Schachfigur
Agathe Lukassek über Exerzitien und die Familiensynode

Mehr Gebet, weniger Gespräch

Agathe Lukassek über Exerzitien und die Familiensynode

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 07.10.2015

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de

Direkt vor der Familiensynode habe ich eine Woche ignatianische Exerzitien gemacht. Mitten in der Vorberichterstattung zur Synode war ich also weder für die Redaktion erreichbar, noch konnte ich dem Nachrichtengeschehen folgen. Stattdessen habe ich die Tage ohne Internet, Telefon, Zeitung oder Fernsehen im Schweigen und mit mehreren Gebetseinheiten verbracht - geistliche Übungen eben.

Da mich die Themen der Synode auch persönlich interessieren, dachte ich, dass sie - ebenso wie die vielen Diskussionen im Vorfeld - Themen meiner Exerzitien werden würden. Aber in die Beziehung zwischen Gott und mir passten keine Gedanken an aufgebrachte Debatten oder Frontenbildungen. Dennoch fühlte ich mich nach der Schweigewoche auch mit Blick auf die Synode gestärkt.

Bei der Bischofsversammlung im Vatikan beraten Oberhirten aus aller Welt und mit unterschiedlichen Meinungen darüber, wie die katholische Lehre im Sinne Jesu zu verstehen und zu praktizieren sei. Den Berichten aus der Synodenaula zufolge wird dabei sehr viel gesprochen. Ich frage mich, ob die Synodenväter nicht zu viel reden. Selbst in der Mittagspause wird es nicht still: Da findet täglich eine Pressekonferenz statt, in der über den neuesten Zwischenstand informiert wird. An nur einem Sonntag und an zwei Tagen in der letzten Beratungswoche haben die Bischöfe frei. Ob sie die Zeit dafür nutzen werden, um still zu werden, um im Gebet zu versinken?

Ich würde es ihnen wünschen, denn das innere Gespräch mit Gott hat eine ganz andere Qualität als der morgendliche Austausch über die neuesten Zeitungsberichte. Andererseits weiß ich nach meiner persönlichen Exerzitien-Erfahrung, dass es genug Zeit braucht, bis die äußeren Einflüsse nicht mehr an einen herankommen und man zur Besinnung auf das wirklich Wesentliche kommt. Vielleicht klingt die Idee naiv, aber warum beginnt so eine Bischofssynode nicht mit Einkehrtagen - so wie sie die Kurie auch zu Beginn der Fastenzeit pflegt? Ich bin mir sicher: Etwas mehr Schweigen und Beten würde der Synode gut tun.

Die Autorin

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de.

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