Und dafür stehe ich als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz", fügte Zollitsch hinzu.

Er kündigte an, die katholischen Bischöfe wollten das Dokument "aufmerksam lesen und auch im Gespräch mit unseren evangelischen Partnern überlegen, welche konkreten Schritte sich daraus in unserem weiteren Zugehen auf das Reformationsgedenken 2017 ergeben".

"Wenn das Dokument den Titel 'Vom Konflikt zur Gemeinschaft' trägt, dann sind wir gemeinsam herausgefordert, nicht zu schnell zur Gemeinschaft zu kommen, sondern auch den Konflikt auszuhalten", sagte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch.

Die Kirchenspaltung des 16. Jahrhunderts stelle nicht nur das Versagen der damaligen römischen Kirche dar, sondern auch das Nichtgelingen der Reformation. Folglich gehe es beim ökumenischen Bemühen um die Wiedergewinnung der kirchlichen Einheit um nichts weniger als um die Vollendung des Werks der Reformatoren.

Feige: Das Dokument bringt uns voran

Auch die für die Ökumene in Deutschland zuständigen Bischöfe Gerhard Feige und Friedrich Weber würdigten den Text. Er hoffe, dass das Dokument "in vielen Gemeinden als Basistext für ökumenische theologische Arbeit dient", sagte Weber in Berlin.

Feige erklärte, wenn die Impulse des Papiers "auf breiter Ebene aufgegriffen" würden, könnte "uns das Reformationsgedenken auch in unserem ökumenischen Miteinander voranbringen". Feige ist Bischof von Magdeburg und Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, der Braunschweiger Landesbischof Weber ist Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Kulturelle Wirkungen der Reformation

Weber und Feige würdigten den Ansatz des Dokuments, die Geschichte der Reformation gemeinsam und mit Blick auf die größere Gemeinschaft der beiden Konfessionen zu erzählen. "Sehr hilfreich" sei es, dass der Text "einmal nicht die allgemeinen, insbesondere kulturellen Wirkungen der Reformation betrachtet", sondern die Theologie Luthers in ihrer Breite darstelle, meinte Weber. Vieles, was über die zentralen theologischen Anliegen Luthers gesagt werden könne, könne "heute bereits gemeinsam mit römisch-katholischen Christen gesagt werden".

Als bemerkenswert aus katholischer Perspektive wertete Feige "die klare Aussage, dass die Spaltung der Kirche des Westens auch für evangelische Christen Anlass für Schmerz und Klage ist". Damit werde mit Blick auf das Reformationsgedenken 2017 "ein Horizont geöffnet, der beidem Raum gibt: der Freude und Dankbarkeit wie auch dem Schmerz über Versagen und Verletzungen auf beiden Seiten".

Für 2017 stellte Feige einen "symbolischen Akt der Versöhnung" in Aussicht. Darüber werde in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beraten. Weber fügte hinzu: "Letztendlich geht es um Versöhnungsarbeit, die als ein gemeinsamer Prozess angelegt werden muss und durchaus in ökumenischen Gottesdienstformen die Schatten- und Schuldgeschichte, die die konfessionelle Spaltung mit sich brachte, vor Gott bringen soll." (KNA)

Hintergrund

Katholiken und Lutheraner arbeiten gemeinsam Reformation auf

Dokumentation

"Vom Konflikt zur Gemeinschaft"