Gottesdienst im St. Jakobus Münster von Titisee-Neustadt für die Opfer des Brandunglücks in der Behindertenwerkstatt.

Im Schockzustand

Trauergottesdienst - Mit einer bewegenden ökumenischen Trauerfeier haben die Menschen am Samstag den Opfern der Brandkatastrophe in der Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt gedacht, bei der am vergangenen Montag 14 Personen ums Leben gekommen waren. An der vom SWR live übertragenen Feier in der St.-Jakobus-Kirche nahmen auch Bundespräsident Joachim Gauck, der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Bundesbildungsministerin Anette Schavan teil.

Titisee-Neustadt/Bonn - 01.12.2012

Geleitet wurde der Gottesdienst vom katholischen Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch und vom evangelischen Landesbischof Ulrich Fischer. Bei klirrender Kälte waren laut Medienberichten rund 1000 Menschen zu dem Gotteshaus gekommen. "Wir sind einem Schockzustand", sagte Johannes Herrmann, katholischer Pfarrer in Titisee-Neustadt, zum Beginn des Gottesdienstes. Schmerz und Trauer seien groß in diesen Tagen und vereinten die Menschen. In seiner Predigt sagte Erzbischof Robert Zollitsch, es sei wichtig, zu wissen und zu spüren: "Es gibt andere, die mir zur Seite stehen, die mit mir leiden."

Dank an die Rettungskräfte

Zugleich lobte er den Einsatz der Helfer. "Wie viele Menschen haben am Montag und in den Tagen danach angepackt und haben in beeindruckender Weise alles Menschenmögliche getan, um noch Schlimmeres zu verhindern. Sie haben Herz und Haus geöffnet, um Hilfe zu leisten und in der Not beizustehen."

14 angezündete Grabkerzen stehen am Ende November im Münster Sankt Jakobus in Titisee-Neustadt (Baden-Württemberg). Sie erinnern an die 14 Menschen, die am 26.11.2012 beim Brand in der Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt ums Leben gekommen sind.

14 angezündete Grabkerzen stehen am Ende November im Münster Sankt Jakobus in Titisee-Neustadt (Baden-Württemberg). Sie erinnern an die 14 Menschen, die am 26.11.2012 beim Brand in der Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt ums Leben gekommen sind.

Zollitsch bezeichnete die Trauerfeier als Ausdruck der Verbundenheit und Anteilnahme: "Aber es ist zugleich mehr: Wir suchen Beistand und Trost bei Gott. Wir tragen unsere Erschütterung, unsere Betroffenheit und unsere Anliegen vor ihn."

Mit dem Ruf "Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?" griff Ulrich Fischer, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, in seiner Ansprache die Klage aus einem Adventslied auf. "Viele wissen nicht, was morgen sein wird. Wie das Leben weitergeht – ohne den Freund, ohne die Mitarbeiterin, ohne den Sohn, ohne die Schwester, ohne den vertrauten Menschen an meiner Seite. Und sie spüren schmerzlich eine tiefe Trostlosigkeit im Herzen", sagte Fischer. Dennoch feiere die Gemeinde in Titisee-Neustadt den Gottesdienst in der Hoffnung, "dass Gott Wege aus der Trostlosigkeit weisen, dass er Erschrecken und Trauer in Lebenszuversicht und Hoffnung verwandeln kann".

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach den Angehörigen mit bewegter, schwerer Stimme das Beileid der gesamten Landesregierung aus. Er sei "tief betroffen und erschüttert" über den schrecklichen Tod der 14 Menschen. Zugleich dankte Kretschmann Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Notfallseelsorgern für ihren Einsatz.

14 Kerzen für die Opfer

Egon Engler, Vorstand des Caritasverbands Freiburg-Stadt, sagte, man sei in der gesamten Caritas-Familie immer noch fassungslos über das Geschehen, das über "alles Vorstellbare hinausgeht." Es werde viel Zeit brauchen, das Erlebte zu verkraften.

Während die Totenglocke der Kirche schlug, verlas ein Rettungssanitäter die Namen der Opfer. Vor dem Altar wurde für jeden Getöteten eine Kerze angezündet. Während dieser Szene weinten viele Gottesdienstbesucher. Die Fürbitten trugen unter anderem Angehörige, Rettungskräfte und örtlichen Politiker vor. Auch den Opfern von anderen Katastrophen auf der ganzen Welt wurden gedacht.

Deutschlandweite Anteilnahme

Die Ursache des Feuers, das am vergangenen Montagnachmittag in der Behindertenwerkstatt der Caritas wütete, war nach den Ermittlungen von Sachverständigen eine Gasexplosion an einem Gasofen.

Deutschlandweit nehmen die Menschen Anteil am Schicksal der Opfer und ihrer Angehörige. So sind auf einem vom Erzbistum Freiburg und der Caritas eingerichteten Trauerportal bereits rund 250 Einträge eingegangen. Auch Papst Benedikt XVI. hat den Angehörigen der Opfer sein Beileid ausgedrückt. Das Kirchenoberhaupt gedenke der bei diesem tragischen Unfall ums Leben gekommenen Menschen in seinem Gebet und versichere den Angehörigen der Opfer seine tief empfundene Anteilnahme, heißt es in einem Beileidstelegramm des Vatikan.

Landesweit wehen in Baden-Württemberg die Fahnen auf Halbmast. Unmittelbar nach Ende der offiziellen Feier traf sich Bundespräsident Gauck unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Angehörigen.

Von Christoph Meurer

Online-Kondolenzbuch

Das Erzbistum Freiburg hat ein Online-Trauerportal für die Brandkatastrophe in Titisee-Neustadt eingerichtet. Darin gibt es auch die Möglichkeit, sich in ein Kondolenzbuch einzutragen.

Mehr Information

Weitere Berichte zu der Brandkatastrophe finden Sie unter folgenden Links auf katholisch.de: Akut-Helfer für die Seelen Die Frage nach dem Warum Nach der Katastrophe