Vor 550 Jahren starb der Piccolomini-Papst Pius II.

Ein Dichter wird Papst

Aktualisiert am 15.08.2014  –  Lesedauer: 
Geschichte

Bonn ‐ Als Humanisten-Papst, der ernsthafte Ansätze einer Kirchenreform zeigte und die zerstrittene Christenheit gegen die Türken zu einen versuchte, war Enea Silvio Piccolomini in seiner Zeit herausragend. Doch Pius II. war nicht immer so fromm. Sein schillerndes Vorleben interessierte schon die Zeitgenossen. Vor 550 Jahren, am 15. August 1464, starb er, als sein geplanter Kreuzzug scheiterte.

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In einem Konklave, über das er später schonungslos offen berichtete, wurde Piccolomini im August 1458 als Außenseiter gewählt. In humanistischer Anlehnung an den antiken "pius Aeneas" Vergils, der fromm den Anweisungen der Götter folgte, gab sich Enea den Papstnamen Pius II.

1405 als Sohn verarmten Sieneser Adels geboren, verdiente sich Piccolomini als junger Theologe - eine Parallele zum Ratzinger-Papst Benedikt XVI. - seine Sporen als Berater eines Kardinals beim Konzil. In Basel (1431-1449) wie auch beim Zweiten Vatikanum (1962-1965) ging es auch um das Kräfteverhältnis von Papst, Konzil und Kurie. Piccolomini schlug sich gegen Eugen IV. auf die Seite der romkritischen "Konziliaristen" und wurde Sekretär von deren Gegenpapst Felix V.

1445 erfolgte die Wende in Piccolominis Leben

Seine Kunst als Redner, seine Bildung und sein Verhandlungsgeschick empfahlen Piccolomini als Gesandten in ganz Europa - erst in Diensten des Konzils, dann des deutschen Königs Friedrich III. Die Wende im Leben des Diplomaten-Literaten kam 1445: Enttäuscht vom Kurs der Konziliaristen söhnte er sich mit Eugen IV. und der römischen Kurie aus.

Eine schwere Erkrankung, wohl aber auch Karriere-Erwägungen bewegten ihn, als er von heute auf morgen sein Liebesleben aufgab und sich 1446 zum Priester weihen ließ. Mehr als früher sind die Historiker heute geneigt, seine Lebenswende ernst zu nehmen. Noch zwei Jahre vor seiner Weihe schrieb Piccolomini die vielgelesene Liebesnovelle "Euryalus und Lukrezia" sowie ein recht freizügiges Lustspiel. Und er wusste, wovon er schrieb, war er doch Vater mehrerer Kinder. Wohl auch deshalb fühlte er sich als Papst bemüßigt, seine Umkehr in den literarischen Appell zu fassen: "Glaubt dem Greis mehr als dem jungen Mann! Vergesst Enea, hört auf Pius."

Schon am Tag nach seiner Wahl 1458 ließ Pius II. keinen Zweifel, dass er der Verpflichtung seines Vorgängers auf einen Kreuzzug nicht nachstehen wollte. Schließlich war erst fünf Jahre zuvor das christliche Konstantinopel gefallen - nicht zuletzt durch das Versagen des zerstrittenen Westens. Er berief einen Kongress nach Mantua ein und erließ eine brillante Kreuzzugsbulle. Doch deren Effekt blieb ein stilistischer - und Pius II. bei seinem Kongress buchstäblich allein.

Diplomat und Literat: Papst Pius II.

Auch für die folgenden Jahre muss man seine Ausdauer in den diplomatischen Bemühungen angesichts immer neuer Zerwürfnisse zwischen den Fürstenhäusern Europas anerkennen. Ähnlich widerspenstig zeigte sich die Kurie bei seinen Bestrebungen um eine Kirchenreform.

Bild: ©KNA

Polenreise von Papst Johannes Paul II. vom 2. Juni bis zum 10. Juni 1979. Papst Johannes Paul II. in Krakau.

Bei alledem blieb Pius II. auch als Papst immer Literat. In einer umfassenden Widerlegung des Islam forderte er den Sultan auf, ein christlicher Herrscher zu werden. Er schilderte seine Picknicks im Grünen als Naturerfahrungen, verfasste geografische und historische Werke. Die Literatur verbindet Piccolomini mit dem Krakauer Schauspieler, Dichter und Papst Karol Wojtyla: Pius II. und Johannes Paul II. waren die einzigen Päpste, die ihre Memoiren verfassten. Auch in anderer Weise richtete Pius II. den Blick auf seinen Nachruhm. Aus seinem ärmlichen Heimatörtchen Corsignano bei Siena ließ er vom Reißbrett die Musterstadt Pienza errichten.

Alles in allem bleibt Pius II. eine opportunistische, nicht leicht zu deutende Persönlichkeit: eitel und selbstverliebt, zum Nepotismus neigend, mit Kunstsinn und Charisma; zugleich mit großem Einsatz und Reformwillen für die Einheit der Christen und die utopische Verteidigung des Glaubens gegen den Islam; diplomatisch geschickt, aber letztlich erfolglos.

Von angemessener Dramatik ist der Tod des Poeten. Schwer krank nach Ancona gereist, um den endlich für den Kreuzzug gewonnenen Venezianern und Burgundern voranzureiten, starb Pius II. im Angesicht der eintreffenden Flotte der Serenissima. Die Rückeroberung des Heiligen Landes war damit beendet, bevor sie begann.

Von Alexander Brüggemann (KNA)