Symbolbild: Ein Junge reibt sich am 15.05.2013 in Leichlingen (Nordrhein-Westfalen) vor seinem Laptop beim betrachten der Facebook Seite die Augen.
Katholischer Wirtschaftsverband fordert Aktionen gegen Cybermobbing

Vom Kommentar zur Krise

Jugendliche - Sie hatten ihr Leben vor sich, als sie sich entschlossen, es zu beenden – zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten. Nach jahrelangem Cybermobbing sahen sie keinen anderen Ausweg mehr.

Bonn - 17.05.2013

Alle vier gehören zur Generation der "Digital Natives" und alle vier sind letztlich daran zugrunde gegangen. Denn in Zeiten, in denen Jugendliche sich im Wesentlichen per Chat und Posting miteinander verständigen, potenziert sich die Wirkung von Mobbing, das früher auf dem Schulhof schon Leid verursachte, um ein Vielfaches.

Jeder sechste Jugendliche in Deutschland wird via Internet gemobbt oder sogar bedroht, so das erschreckende Ergebnis einer am Donnerstag in Köln vorgestellten Studie. Das Bündnis gegen Cybermobbing befragte mit Unterstützung der ARAG-Versicherung in der bislang größten Erhebung zu dem Thema mehr als 10.000 Schüler, Lehrer und Eltern. Und die Ergebnisse gefallen nicht.

Keine Kontrolle mehr

Etwa 17 Prozent sind danach schon einmal Opfer von Mobbing und Beleidigung im Internet geworden. Lästerei, Hänseleien und auch Handgreiflichkeiten gehörten schon bei unseren Großeltern zur jugendlichen Realität.

Und es gab immer diejenigen, die mehr abkriegten als andere. Aber erst durch Facebook und Co erhält Mobbing eine Reichweite und Nachhaltigkeit, die sich nicht mehr kontrollieren lassen.

Player wird geladen ...
Video: © ARD

Die Macht des Wortes/Cybermobbing

Die Hürde irgendeine eine Gemeinheit zu posten, ist viel geringer als sie einem anderen direkt ins Gesicht zu schleudern. Gleichzeitig wird sie von vielen gelesen, die sich ihrerseits wieder eine Meinung bilden.

Unterstützt durch die ureigene Aufgabe des Internets, zu verbreiten und nichts zu vergessen, kann so ein eben dahingetippter Satz, ein peinliches Video oder ein gefälschtes Foto schnell eine Dimension erreichen, der auch Lehrer und Eltern ratlos gegenüber stehen.

Verband fordert Ausbau der kirchlichen Online-Seelsorge

Das Medienzeitalter hat die Pädagogik an dieser Stelle überholt und es fehlen bislang gute Ideen, wie man Kinder und Jugendliche schützen kann. Wo Außenseitern vor 15 Jahren in schlimmen Fällen ein Klassen- oder Schulwechsel half, verfolgt das Mobbing die Opfer heute bis ins Kinderzimmer. Den PC einfach auszuschalten und das Handy links liegen zu lassen, würde die Betroffenen nur von ihren Freunden abkoppeln und die Beleidigungen kursierten weiter.

Auf der Suche nach Lösungen sieht der Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) die Anbieter sozialer Netzwerke in der Pflicht: "Sie müssen den Jugendschutz intensivieren und aktiv mehr Hilfsangebote schaffen, wenn es zu Mobbingfällen kommt", fordert der Bundesvorsitzende Bernd-M. Wehner. Der Sozialverband wünscht sich den Ausbau der kirchlichen Online-Seelsorge mit virtuellen Beratungsangeboten für Jugendliche. "Als Kirche und kirchliche Verbände sollten wir da sein, wo die Menschen sind."

Medienkompetenztraining für Jugendliche

Präventiv fordert der KKV Medienkompetenztraining für Jugendliche an Schulen, um einen verantwortungsvolleren Umgang miteinander in der virtuellen Welt zu erreichen. Dafür müssen allerdings auch Lehrer und Eltern geschult werden, die sich mit dem Medium Internet oft weitaus schlechter auskennen als die Kinder und Jugendlichen selbst.

Wehner fordert deshalb eine Offensive für mehr Medienkompetenz an Schulen. "Es geht schlicht darum, die Lehrkräfte besser auf die neuen Herausforderungen vorzubereiten und vor Ort an den Schulen Konzepte zu entwickeln, die den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen entsprechen."

Genau da setzt das Bündnis gegen Cybermobbing an, wenn es - um die Jugendlichen da abzuholen, wo sie stehen - auch Beratung durch Jugendliche anbietet, die von Experten aus dem Bereich Recht, Internet, Psychologie und Online-Beratung ausgebildet wurden. Hilfe auf Augenhöhe sozusagen.

Von Janina Mogendorf