Schachfigur
Uwe Bork über die Frohe Botschaft in Zeiten der Krise

Wenn die Nachrichten den Schlaf rauben

Standpunkt - Uwe Bork über die Frohe Botschaft in Zeiten von Krisen und Konflikten

Von Uwe Bork |  Bonn - 06.10.2015

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Zumindest im Vatikan scheint es dieser Tage ja bei mentalen Grausamkeiten zu bleiben. Trotz diverser Störmanöver noch im unmittelbaren Vorfeld stellt sich die gerade begonnene Familiensynode bislang nur als ein Messen der intellektuellen Kräfte dar, als ein bloß virtueller Kampf um den richtigen Weg, um die Herrschaft in einer riesigen - und ja, eben auch höchst irdischen - Institution.

Anderswo auf unserem Globus sind es längst nicht mehr oder aber noch immer nicht die Waffen des Geistes, die die Dinge entscheiden. Sei es nun im uns plötzlich wirklich Nahen Osten, wo die Grausamkeiten aller Seiten eine wahre Völkerwanderung in Gang gesetzt haben, sei es in der Ukraine, wo aus kleinen Anfängen ein blutiger Konflikt am Rande Europas gewachsen ist, oder sei es auch im Süden des Sudans, wo Christen ohne Skrupel Christen morden, um sich ihre Taschen besser mit dem schmutzigem Geld aus der Erdölförderung vollstopfen zu können. Die Welt scheint verrückt geworden zu sein.

Es gibt Tage, da kann ich das alles nicht mehr aushalten. Da rauben mir die Bilder aus Tagesschau und Tagesthemen den Schlaf. Da kann ich morgens keine Zeitung mehr aufschlagen, ohne dass mich dieser Lesestoff für den Tag depressiv macht. Da möchte ich die Radionachrichten am liebsten völlig abschalten.

Dies sind auch die Tage, an denen es mir nicht mehr weiterhilft, dass ich als Christ ein Erlösungsversprechen habe. Es wiegt in solchen Momenten zu gering gegen das Gewicht des Leids, das von allen Seiten auf mich eindringt. Mag sein, dass mein Glaube zu klein ist, aber die Frohe Botschaft scheint mir dann zu fern zu sein, um mich noch froh machen zu können.

Gern würde ich diesem Text ein optimistisches Ende geben. Davon reden, dass mir der wunderschöne Wald vor lauter morschen Bäumen aus dem Blickfeld geraten ist. Doch ich fürchte, es fällt mir schwer.

Vielleicht sollten wir es ganz nüchtern betrachten: Gott hat uns die Verantwortung für diese Erde und das Leben auf ihr übergeben. Und wir? Wir haben die Sache verbockt!

Bis jetzt jedenfalls...

Der Autor

Uwe Bork ist Leiter der Fernsehredaktion "Religion, Kirche und Gesellschaft" des Südwestrundfunks (SWR).

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