Schachfigur
Monika Metternich antwortet auf Andreas Püttmann

Es gibt Streit in der Ecclesia

Standpunkt - Monika Metternich antwortet auf Andreas Püttmann

Von Monika Metternich |  Bonn - 09.06.2016

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"Erinnert ihr euch an die vielen Male, als ein Bischof ein politisches Statement gab und sich sich jeder dachte 'wow'? Ne, ich auch nicht." – "Oh, doch! Zum Beispiel, als Kardinal Galen gegen die politisch veranlasste Tötung Behinderter predigte."

Auch so könnte die Debatte laufen, statt immer nur das "Rechtskatholiken"-Schwert zu zücken. Andreas Püttmann hat in seinem gestrigen Standpunkt in manchem Recht: Die erbitterten kircheninternen Auseinandersetzungen nutzen oft auch der AfD. Aber ist es wirklich eine Lösung, diejenigen, die beispielsweise Kardinal Woelkis Flüchtlingsschiff als Fronleichnamsaltar keine gute Idee fanden, mal eben als "Rechtskatholiken" abzustempeln? Die der AfD willig Argumente liefern? Zuweilen lohnt es sich, katholische Kritiker auch einfach mal zu fragen, was genau ihnen so gegen den Strich geht, dass sie einen Bischof kritisieren.

Am Kölner Beispiel ist gut zu erkennen, dass es da sehr unterschiedliche Ansätze gibt. Die einen argumentieren liturgisch: Das heilige Messopfer sei kein beliebiges Event, dem man durch die Wahl eines "Mottoaltars" eine zusätzliche, vermeintlich tiefere Bedeutung geben könne und dürfe.  Und zwar auch dann nicht, wenn die Intention eine gute und richtige sei. Dann gibt es unter den Kritikern auch die grundsätzliche Ablehnung politischer Äußerungen durch Bischöfe, wie sie oben zitierter Satz impliziert. Kein neues Argument. Manch einer erinnert sich noch gut an die grummelnde Unzufriedenheit, die sich regelmäßig bei vielen Katholiken an Wahlsonntagen einstellte, wenn der Pfarrer wieder einmal von der Kanzel verkündete, welche Partei die Gläubigen wählen sollten und welche nicht. Ich halte die Kritik an dieser Praxis heute noch für richtig.

Was aber durchaus im Lehr- und Evangelisationsauftrag steht: Den Gläubigen klar vor Augen zu stellen, welche Positionen für einen Christen unvereinbar mit dem Glauben an Jesus Christus sind. Auch, wenn es sich um politische Positionen handelt, darf ein Bischof nicht mit der zuweilen auch unbequemen Botschaft des Evangeliums hinterm Berg halten. Viele derjenigen, die sich jetzt über "politische Äußerungen" von Bischöfen zur Flüchtlingsfrage ärgern, würden laut "wow!" rufen, wenn dieselben Bischöfe sich in Lebensschutzfragen (die ja auch politisch sind!) deutlich öffentlich profilieren.

"Das Humanum in der Politik verteidigen" – da gebe ich Andreas Püttmann völlig recht, ist eine wichtige Aufgabe der Bischöfe. Aber es gehört auch zum christlichen Stil, redlich miteinander zu ringen, wenn es innerhalb der Kirche unterschiedliche Positionen zu einem Thema gibt, statt den Meinungsgegner einfach in die politisch rechte Ecke zu stellen. Dass auch das der AfD nutzt, ist dabei nicht das wichtigste Argument. Der Anspruch "seht, wie sie einander lieben" dürfte ein besserer Ansatz sein. Und zwar auch und gerade dann, wenn es Streit in der Ecclesia gibt. Vielleicht sollten wir alle mal wieder die Paulusbriefe zur Hand nehmen. Da steht, wie das geht.

Die Autorin

Monika Metternich ist Religionspädagogin, Schriftstellerin und Journalistin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Monika Metternich