Schachfigur
Uwe Bork über moderne Kriegstechnik

Töten 2.0

Standpunkt - Uwe Bork über moderne Kriegstechnik

Von Uwe Bork |  Bonn - 22.04.2016

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Wir kennen das aus den internationalen Nachrichtenkanälen: Irgendwo in der Welt sitzt ein Soldat vor einem Computer und klickt auf den Bildschirm. Wenig später stirbt an einem völlig anderen Punkt derselben Welt ein Mensch oder es werden gleich mehrere getötet, ausgelöscht von ferngesteuerten Kampfdrohnen. In einer nicht allzu fernen Zukunft, so sagen mittlerweile Wissenschaftler voraus, könnte es noch nicht einmal solch kleiner Klicks bedürfen. Krieg geht dann wie von selbst.

So wie der Begriff 'Drohnen' lange Zeit zunächst an die harmlosen männlichen Angehörigen eines Bienenstaats denken ließ und nicht an hocheffiziente Kampfmaschinen, verschleiert auch jetzt wieder die Terminologie der Militärs die Realität. Statt von Killerrobotern sprechen die Vordenker einer neuen Aufrüstung lieber von 'autonomen Waffensystemen', ein Ausdruck, hinter dem sich etwas versteckt, das die Welt grundlegend verändern könnte. Wenn die Entwicklung dieser Systeme nämlich nicht gestoppt wird, werden sie bei ihren Einsätzen bald die Kompetenz haben, selbständig über Leben oder Tod zu entscheiden.

Gerade Christen kann das nicht kalt lassen. Zwar gehören Mord und Totschlag seit Kain und Abel zu ihrem problematischsten Erbe, gleichzeitig sind sie aber trotz der Theorie vom gerechten Krieg auf Gewaltfreiheit und ein Verbot des Tötens festgelegt. Dieses nun an Roboter zu delegieren und dann schulterzuckend die Verantwortung für Morde und Massaker weit von sich zu weisen, darf nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

Glücklicherweise sehen die Vereinten Nationen das offenbar ähnlich. Sie haben jetzt in Genf fünf Tage lang mit Experten über autonome Waffensysteme debattiert. Dem deutschen Botschafter, der dieses Treffen von Abgesandten aus 95 Staaten leitete, ist es dabei immerhin gelungen, einen zweijährigen Verhandlungsprozess einzuleiten. Er soll auf die Ächtung des 'Tötens 2.0' hinarbeiten, ein Verbot, wie es bei Landminen schon erreicht wurde.

"Stell dir vor: Es ist Krieg, und keiner geht hin!" Das war einmal der Wunschtraum einer ganzen Generation. In Zukunft werden wir darauf achten müssen, dass Politiker und Militärs als Stellvertreter auch keine Roboter schicken.

Der Autor

Uwe Bork ist Leiter der Fernsehredaktion "Religion, Kirche und Gesellschaft" des Südwestrundfunks (SWR)

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Von Uwe Bork