Vier junge Teilnehmerinnen der Internationalen Jugendbegegnung unterhalten sich
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Bei der Internationalen Jugendbegegnung lernten 40 Jugendliche viel über Teilhabe

Damit sie mitbestimmen können

Wie kann man mitbestimmen, auch wenn man keine politische Macht hat? Um ihre Wünsche und Chancen, etwas zu verändern, ging es für 40 Jugendliche aus acht Ländern auf der Internationalen Jugendbegegnung der Don Bosco Mission.

Von Johanna Heckeley |  Bonn - 23.01.2016

Genau das ist das Thema diese Woche für die Jugendlichen von 16 bis 24 Jahren aus Polen, Montenegro, Tschechien, Ägypten, Palästina, Italien, Spanien und Deutschland: Sie sind zum International Youth Exchange, zur Internationalen Jugendbegegnung der Don Bosco Mission Bonn gekommen, die dieses Jahr das Mahatma Gandhi-Zitat "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt" zum Motto hat.

Die Don Bosco Mission ist das offizielle Hilfswerk der Salesianer Don Boscos, die sich vor allem der Jugendsozialarbeit widmen. Von ihren Partnerorganisationen vor Ort wurden die Teilnehmer ausgewählt, die nun hier in Bonn zusammengekommen sind. Viele von ihnen engagieren sich dort in der Jugendarbeit, einige kommen aus den Maßnahmen für benachteiligte Jugendliche.

Die Jugendlichen ermächtigen

"Wir möchten die Jugendlichen ermächtigen", erklärt Cynthia Cichocki, Bildungsreferentin der Don Bosco Mission. "Sie sollen lernen, ihre eigene Perspektive und ihre Ideen auszudrücken und zu vertreten." Zu diesem Ziel leitet sie den Austausch mit vier weiteren Trainern. Das Ziel: "Zu verstehen, was Partizipation ist, was es dir bringt, wenn du dich einsetzt, und was für Möglichkeiten, aber auch Grenzen es gibt."

Die Koordinatorin der Internationalen Jugendbegegnung unterhält sich mit zwei Teilnehmern
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Cynthia Cichocki, Jugendreferentin von Don Bosco Mission (l.), unterhält sich mit den Teilnehmern George aus Bethlehem und Alba aus Madrid.

Die Fähigkeiten, die die Jugendlichen in der Woche erlernen, zählen zu den acht Schlüsselkompetenzen, die die Europäische Kommission 2006 für lebensbegleitendes Lernen definiert hat. Darunter: interkulturelle und soziale Kompetenz. Bescheinigt bekommen sie das mit dem Zertifikat „Youthpass“; der Austausch wird durch das "Erasmus+"-Programm gefördert. Die Teilnehmer in Bonn lernen diese Kompetenzen durch einen "krassen Methodenmix", wie Bildungsreferentin Cichocki es ausdrückt. "Die Jugendlichen gehen mit einer Toolbox an Methoden nach Hause, die sie dann selbst bei ihrer Jugendarbeit einsetzen können. Da ist alles dabei: von Eisbrechern und Spielen bis zu Aufgaben, mit denen pädagogische Inhalte transportiert werden."

Grüppchenbildung nach Schuhgrößen

"Findet euch jetzt zusammen nach euren Schuhgrößen!", ruft eine Trainerin. Prompte Rückfrage einer Teilnehmerin: "Wisst ihr denn auch alle eure europäische Größen, also 6, 7, 8?" Das Problem ist schnell gelöst, es bilden sich Grüppchen. Nun geht es inhaltlich zur Sache: Die Jugendlichen sollen herausarbeiten, was man braucht, um mitzubestimmen und teilzuhaben. Sie sitzen auf dem Boden, diskutieren konzentriert, manchmal wird gestenreich erklärt.

Bald schon haben alle farbige Papierkarten vor sich liegen, auf die sie die wichtigsten Begriffe schreiben. "Motivation", das haben gleich mehrere, aber auch "Träume", "Verantwortung", "Leidenschaft", "Mut", "Offenheit" und "Chancen", letzteres ebenfalls mehrfach.

Geschmückt mit Wimpeln und Girlanden bekommt der Raum in der Bonner Jugendherberge eine behagliche Atmosphäre. "Zirkus" heißt das Leitthema und entsprechend haben viele etwas Artistisches mitgebracht, berichtet Cynthia Cichocki: "Das ist nicht nur oberflächlich und spaßig, sondern es steckt auch etwas dahinter." Verständigung zum Beispiel, weil Jonglage und Zaubertricks ohne Worte funktionieren. Außerdem verwenden viele Teilnehmer Bälle, Diabolos oder Teller und Stab in ihren Gruppenstunden. Und nicht zuletzt jonglierte Ordensgründer Don Bosco als Jugendlicher selbst und führte Zaubertricks vor.

Don Bosco

"Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" - das ist wohl die bekannteste Aussage von Johannes Bosco, dem italienischen Priester, Jugendseelsorger und Ordensgründer. Er widmete sich, selbst als Halbwaise aufgewachsen, zeitlebens liebevoll der Erziehung und Fürsorge benachteiligter Kinder und Jugendlicher.

Wie erfahren die Jugendlichen diese Woche? "Wir sind wie eine Familie", meint George aus Bethlehem und lächelt. Sein Englisch sei nicht gut, entschuldigt er sich. Sein Gesicht spricht Bände. "Das gefällt mir hier alles." Der 16-jährige Schüler ist in seiner Heimat in der Jugendarbeit aktiv und hat sich riesig gefreut, teilzunehmen – ein Visum zu bekommen war für ihn und seine palästinensischen Mitreisenden keine Selbstverständlichkeit. "Der Moment, als ich mit dem Flugzeug hier gelandet bin, das war wunderbar." Alba aus Madrid sitzt ihm gegenüber und stimmt zu: "Diese Erfahrung, hier zusammen zu sein… wir kommen aus den unterschiedlichsten Ländern und gleichzeitig sind wir gar nicht so verschieden." Die 24-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin strahlt. "In uns lebt der gleiche Geist, auch wenn wir andere Blickwinkel haben." Hier fühle sie sich zuhause.

Doch das Kennenlernen und über Zukunftsvisionen austauschen sind nicht die einzigen Ziele der Veranstaltung: Die jungen Erwachsenen werden auch Praxisbeispiele ihres Engagements in ihren Heimatländern vorstellen. Die Ergebnisse werden zwei von ihnen auf dem Don Bosco Forum am 23. Januar in Sankt Augustin präsentieren: Zum Forum kommen 600 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Eine willkommene Chance für die Jugendlichen, ihre Perspektive zu vermitteln.

Die Salesianer Don Boscos

In 132 Ländern setzen sich die Salesianer Don Boscos für Kinder und Jugendliche ein. Der von Don Bosco gegründete Orden ist eine der größten katholischen Männerordensgemeinschaften der Welt.

Von Johanna Heckeley