Ein Junge in einem roten T-Shirt lächelt den Betrachter an.
Bild: © Caritas

Weniger Bürokratie, mehr Nähe

Weniger Bürokratie, die Menschen da abholen, wo sie leben, und im Zweifelsfall anonym behandeln – dann wäre das Gesundheitssystem wesentlich gerechter: Das forderte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, am Dienstagabend in Freiburg. Andernfalls hätten zu viele Personen keinen Zugang zum deutschen Gesundheitssystem. In einem der reichsten Länder der Welt sei dies beschämend, sagte er in der Katholischen Akademie.

Freiburg - 14.11.2012

Näher kritisierte, dass es zu kompliziert sei, sich von zusätzlichen Kosten – zum Beispiel für Medikamente – befreien zu lassen. Von Obdachlosen könne man nicht erwarten, dass sie Quittungen und Belege sammeln. Zumal es ohnehin fraglich sei, ob Menschen ohne festen Wohnsitz überhaupt zum Arzt gehen. Die Angst, dort nicht willkommen zu sein, sei oft zu groß. Neher plädierte für mehr Projekte, die sich gezielt an diese Menschen richten – etwa Straßenambulanzen.

Laut Neher sind auch Asylbewerber und illegal in Deutschland lebende Einwanderer weitgehend vom deutschen Gesundheitssystem ausgeschlossen: So hätten Asylbewerber keinen Zugang zu Vorsorge-Leistungen und dürften sich nur behandeln lassen, wenn sie krank sind. Illegale trauten sich aus Angst, den Behörden gemeldet zu werden, ohnehin nicht zum Arzt.

Wer setzt Prioritäten?

Neher hat auch schon eine Idee, wie diese Vorschläge finanziert werden können: Die Gesellschaft muss Prioritäten bei der Gesundheitsversorgung setzen. Die Frage wer nach welchen Kriterien entscheidet, wie Prioritäten zu setzen sind, möchte Neher zum Gegenstand einer breiten gesellschaftlichen Debatte machen. (mir)