Papst Franziskus empfing den Präsidenten der Islamischen Republik Iran, Hassan Ruhani, am 26. Januar 2016 im Vatikan, in einer Privataudienz.
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Franziskus empfängt iranischen Präsidenten in Privataudienz

Papst spricht mit Ruhani über Dialog und Toleranz

Papst Franziskus hat am Dienstag den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani in einer Privataudienz empfangen. Etwa eine Dreiviertelstunden lang haben die beiden sich über den Dialog der Religionen und gegenseitige Toleranz ausgetauscht.

Bonn/Rom/Vatikanstadt - 26.01.2016

Ruhani und Franziskus hätten unter anderem über das Atomabkommen gesprochen. Dabei sei es auch um die Gefahr des Terrorismus gegangen. Deutlich geworden sei die Schlüsselrolle Irans für eine politische Lösung der herrschenden Konflikte im Nahen Osten, teilte der Vatikan mit. Beide Seiten seien sich einig, dass Terrorismus und Waffenhandel in der Region eingedämmt werden müssten und dass für den Frieden der Dialog zwischen den Religionen sowie Toleranz sehr wichtig seien.

Menschenrechtler und iranische Oppositionsgruppen hatten den Papst zuvor aufgerufen, Ruhani auch auf die Menschenrechtsverletzungen in der Islamischen Republik anzusprechen. Am Dienstag berichtete Amnesty International, in der Islamischen Republik warteten zahlreiche jugendliche Straftäter auf ihre Hinrichtung. Die Menschenrechtsgruppe warf dem Iran Heuchelei vor. Ruhani hatte sich vor seiner Wahl 2013 als moderater Reformer präsentiert. Seither sind die jährlichen Hinrichtungszahlen aber weiter gestiegen.

Papst schenkt "Zeichen der Brüderlichkeit"

Beim Treffen, dessen Atmosphäre der Vatikan als herzlich bezeichnete, seien auch die "gemeinsamen spirituellen Werte" der Gesprächspartner thematisiert worden. Seit langem gibt es regelmäßige Treffen zwischen vatikanischen Vertretern und führenden iranisch-schiitischen Theologen. Ruhani schenkte dem Papst nach Angaben des Vatikan einen handgewebten Teppich und ein Buch mit persischen Miniaturen, der Papst habe die Geste mit einem Medaillon des heiligen Martin erwidert. "Dies ist eine Darstellung von Martin, der den Mantel teilt, um einem Armen zu helfen", zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den Pontifex. "Es ist ein Zeichen der Brüderlichkeit."

Linktipp: Ein geistlicher Präsident beim Papst

Es ist erst das zweite Treffen eines iranischen Staatsoberhaupts mit einem Papst: Am Dienstag empfängt Franziskus im Vatikan Hassan Ruhani. Von Seiten des Iran heißt es, Ruhani käme als islamischer Geistlicher, nicht als Politiker zum Pontifex.

Obwohl es nicht der erste Besuch eines iranischen Staatsoberhauptes bei einem Papst war, wurde die Audienz bereits im Vorfeld als symbolträchtig interpretiert. Der schiitische Iran sendet dem sunnitischen Erzfeind Saudi-Arabien damit eine Botschaft: Der Iran hat im Gegensatz zu den Saudis keine Differenzen mit den Christen. 1999 war bereits Ruhanis Vorgänger Mohammed Chatami mit Johannes Paul II. zusammengetroffen.

Bereits am Montag war Ruhani in Rom vom italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella und Ministerpräsident Matteo Renzi empfangen worden. Nach der Audienz beim Papst stand für Ruhani am Dienstag die Weiterreise nach Paris auf dem Programm. Es ist der erste Europabesuch eines iranischen Staatsoberhaupts seit Beilegung des Atomstreits vergangenen Juli. Die Reise hatte bereits im November stattfinden sollen, wurde dann jedoch wegen der Terroranschläge in der französischen Hauptstadt verschoben.

Stadt Rom bedeckt nackte Statuen

Vor dem Besuch des iranischen Staatspräsidenten in Rom hatten die städtischen Behörden aus Respekt vor der iranischen Kultur und dem Glauben Ruhanis in den Kapitolinischen Museen mit ihrer weltberühmten Antikensammlung mehrere nackte Statuen verhüllen lassen. Zahlreiche Nachrichtenseiten veröffentlichten am Dienstag im Internet Fotos von schrankähnlichen Konstruktionen, hinter denen die Skulpturen verschwanden. Aus Rücksicht auf den muslimischen Glauben Ruhanis sei beim Abendessen auch kein Wein serviert worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. (kim/dpa/KNA)

16:15 Uhr: Ergänzt um weitere Informationen zum Gespräch zwischen dem Papst und Ruhani