Bischof Heiner Koch besucht die sächsische Stadt Pirna nach der Hochwasserkatastrophe 2013.
Die deutschen Bistümer zwischen Schutzmaßnahmen, Aufräumarbeiten und Gottesdiensten

Hoffen und Bangen

Hochwasser - Irgendetwas ist an diesem Sonntag anders in St. Kunigunde. Die Kirchenbänke wurden gut einen halben Meter erhöht, was das Sitzen während der Heiligen Messe unmöglich macht. Auch das Schuhwerk vieler Gottesdienstbesucher - Gummistiefel in diversen Farben - mutet an diesem Ort ungewöhnlich an. Doch die Hauptsache ist: Die Menschen sind gekommen. Trotz aller verkehrstechnischen Schwierigkeiten, trotz der Schäden an ihren Häusern und Wohnungen.

Bonn - 11.06.2013

St. Kunigunde ist eine katholische Kirchengemeinde in der sächsischen Kreisstadt Pirna, knapp 20 Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt. Die Stadt im Bistum Dresden-Meißen wurde Opfer des Hochwassers. Den Gottesdienst mit ihrem Bischof Heiner Koch ließen sich die Gläubigen aber dennoch nicht nehmen. Weil "auch in Flutzeiten der Sonntag Sonntag bleiben soll", wie die Gemeinde zuvor auf ihrer eigenen Homepage verkündet hatte.

"Obwohl das Wasser langsam zurück geht", sagt Bistumssprecher Michael Baudisch, sei die Situation vor Ort ungewöhnlich gewesen. Es habe keine Elektrizität gegeben. Flutlichter, die mit Notstrom liefen, hätten für die notwendige Beleuchtung gesorgt. Die Kirche sei aber zum Glück vom Schlimmsten verschont geblieben. "Das Aufbocken der Kirchenbänke war eine reine Vorsichtsmaßnahme", erklärt Baudisch. Der Gottesdienst und das Drumherum hätten in "ergreifender Atmosphäre stattgefunden". Der Ortspfarrer schenkte dem Bischof ein paar eigene Gummistiefel, in denen sich Koch selbst ein Bild von den Folgen des Hochwassers machte (siehe Foto).

Bischof Heiner Koch besucht die sächsische Stadt Pirna nach der Hochwasserkatastrophe 2013.

Bischof Heiner Koch besucht die sächsische Stadt Pirna nach der Hochwasserkatastrophe 2013.

Spenden, was Menschen in der Region hilft

Ähnlich ist die Situation im Bistum Magdeburg. Obwohl Bischof Gerhard Feige seine Wohnung jetzt endgültig verlassen musste, "geht das Hochwasser in Teilen zurück", erklärt Sprecher Thomas Lazar. Was aber bleibt, ist jede Menge Arbeit. Organisationen und Verbände wie die Caritas und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sind bereits einen Schritt weiter. So hat die Caritas in Halle eine zentrale Sammelstelle für Sachspenden eingerichtet. Im Sozialkaufhaus in der Silberhöhe stellt der Verband eine ganze Etage zur Verfügung, wo alles abgegeben werde kann, was von der Flut betroffenen Menschen in der Region hilft: Hausrat, Möbel, Kleidung und ähnliches.

Der BDKJ hat seine Projekte für die 72-Stunden-Aktion (13.-16. Juni) ebenfalls auf das Hochwasser ausgerichtet. "Vom 'Kärchern' bis zum Wegräumen werden die jungen Leuten hier alles machen können", sagt Christoph Tekaath, BDKJ-Präses und Diözesanjugendseelsorger. Ob Pfadfinder, Messdiener oder Schulklassen: "Wir haben Anmeldungen aus ganz Deutschland von Menschen, die helfen wollen", so Tekaath.

Das ist ein sichtbares Zeichen der Solidarität.

Zitat: BDKJ-Präses Christian Tekaath

300 junge Leute allein für den Raum Magdeburg. "Und alle 20 Minuten meldet sich noch jemand an", freut sich der Präses. Das sei ein sichtbares Zeichen der Solidarität. "Und zwar da, wo die Not am größten ist." Trotz der steigenden Anmeldezahlen werde jedoch jede weitere Hilfskraft benötigt, bekräftigt Tekaath.

Während Dresden-Meißen und Magdeburg das Schlimmste überstanden haben, wartet Hans-Günter Sorge noch auf den Scheitel des Hochwassers. "Wir rechnen am Donnerstag damit", erklärt der Pfarrer von St. Agnes in Lüchow, der östlichsten Kirchengemeinde im Bistum Hildesheim. Die Straßen stehen bereits unter Wasser. Die nahegelegene 5.000-Seelen-Stadt Hitzacker wurde evakuiert.

Die Menschen sind ihm wichtiger

"Unsere zwei Kirchen, das Pfarrhaus und die zwei Gemeindesäle sind bisher nicht betroffen", sagt Sorge. Wichtiger seien ihm aber auch die Menschen. Freiwillige Helfer hätten bereits Sandsäcke für den Ernstfall gefüllt. Der Pfarrer selbst gehört zum Team der Notfallseelsorge. Bisher habe er noch nicht aktiv werden müssen. "Es war ja alles vorhersehbar", erklärt er. Damit würden die Menschen zurechtkommen. Erst wenn etwas Unvorhergesehenes passiere, zum Beispiel ein Damm brechen sollte, "dann wird die Seelsorge wichtig".

Unterdessen bekundete auch der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle seine Solidarität. Als Kölner Weihbischof habe er zahlreiche Rhein-Hochwasser miterlebt und bete daher für die Menschen, die um ihr Hab und Gut und im Extremfall sogar um Leib und Leben fürchteten. Sein Dank gelte besonders "den vielen Männern und Frauen, die sich besonders an den Rettungsmaßnahmen beteiligen".

Von Björn Odendahl

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