"Die Menschen vernetzen"
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Hamburgs Erzbischof Stefan Heße ist ein Jahr im Amt

"Die Menschen vernetzen"

Erzbistum Hamburg - Genau ein Jahr ist es her, dass Stefan Heße zum neuen Erzbischof von Hamburg geweiht wurde. Im Interview spricht er über das Leben in der Diaspora, seine Zukunftspläne für die Diözese und die Aufgaben als Flüchtlingsbischof.

Von Julia Haase (KNA) |  Hamburg - 14.03.2016

Frage: Herr Erzbischof, Sie haben vor einem Jahr die Menschen im Erzbistum Hamburg mit einem fröhlichen "Moin" begrüßt. Wie kommen Sie inzwischen als gebürtiger Kölner mit den Norddeutschen zurecht?

Heße: Eigentlich ganz gut, habe ich den Eindruck. Denn die Mischung von Rheinländer und Norddeutschem ergänzt sich recht gut. Allerdings haben wir im Nordbistum den Hamburger, dann den Schleswig-Holsteiner und noch den Mecklenburger. Die ticken alle ein bisschen anders. Das muss man differenzieren. Und grundsätzlich gilt ja, dass man sich auf jeden Menschen einstellen muss. Das alles unter einen Hut zu bringen, ist manchmal eine Herausforderung. Aber mir macht's Freude.

Frage: Ein Jahr Erzbistum Hamburg - ein Jahr Diaspora: Wie lautet Ihr Fazit?

Heße: Mein Fazit besteht darin, dass das sehr lebendige, aktive Gemeinden sind mit Menschen, die wirklich zu ihrem Glauben stehen. Aber es sind natürlich auch Gemeinden, die sich in einer riesigen Fläche befinden und sehr zerstreut sind - ganz entsprechend dem griechischen Wort Diaspora, das ja "Zerstreuung" heißt. Meine Aufgabe als Bischof sehe ich darin, die Menschen zu vernetzen und zusammenzubringen. Der Dienst an der Einheit ist ja das Proprium eines Bischofs. Das muss ich hier oben unter dem besonderen Blickwinkel der Diaspora tun.

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Stefan Heße über seine ersten sechs Monate als Erzbischof von Hamburg

Frage: Was sind denn Ihre Pläne für das zweite Jahr als Hamburger Erzbischof?

Heße: Ich kann noch nicht behaupten, dass ich schon alles und jedes im Erzbistum Hamburg kenne. Kennenlernen ist ja ein Prozess, der immer weiter geht. Man muss immer neugierig bleiben. Außerdem geht es mir um eine Verlebendigung des christlichen Glaubens. Ich habe den Wunsch, dass in unseren Gemeinden viele lebendige kleine Gruppen sind, in denen der Glaube gefeiert, gelebt, besprochen und vor der Vernunft verantwortet wird - und weitergegeben wird ins Leben hinein.

Frage: Neben Ihrer Aufgabe als Diözesanbischof sind Sie auch Beauftragter der Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen...

Heße: Das ist eine ganze Menge. Ich habe einen Arbeitsstab von etwa zehn Experten auf diesem Gebiet. Die versuche ich zu vernetzen, zusammenzuführen. Jeder hat wiederum eigene Spezialthemen. Beim Flüchtlingsgipfel der Bischofskonferenz im vergangenen Jahr haben wir etwa ein Dutzend Schwerpunkte ausgemacht. Jetzt haben wir die Leitsätze zur Flüchtlingshilfe herausgegeben. Das Thema wird uns nicht ausgehen. Ich bin der Meinung, der Umgang mit Flüchtlingen ist das Thema der nächsten Jahre und Jahrzehnte.

Von Julia Haase (KNA)