Gedenktag: 23. November

Kolumban – er baute am christlichen Abendland

Aktualisiert am 23.11.2018  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Zunächst hatte das Christentum nur die Städte erreicht. Doch dann kam Kolumban von Luxeuil. Seine Klostergründungen weckten die Neugier auch der Landbevölkerung. Ein "christliches Abendland" war im Werden.

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An der Küste der Bretagne landete um das Jahr 591 ein Wandermönch. Der rüstige Fünfziger stand an der Spitze von zwölf Begleitern mit dem Anspruch, die Kirche im Merowingerreich zu erneuern. Allein der äußere Auftritt war eine Zumutung: Die Kapuzenträger mit mannshohen Knüppeln hatten keine römische Tonsur wie auf dem Kontinent üblich, sondern die Haartracht der irischen Wandermönche: oben auf dem Kopf kahl wie ein Skinhead, an den Seiten aber schulterlanges Haar. Der farbige Lidschatten, wie ihn die keltischen Druiden verwendeten, irritierte.

Anführer der Iren war Kolumban. Am 23. November 615, ist der Heilige in der Bergeinsamkeit seiner Klostergründung Bobbio im Apennin gestorben. Kolumban hat eine Mönchsbewegung, eine Reform der Kirche im fränkischen Reich angestoßen und den christlichen Glauben in den alemannischen Raum von Zürich bis zum Bodensee gebracht. Er war ein Baumeister Europas, das aus dem Dunkel der Völkerwanderung wieder erwachte.

Um das Jahr 543 wurde er im Südosten Irlands geboren. "Im Mannesalter" trat der Heilige in ein Kloster ein, nachdem er bereits das seltene Privileg einer umfassenden Bildung genossen hatte. Sein Mönchsleben wurde geprägt durch Comgall, Abt von Bangor, der für seine Strenge bekannt war. Bereits über 50 Jahre alt, entschloss sich Kolumban mit seinen Schülern zur "Pilgerschaft für Gott", um die Heimat zu verlassen und das Evangelium in fremde Länder zu tragen.

Strafkatalog ermöglichte private Buße

Das Ideal des Heiligen war die "Abtötung", die Selbstverleugnung des eigenen Willens. Um den Aufstieg zur himmlischen Heimat zu meistern, musste der Mönch im irdischen Leben "heimatlos" werden. Kolumban wanderte mit seinen Gefährten in die Wildnis der Vogesen. Drei Klöster in enger Nachbarschaft entstanden: Annegray, Luxeuil und Fontaine. Das Vorbild der Iren um Kolumban wirkte ansteckend auf die fränkische Jugend. Die Vogesenklöster blühten auf.

Rubrik "Unsere Vorbilder"

Beim Blick auf die unzähligen Heiligengestalten der Kirche gibt es spannende Biografien und Geschichten zu entdecken. Katholisch.de stellt die bekanntesten vor.

Für die wachsende Gemeinschaft verfasste Kolumban Regeln, die alles andere als attraktiv waren: Es galten strenges Fasten und der Verzicht auf Fleisch. Bestraft wurden Lügen oder Ungehorsam gegen den Abt, aber auch Husten beim Anstimmen der Psalmen oder Unpünktlichkeit beim Stundengebet. Das Strafmaß war von drakonischer Härte: Redeverbot, Schläge, Arrest. Dennoch wurden im Geist des irischen Mönchtums Hunderte von Klöstern gegründet. Das Christentum, das unter römischer Herrschaft nur die wenigen Städte erreicht hatte, durchtränkte die Landbevölkerung. Ein "christliches Abendland" war im Werden.

Und doch gilt der rigorose Strafkatalog Kolumbans als Fortschritt. Denn der "Gottesmann", wie seine Schüler ihn ehrfürchtig nannten, revolutionierte die "Heilmittel der Buße". Bisher hatte es nur die öffentliche Buße gegeben, die sich in den kleinen Gemeinden der frühen Kirche entwickelt hatte. Die Iren boten ein neues Verfahren: die private Buße mit einem normierten Sühnekatalog für Kleriker und Laien. Vielen öffnete sich der Weg zu persönlicher Einsicht von Schuld.

Für die Rechte der Frau

Kolumban zeigte sich auch verständnisvoll gegenüber Kindern. Anders als in der Antike war ihm das Kind ein Wesen, das in seiner Eigenheit zu respektieren und zu umsorgen war. In einer gewalttätigen und kriegerischen Gesellschaft setzte sich Kolumban für die Rechte der Frau ein. Keiner der fränkischen Bischöfe wagte König Theuderich zu tadeln, als er einmal wieder eine Gemahlin verstieß und ihrer Mitgift beraubte. Kolumban erhob seine Stimme.

Ponte Gobbo in Bobbio
Bild: ©loremattei/Fotolia.com

Blick über die Ponte Gobbo auf das norditalienische Bobbio, wo Kolumban von Luxeuil (540–615) im Jahr 612 eine Abtei gründete.

Bisher hatte der König irische Eigenheiten zum Ärger des fränkischen Episkopats geduldet - sogar den abweichenden Ostertermin, nach dem Kolumbans Gemeinschaften das Fest eine Woche früher feierten als die restliche Christenheit. Jetzt aber empörte sich Theuderich, dass Kolumban "von den Bräuchen dieses Landes abweiche". Der König nahm den unbequemen Mahner in Abschiebehaft, Richtung irische Heimat.

Sturm verhindert Überfahrt nach Irland

Ein Sturm verhinderte die Überfahrt über den Kanal. Kolumban fand Hilfe bei anderen merowingischen Königshöfen und nahm einen Missionsauftrag in Tuggen nahe dem Zürisee und Bregenz am Bodensee an. Rückschläge auf dem alemannischen Missionsfeld zwangen Kolumban und seine Begleiter, in Italien beim langobardischen Königspaar Zuflucht zu suchen. Nur der heilige Gallus, der Kloster und Kanton seinen Namen gab, blieb zurück.

Kolumban lieh seine letzte Kraft der Gründung von Bobbio. Das Kloster wurde zu einem Zentrum für die papstverbundene Einheit in einer Gesellschaft, die durch ethnische und religiöse Konflikte zerrissen war. Der Ire hat bedeutende Nachfolger gefunden, die sein Werk fortsetzten: in Deutschland Glaubensboten wie Agilus und Eustasius, die am Oberlauf der Donau missionierten und an der Wiege von Kloster Weltenburg standen, oder den Wanderbischof Kilian, Patron des Bistums Würzburg. Später unter den Karolingern wurde die Strenge des irischen Mönchtums durch den Geist der Benediktregel gemildert, das Wirken Kolumbans durch angelsächsische Sendboten wie Willibrord und Bonifatius vollendet.

Von Anselm Verbeek (KNA)

Der Artikel erschien erstmals am 23. November 2015 und wurde am 23. November 2018 aktualisiert.