Der Holzschnitt einer Brauerei
Brauereien entdecken den Trend des Pilgerns für sich

Hopfen und Malz, Gott erhalt's

Das Pilgern liegt im Trend. Auch die deutschen Brauereien wollen das ausnutzen. Aber wie? Katholisch.de hat bei einem Besuch im Erzbistum Paderborn nachgefragt.

Von Stefanie Heinrichs |  Paderborn - 07.05.2016

Ein weitreichender Entschluss – denn Bier war zu dieser Zeit ein Grundnahrungsmittel: Es wurde auch "flüssiges Brot" genannt, weil es den armen Menschen als reichhaltiges Nahrungsmittel diente. Dabei kam es natürlich auch den Mönchen zu Gute, die schwere körperliche Arbeit leisteten. Sogar in der Fastenzeit vor Ostern und Weihnachten mussten sie nicht auf das Getränk verzichten: Denn die Fastenregel besagte nur, dass feste Nahrung verboten war. Flüssiges brach das Fasten hingegen nicht. Deshalb wichen die Mönche nur zu gern auf das Bier aus.

Das Reinheitsgebot als Lebensversicherung

Im Mittelalter war das Reinheitsgebot aber noch viel mehr: Es funktionierte wie eine Art Lebensversicherung. Denn die Bierbrauer beherrschten ihr Handwerk noch lange nicht so gut wie heutzutage. Viele Brauversuche missglückten. Mitunter wurde sogar ein hoch giftiges Gebräu produziert, weiß der Geschäftsführer der Paderborner Brauerei Hajo Ludwig: "Bierpanscher setzten ihrem Gebräu Baumrinde oder giftige Zutaten wie Tollkirschen zu, weil das die billigsten Zutaten waren. Im besten Fall sorgte dies für Bauchschmerzen, im schlimmsten Fall für den Tod", sagt er trocken.

Das Reinheitsgebot verhinderte, dass solch unerwünschte Zutaten ins Bier gerieten. Für den Pressesprecher des Deutschen Brauerbundes, Marc-Oliver Huhnholz, steht es noch heute für Transparenz, Klarheit und Reinheit. "In der Lebensmittelindustrie, in der immer vielfältigere, oft künstliche Inhaltsstoffe diskutiert werden, bildet das Reinheitsgebot eine der seltenen Ausnahmen."

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Video: © katholisch.de

Bis heute richten sich die Brauer nach dem Reinheitsgebot. Galt es zunächst nur für das Herzogtum Bayern, ist es seit 1906 geltendes Recht in ganz Deutschland. Einzig der Fokus hat sich verändert.

Doch nicht die Gesundheitsverträglichkeit, auch der gute Geschmack war im Mittelalter eher Glückssache. Schmeckte ein Bier, so wurde es sogleich als "Tat Gottes" gepriesen. Aus dieser Zeit stammt auch der Spruch: "Hopfen und Malz, Gott erhalt's." Denn wie wichtig Hefe für den Gärprozess ist, war noch unbekannt. Damals konnten die Menschen nur einen scheinbar seltsamen Zufall beobachten: Hausbrauereien, die neben einer Backstube lagen, produzierten ein schmackhafteres Bier. Durch die Luft gelangten die winzigen einzelligen Hefe-Organismen ungehindert in den Braukessel und bewirkten dort den alkoholischen Gärungsprozess.

Pilgerbiere sind besonders beliebt

In Deutschland gibt es heute mehr als 1.300 Braustätten, die etwa 5.500 verschieden Biere herstellen: Von A wie Alt bis W wie Weizenbier. Stetig kommen neue Varianten auf den Markt, die die deutschen Bierliebhaber und Interessen der Zielgruppen ansprechen sollen. Derzeit sind sogenannte Pilgerbiere besonders beliebt. Davon zeugen zum Beispiel der "Ehrenberger Pilgerstoff" und das "Pilgerbier Altötting".

Auch die Paderborner Brauerei ist auf den Trend aufmerksam geworden. Kein Wunder: Sie liegt inmitten des gleichnamigen Erzbistums, das von zahlreichen Pilgerwegen und Wanderstrecken umgeben ist, die nicht nur Menschen aus der Region nutzen. So wandern im Juli 3.000 junge Erwachsene aus Frankreich auf der Reise zum Weltjugendtag nach Krakau durch das Erzbistum. "Wir wollen die Sehnsucht nach Entschleunigung aufgreifen", sagt Marketingmanager Peter Böhling. "Pilgern bedeutet eine Auszeit vom hektischen Berufsleben, dafür nehmen wir uns in der heutigen Gesellschaft zu wenig Zeit. Vielleicht kann unser Pilgerbier die Menschen dazu motivieren."

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Pilgern liegt im Trend. Nicht nur bei den Pilgern selbst, sondern auch bei Tourismusvereinen, christlichen Institutionen und auch bei Brauereien.

Das Heimatbistum der Paderborner Brauerei veröffentlichte die Internetseite "orte-verbinden.de". Auf dem Portal werden Pilgerwege im Gebiet des Erzbistums vorgestellt. Jeder Weg wird mit Karte und Informationen zu interessanten Weg-Stationen beschrieben. Betreut wird das Projekt von Barbara und Michael Bogedain aus der Hauptabteilung Pastorale Dienste des Erzbischöflichen Generalvikariats. Sie stellen gemeinsam mit Autoren in regelmäßigen Workshops Pilgerwege zusammen, die man auf der Internetseite findet. Die Idee des Projektes ist es, Menschen, deren Gemeinden durch die aktuelle Strukturreform zusammengefasst werden, einander auf ganz praktische Art näher zu bringen: "Die Wege werden von Ehrenamtlichen erstellt und beschrieben, um neue Gemeindemitglieder zu integrieren. Jeder Autor stellt ihre Lieblingsorte vor und führt sie zu einem Pilgerweg zusammen." Der religiöse Aspekt spielt dabei eine zentrale Rolle, aber es geht ebenso um nicht ausschließlich glaubensbezogene Dinge wie das Zur-Ruhe-Kommen, das Erleben von Natur und Kultur, um Meditation, Kontemplation und – Bewegung. "Darüber hinaus machen die individuellen Pilgerwege die noch recht neuen Pastoralen Räume im Erzbistum direkt erfahrbar", so Bogedain. Sie animieren dazu, neue Wege und Orte im erweiterten Gemeindegebiet kennen zu lernen.

"Alte Pilgerweg" in der Nähe der Brauerei

Unter anderem wird auf der Internetseite auch der "Alte Pilgerweg" vorgestellt, der nur 20 Minuten von der Brauerei entfernt liegt. Er lädt zu einer Tageswanderung durch idyllische Täler und eindrucksvolle Buchenwälder ein. Kulturgeschichtliche Höhepunkte des 20 Kilometer langen Rundwanderwegs sind die mittelalterliche Kapelle "Zur Hilligen Seele" auf der Paderborner Hochfläche bei Dörenhagen und die Madonna am "Stern", eine fast lebensgroße Marienfigur an einem Kreuzungspunkt alter Handelswege.

Der Vorschlag dazu kam von Karl Heinz Schäfer, Geschäftsführer der Paderborner Tourist Information, und seiner Frau Gudrun Kaiser. Für sie ist der Weg ein Ort der Besinnung und Begegnung. Für die Wanderer und Pilger entwickelte Kaiser sogar einen zusätzlichen Anreiz: zehn "Meditationsstationen" mit besinnlichen Texten geben Impulse zum Nachdenken.

Von Stefanie Heinrichs