Volker Resing über Forderungen nach einem inklusiven Olympia

Kirchlicher Sport-Stuss

Aktualisiert am 30.06.2016  –  Lesedauer: 
Standpunkt

Bonn ‐ Volker Resing über Forderungen nach einem inklusiven Olympia

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Es ist nur eine kleine unbedeutende Meldung und doch deutet sie auf ein Ärgernis hin. Ivan Jurkovic, Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, fordert ein inklusiveres Olympia. Der Leser reibt sich die Augen, was soll das bedeuten? Frauen, Kinder sowie Menschen mit Behinderung müssten stärker einbezogen werden, sagte der Geistliche laut einem Bericht von Radio Vatikan bei einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrates. Nun, wer mag, kann das gleich als Stuss abtun, doch ist es zutiefst verstörend, wenn Kirchenvertreter mit solchen absurden Äußerungen die Wahrnehmungsschwelle durchbrechen und an die Öffentlichkeit dringen. Lasst das sein!

Was meint der Geistliche genau? Erzbischof Jurkovic kritisierte, dass der Sport zu sehr auf ökonomischen Erfolg ziele und einen "exzessiven Wettbewerb" fördere. Hallo, geht's noch? Sport ist Wettbewerb! Sport ohne Wettbewerb ist wie Fußball ohne Ball! Und, ja, exzessiv darf es gerade auch im Sport mal sein. Geschwisterlichkeit, Freundschaft zwischen den Völkern, Respekt und Toleranz seien Werte, die der internationale Sport und die Olympischen Spiele lehren könnten, schreibt der Erzbischof. Lieber Herr Kirchendiplomat, bitte reden Sie von Dingen, von denen Sie Ahnung haben. Gerade durch den Sport, der leistungsorientiert, kämpferisch und durchaus auch auf Erfolg aus ist, wird der Völkerverständigung mehr gedient als durch wohlfeile Worte.

Der Erzbischof will Kinder, Jugendliche, Frauen und Menschen mit Behinderungen mehr am sportlichen Wettbewerb beteiligen. Immerhin lobt er die Paralympischen Spiele. Doch was sollte seiner Meinung nach jetzt noch mehr passieren? Die Olympischen Spiele sind doch gerade der Gipfel und Endpunkt auch von Kinder- und Jugendarbeit in der Sportvereinen - für Frauen und Männer!

Wer ein inklusives Olympia fordert, hat entweder keine Ahnung oder er folgt einem Inklusions-Denken, welches nicht zusammenführen, sondern schlicht alles nivellieren will. Hier wird das scheinbar Gute dann zur ideologischen Keule. Oder wäre es etwa "inklusiv", wenn die "Auflaufkinder", die kleinen Mädchen und Jungs bei der Fußball-Europameisterschaft, die mit den Mannschaften einlaufen, gleich mitspielen? Absurdistan!

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.
Von Volker Resing