Die an fortgeschrittener Demenz leidende Carmen tanzt am 20.03.2013 im Demenz-Tanzcafé in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) mit ihrem 69-jährigen Ehemann Peter Dunkelmann einen Tango. Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen sind bislang dünn gesät.
Dokumentation über einen positiven Umgang mit Demenz

Trotzdem Lebensfreude

Rund 1,4 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Demenz. Ihre Betreuung und Pflege stellt die Angehörigen vor große Herausforderungen. Die verwirrten, häufig orientierungslosen Menschen benötigen ständige Aufsicht. Wie kann man ihnen dennoch ein Leben in Würde ermöglichen? Antwort auf diese Frage versucht Wolfgang Luck in seiner Dokumentation "Die Welt des Vergessens - Würdevoll leben trotz Demenz" zu finden. Die ARD zeigt den Film am kommenden Mittwoch um 21.45 Uhr.

Baden-Baden - 08.05.2013

Die erste Erkundungsstation seiner Reise in die Welt des Vergessens führt Luck in die nordthailändische Stadt Chiang Mai. Hier hat der Schweizer Martin Woodtli vor zehn Jahren eine Pflegeeinrichtung für Demenzkranke aus Europa eingerichtet. Heute werden in Baan Kamlangchay am Rande von Chiang Mai zehn Gäste betreut.

Für deren Wohl sorgen 30 Betreuerinnen in drei Schichten. Von so einem Personalschlüssel kann man selbst in den teuersten Pflegeeinrichtungen in Europa nur träumen. Respektvoll und liebenswürdig gehen die thailändischen Betreuerinnen mit ihren europäischen Gästen um. Doch kann ein Aufenthalt in der Fremde wirklich eine Lösung sein?

Großes Interesse an dem Projekt Kamlangchay hat auch der Pflegewissenschaftler Wolfgang Kramer. Er staunt über den Personalschlüssel, bemängelt aber die Ausbildung der Pflegerinnen.

Experimente mit dem Pflege-Roboter

Die Aufnahmen aus Chiang Mai dürften einigen Zuschauern bekannt vorkommen. Luck hat sie auch in seiner bereits 2012 in den Dritten Programmen ausgestrahlten Doku "Oma will nach Thailand" verwendet.

Zurück in Deutschland beobachten Luck und Kramer erste Experimente mit einem Pflege-Roboter. Die in Japan entwickelte, über 5.000 Euro teure Plüsch-Robbe Paro, die sich dank eingebauter Sensoren bewegt, als sei sie lebendig, soll den emotionalen Zugang zu den Demenzkranken erleichtern. Das Kunsttier mit dem hinreißenden Augenaufschlag zaubert so manchem Patienten ein Lächeln ins Gesicht.

Um mehr Lebensfreude geht es auch beim Angebot einer Kölner Tanzschule. Jeden ersten Montag im Monat heißt es hier "Wir tanzen wieder". Die Veranstaltung soll Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen die Möglichkeit geben, aus der sozialen Isolation herauszukommen und Spaß zu haben.

Kramer ist angetan von dieser Initiative, die den Patienten ein Stück Lebensfreude zurückbringt - nicht zuletzt, weil die Musik ein paar Erinnerungen an längst Vergangenes wachrufen kann.

"Ich hab kein Gedächtnis mehr"

Luck zeigt in seiner Dokumentation, dass es möglich ist, auch mit der Diagnose Alzheimer positive Lebenserfahrungen zu machen. Das steht im Kontrast zu dem vorangegangenen Fernsehfilm "Die Auslöschung", in dem der Patient trotz liebevoller Betreuung seine eigenen Konsequenzen aus der Krankheit zieht.

Allerdings bleiben in der Dokumentation einige Fragen offen. So wäre es schön gewesen zu erfahren, warum es ein Mangel ist, dass die thailändischen Pflegekräfte zu wenig Spezialausbildung haben. Im Film ist davon nichts zu spüren. Die Überlegung, ob die Robbe Paro ein Einstieg in die Altenpflege durch Roboter ist, wirkt ein wenig weit hergeholt. Es ist schlecht vorstellbar, dass das süße Tier mit ihren Flossen Windeln wechselt.

Eines jedoch ist Wolfgang Luck gelungen: Er holt das Thema "Leben mit Demenz" aus der Angst-Ecke. Der Zuschauer erlebt, dass auch Demenzkranke Lebensfreude empfinden können. Ein Beispiel ist Elisabeth. Die Schweizerin lebt in Thailand und glaubt, sie mache hier Ferien. Mit einem verschmitzten Lächeln bittet sie Wolfgang Luck: "Ich hab kein Gedächtnis mehr - das könnten Sie mir mitbringen."

Von Monika Herrmann-Schiel

"Die Welt des Vergessens - Würdevoll leben trotz Demenz", Film von Wolfgang Luck. ARD, Mi 8.5., 21.45 - 22.15 Uhr. Mit Untertiteln für Hörgeschädigte.