Dominik Blum über kriminelle Holzwirtschaft in Brasilien

Augen auf beim Möbelkauf!

Aktualisiert am 24.02.2016  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma
Standpunkt

Bonn ‐ Dominik Blum über kriminelle Holzwirtschaft in Brasilien

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Wäre er Bischof einer deutschen Diözese, würde der Mann bestimmt von anderen Sorgen berichten. Sein brasilianisches Bistum Óbidos am Amazonas ist halb so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Auf dem Gebiet der sieben Pfarreien leben 250.000 Menschen, etwa 200.000 von ihnen sind katholisch. Zur entlegensten Pfarrei ist Dom Bernardo Johannes Bahlmann mehr als 24 Stunden unterwegs, mit dem Boot und dann zu Fuß. Es sieht dort in etwa so aus wie auf dem Foto von Sebastião Salgado zur diesjährigen Misereor-Fastenaktion. Dem deutschstämmigen Franziskaner helfen in der Seelsorge für die 600 Gemeinden kaum 50 Priester und Ordensfrauen, aber viele Laien. Strukturprobleme? "Nein, das Abholzen macht mir Sorgen!", erklärt der Bischof bei einem Treffen in seiner niedersächsischen Heimat im Bistum Münster. Das Abholzen?

Experten bei Greenpeace und dem WWF schätzen, dass im brasilianischen Amazonasgebiet 80 Prozent aller Rodungen illegal sind. Das Holz landet - zum Teil über China - auch bei uns. Der Bischof ist sicher: "Mehr als die Hälfte des Tropenholzes, das in Deutschland verkauft wird, stammt aus kriminellen Abholzungen in unseren Regenwäldern." Kein Wunder, dass mit Holz nach Drogen und gefälschten Markenartikel weltweit das meiste blutige Geld verdient wird, bis zu 100 Milliarden Dollar jährlich. Denn wer sich am Amazonas gegen die Holzmafia auflehnt, lebt gefährlich. Das gilt nicht nur für Prominente wie den österreichischen Bischof Erwin Kräutler, der als Mitautor von "Laudato Si" und Träger des alternativen Nobelpreises soeben den bayerischen Naturschutzpreis erhalten hat. "Mehrere meiner Leute stehen unter Morddrohung. Ganz normale Menschen, die sich für ihren Lebensraum einsetzen", beklagt Bischof Bahlmann.

Solidarität mit den Christen in Óbidos, das heißt ganz konkret: Sich informieren. Das Klima schützen. Und den Händler hartnäckig fragen, ob die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR, gilt seit 2013) eingehalten wird. Zum Beispiel, wenn wir im Frühling neue Möbel für Terrasse und Garten kaufen. Billiges Holz ist ein Holzweg. Für das Klima und die bedrohten Brüder und Schwestern im Glauben am Amazonas.

Der Autor

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.
Von Dominik Blum