Ein Pfleger hält die Hand einer alten Frau.
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Allensbach-Studie stellt hohen Frauenanteil fest

Pflege ist weiblich

Beim Thema Pflege sind Frauen weitgehend unter sich – das ist zumindest das Ergebnis einer Studie des Allensbach-Instituts für Demoskopie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Derzeit gebe es in Deutschland circa 2,4 Millionen Pflegebedürftige – fast zwei Drittel davon sind Frauen.

Berlin - 04.12.2012

Die Macher der Studie schätzen, dass in 20 Jahren etwa 3,4 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen sind. Und es werden - wie heute - meist Frauen sein, die diese Aufgabe übernehmen. Daraus ergibt sich, dass Frauen in jenen Jahren weniger in die Renten- und Pflegekasse einzahlen - das könne langfristig zu einem großen Problem für die Sozialsysteme werden, prognostiziert Renate Köcher, Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts.

Pflege ist ein Halbtagsjob

Die Studie legt zudem nahe, dass sich viele der befragten Frauen von der Situation überfordert fühlen: Mehr als die Hälfte verbringt jeden Tag drei Stunden und mehr mit der Pflege naher Angehöriger – in den meisten Fällen die eigenen Eltern. Dies mit der eigenen Karriere zu vereinbaren, fällt den Befragten oft schwer, zumal knapp 40 Prozent der Frauen länger als drei Jahre zu Hause bleiben – ein Zehntel pflegt die Angehörigen sogar länger als zehn Jahre. Dafür nehmen Frauen auch Nachteile bei ihrer Karriere in Kauf: nur 42 Prozent sind berufstätig, die meisten davon in Teilzeit.

Die Studie besteht aus zwei Teilen: Zuerst befragte das Allensbach-Institut 1.558 Personen ab 16 Jahre; anschließend wurden 539 Frauen befragt, die bereits Familienangehörige pflegen oder in den kommenden Jahren damit rechnen. Auftraggeber der Studie ist die R+V-Versicherungsgesellschaft, deren Vertreter plädierten fast schon naturgemäß für mehr private Vorsorge.

Drei Wünsche

Auf der Wunschliste der befragten Frauen fanden sich vor allem drei Themen: 60 Prozent wünschten sich, dass Pflege und Beruf leichter miteinander zu vereinbaren sind – entsprechende Regeln solle in erster Linie der Staat und in zweiter Linie die Unternehmen sorgen. Zudem plädierten die Befragten dafür, dass der Staat die Qualität von Pflegeheimen überprüft, beziehungsweise mehr Heimplätze zur Verfügung stellt, und die Pflegesätze erhöht werden. (mir)