Gruppenbild mit Bischof und Ministerpräsident: Bischof Gerhard Feige (M.) und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) mit jugendluchen Fluthelfern.
Katholische Jugendliche helfen bei Aufräumarbeiten nach der Flut

Den Glauben in die Tat umsetzen

72-Stunden-Aktion - Hannah, ich brauch dich hier bei den Sandsäcken", ruft Holger Wondratschek. Ein junges Mädchen mit schlammverschmierten Gummistiefeln stapft durch das Wasser zu dem Leiter der katholischen Jugendgruppe. Sie ist eine von 36 Jugendlichen, die sich von Rösrath bei Köln auf den Weg gemacht haben, um in Magdeburg bei der Beseitigung der Flutschäden zu helfen.

Magdeburg - 16.06.2013

Die Gruppe ist Teil einer noch weit größeren Kampagne. Es ist die 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Unter dem Motto "Uns schickt der Himmel" packen noch bis diesen Sonntagnachmittag über 175.000 Kinder und Jugendliche bundesweit in sozialen und ökologischen Projekten dort an, wo es besonders notwendig ist. Kurzfristig wurde auch Fluthilfe ins Programm genommen, allein nach Sachsen-Anhalt sind deshalb zusätzlich 500 Jugendliche aus ganz Deutschland gekommen.

Das Magdeburger alternative Wohnprojekt "Vitopia" einer Gruppe junger Familien nahe der Elbe, wo die BDKJ-Gruppe aus dem Rheinland eingesetzt ist, hat es schlimm erwischt. Immer noch steht auf dem Grundstück das Wasser so hoch, dass die Jugendlichen einen Vormittag damit verbracht haben, mit Kanus Treibholz zu sammeln und wegzuschaffen. "Als wir ankamen, hieß es nur, das ist jetzt euer Projekt", erzählt Wondratschek.

Dankbar für die "Helfer vom Himmel"

Und so tun die Rösrather Jugendlichen, was zunächst am dringlichsten ist: Sandsäcke in Container schleppen, fegen und Müll wegtragen. Sie kommen aus verschiedenen Gruppen, manche sind Ministranten, andere bei der Katholischen Jugend, wieder andere bei der Jugendfeuerwehr. Das gemeinsame Engagement schweißt zusammen, beim Gruppenfoto auf dem vollen Container wird gescherzt und gelacht.

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Viele Jugendliche helfen in Magdeburg, die Schäden der Flut zu beseitigen.

"Ich wusste erst zwei Tage vorher, wo es hingeht", erzählt der jüngste der Gruppe, Michel Liebig. "Für mich war klar, dass ich mitfahre, um anderen zu helfen, die es nicht so gut haben wie wir." Die Träger von "Vitopia" sind den "Helfern vom Himmel" dankbar: "Es ist total wertvoll, so viele helfende Hände zusätzlich zu haben", sagt eine Bewohnerin. Eine Gruppe der Katholischen Landjugend aus dem rheinland-pfälzischen Worms, die ebenfalls mithilft, hat schnell Gemeinsamkeiten mit "Vitopia" entdeckt. Fairtrade-Projekte und Friedensarbeit liegen ihnen gemeinsam am Herzen. "Vielleicht entsteht daraus ja eine längerfristige Partnerschaft, über die Aktion hinaus?", die Frage liegt in der Luft.

Auch eine Schulklasse aus dem Sauerland hat sich eingefunden, um mitzuhelfen. Zudem trifft ein LKW des Technischen Hilfswerkes ein. Als noch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hinzukommen, um diesen Helfern stellvertretend für alle anderen zu danken, haben die schon einen Rhythmus gefunden. Die Schulklasse bildet unter viel Gelächter eine Kette zum Abtransport von Sandsäcken, während die Rheinländer einen anderen Container mit Holz befüllen.

"Ein großartiges Zeichen der Solidarität"

"Das ist auch Kirche", sagt die BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Meier und deutet auf die verschwitzten Jugendlichen. "Sie setzen ihren Glaube in die Tat um." Bischof Feige nickt. "Es ist wichtig, dass wir Christen uns auch auf diese Weise bemerkbar machen", betont der Bischof des Bistums Magdeburg. Auch Georg Austen, der Generalsekretär des Bonifatiuswerks, spricht von einem "großartigen Zeichen der Solidarität". Das Hilfswerk übernimmt einen großen Teil der zusätzlichen Kosten, die bei der kurzfristig organisierten Fluthilfe anfallen.

Inzwischen löst sich die Kette der Jugendlichen auf, der Container ist voll. "Ich bin müde, aber ich fühl mich gut", sagt ein Mädchen zu ihrer Nachbarin. Die Jugendlichen haben viel geschafft, doch noch liegen viele Stunden vor ihnen, in denen sie zeigen wollen, dass sie "vom Himmel geschickt sind".

Von Barbara Mayrhofer (KNA)