Afrikanische Bischöfe beraten bei einer Synode in Rom.
Bild: © KNA
Im Internet werden Synodenteilnehmer als Betvorlage verlost. Ein Selbstversuch

Mein Adoptivbischof

In der Vatikan-Kolumne "Franz & Friends" geht es diese Woche um die Internetseite adoptbishop.org, auf der man Bischöfe, die an der Synode im Vatikan teilnehmen, "adoptieren" kann. Doch Vorsicht: Die Sache hat einen kleinen Haken...

Von Raoul Löbbert |  Bonn - 07.10.2015

Bist du "dankbar für unseren Papst und unsere Bischöfe"? Sehnst du dich danach, dass die Teilnehmer der Bischofssynode in Rom durch "den Heiligen Geist erkennen, was Gottes Antworten auf die Nöte unserer Zeit sind"? "Möchtest du mit deinem Gebet und deiner Fürbitte einen Bischof / Synodenteilnehmer persönlich begleiten und für ihn in den kommenden Wochen einstehen?" Wenn ja, dann bist du bereit, um auf adoptabishop.org einen Bischof zu adoptieren. Doch Vorsicht, man kann sich den Bischof, dem man beizustehen gedenkt, nicht aussuchen. Er wird einem zugelost.

Ich beispielsweise habe Ignatius Suharyo Hardjoatmodjo gezogen. Anfangs fragte ich mich: Ist das nun der Jackpot oder die Niete? Doch mittlerweile weiß ich: Es geht nicht darum, zu gewinnen oder zu verlieren. Es geht darum, zu lieben, was man kriegen kann. In meinem Fall Hardjoatmodjo.

Seit 2010 ist Hardjoatmodjo Erzbischof von Djakarta. Das liegt in Indonesien, dem größten muslimischen Land der Erde. Nur drei Prozent der Menschen dort sind Katholiken. Und diese drei Prozent könnten, wie Hardjoatmodjo bei der Synode 2014 in seinem einzigen Kurzinterview auf Englisch sagte, die reine Lehre sprachbedingt meist eh nicht richtig verstehen. Weshalb es den Katholiken dort auch ziemlich egal ist, welche Lehre bei der Synode nun gelehrt oder entleert wird.

Hardjoatmodjo jedoch ist es nicht egal. 2014 schloss er sich einer Gruppe von Dissidenten innerhalb der Kurie an. Diese warf allen Reformern und Liberalen vor, in Sachen Ehe und Sexualmoral die geoffenbarte Wahrheit auf dem Altar des Zeitgeists opfern zu wollen. "Die Ehe", schrieb die Gruppe damals, "ist ein Geschenk Gottes zum Wohlergehen des Menschen, den er nach seinem Bilde schuf". Daraus folge: Die Liebe der Vermählten spiegele die Liebe von Christus und Kirche. Und da die Ehe zwischen Kirche und Christus nicht geschieden werden könne, gelte das für alle anderen Ehen gleich mit, basta!

Viel mehr als dieses Basta hatte mein Adoptivbischof, soweit ich sehe, zur Ehe bislang öffentlich nicht zu sagen. Aber vielleicht geht es mir da auch nur wie den drei Prozent Katholiken Indonesiens mit der reinen Lehre aus Rom: Ich verstehe ihn nicht, weil ich seine Sprache nicht spreche. Und weil ich seine Sprache nicht spreche, kümmert es mich nicht, was er zu sagen hat.

Das ist ganz schön engstirnig, ich weiß. Vielleicht hat mir Hardjoatmodjo ja vieles zu meiner Ehe zu sagen, nur sagt er es mir eben nicht so, dass ich es begreifen kann. Aber das ist dann wirklich nicht nur mein, sondern auch sein Problem. Immerhin will er ja, dass ich nicht nur höre, sondern gehorche. Das ist ganz schön viel verlangt: Ich kenne den Mann gar nicht. Vielleicht interessiert er sich ja nur für seine Lehre und nicht für mich. Und so einen soll ich begleiten?

Also gut: Ich werde in den nächsten drei Wochen darauf achten, was mir Hardjoatmodjo zu sagen hat. Ich werde mir die Mühe machen, ihn zu verstehen, wenn er sich die Mühe macht, sich mir verständlich zu machen. Danach sehen wir weiter: Gehen wir getrennte Wege oder ist das zwischen uns mehr als eine Internet-Bekanntschaft?

Christ & Welt

Diesen Text der Kolumne "Franz & Friends" publiziert katholisch.de mit freundlicher Genehmigung von "Christ & Welt", einer Beilage der Wochenzeitung "Die Zeit". "Christ & Welt" - das sind sechs Seiten, die sich auf Glaube, Geist und Gesellschaft konzentrieren, sechs Seiten mit Debatten, Reportagen und Interviews aus der Welt der Religionen. "Christ & Welt" ist im Jahr 2010 aus der traditionsreichen Wochenzeitung "Rheinischer Merkur" hervorgegangen.

Von Raoul Löbbert