Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Pater Christoph Kreitmeir über das Palmsonntagsevangelium

Du hast die Wahl!

Am Palmsonntag legt Pater Christoph Kreitmeir die Passion aus. Da hören wir, wie geschickt das Volk von denen manipuliert wird, die in Jesus eine Bedrohung sehen. Hatte es also überhaupt eine Wahl?

Von P. Christoph Kreitmeir OFM |  Bonn - 08.04.2017

Impuls von Pater Christoph Kreitmeir

Seit Monaten bestimmen immer wieder Wahlen das Interesse der Medien: Die Wahl des amerikanischen Präsidenten, das geplante Referendum des türkischen Präsidenten, die Bundespräsidentenwahl in Deutschland, Europa- und baldige Bundestagswahl, Schulz-Effekt ... Die Gemüter sind erhitzt oder gelangweilt. Es wird Wahlkampf betrieben, getrickst, gedroht, geschwiegen.

Am Palmsonntag hören wir von der berühmten Volksbefragung durch Pontius Pilatus: "Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Barabbas oder Jesus, den man den Messias nennt?" Das Volk wird dann geschickt von denen manipuliert, die in Jesus eine Bedrohung für ihre Pläne sehen. Die Rechnung geht auf: die Masse denkt nicht nach, sie schreit, immer lauter ... und Jesus schweigt.

Jesus schweigt! Nicht aus Feigheit oder weil ihm die Argumente fehlen. Er schweigt, weil er weiß, dass er der "König der Juden" ist und jedes Argument dafür nicht mehr ankommt. Jesus schweigt, weil er seine Sache und sein Leben in die Hände Gottes gelegt hat. Er weiß, dass sein Tun einen tieferen Sinn hat, in dem er geborgen ist.

Pilatus fügt sich der aufgehetzten Menge und sagt: "Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache.“  Und die "Geschichte aller Zeiten" geht ihren brutalen Gang: Jesus wird verhöhnt, beschimpft, bespuckt, geschlagen, gegeißelt ... gekreuzigt.

Mut zum eigenen Weg (Jesus), Desinteresse und Feigheit vor der Volksmenge (Pilatus), Intrigen (Hohepriester und Älteste), Beeinflussbarkeit (Volk), Dienst nach Vorschrift (Soldaten) ... Hatten all die Betroffenen eigentlich eine Wahl in ihrem Handeln?

Die Antrittsrede des neuen deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier vom 22. März spricht von Mut und von der Möglichkeit, dass wir in unserem Handeln immer eine Wahl haben. Wir haben die Wahl, zu sagen, was ist und was nicht: Fakt oder Lüge, Wahrheit oder Fake-News. Wir haben die Wahl, zuzuhören und zu diskutieren und nicht den anderen niederzuschreien oder zu diffamieren. Wir haben die Wahl, mutig oder feige zu sein, aufrichtig oder falsch. Wir haben die Möglichkeit, mitzubestimmen oder mitzulaufen.

Jesus hatte die Wahl und er entschied sich für das Kreuz. Es brachte uns allen Hoffnung, Sinn und Leben über den Tod hinaus. Die Liebe siegte über den Hass ... bis heute. Von Jesus wird noch nach 2000 Jahren gesprochen. Die Kraft seiner Auferstehung wirkt bis heute in den Seelen derer, die die Chance erkennen, dass sie eine Wahl haben: gegen oder für das Leben. Wir haben eine Wahl, Gott sei Dank! Und das gibt Mut!

Von P. Christoph Kreitmeir OFM

Die Passion nach Matthäus (Mt 26, 14 - 27,66)

Die Verhandlung vor Pilatus

Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es. Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort.

Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, so dass der Statthalter sehr verwundert war. Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen, den sich das Volk auswählen konnte.

Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Barabbas im Gefängnis. Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war: Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Barabbas oder Jesus, den man den Messias nennt?

Er wusste nämlich, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte. Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: Lass die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schrecklichen Traum.

Inzwischen überredeten die Hohenpriester und die Ältesten die Menge, die Freilassung des Barabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu lassen. Der Statthalter fragte sie: Wen von beiden soll ich freilassen? Sie riefen: Barabbas!

Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm! Er erwiderte: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Da schrien sie noch lauter: Ans Kreuz mit ihm!

Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache! Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Darauf ließ er Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.

Die Verspottung Jesu durch die Soldaten

Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätorium, das Amtsgebäude des Statthalters, und versammelten die ganze Kohorte um ihn.

Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: Heil dir, König der Juden!

Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen ihm damit auf den Kopf. Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

Die Kreuzigung

Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon; ihn zwangen sie, Jesus das Kreuz zu tragen. So kamen sie an den Ort, der Golgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe. Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken.

Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich. Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn. Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab: Das ist Jesus, der König der Juden. Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt, der eine rechts von ihm, der andere links.

Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz!

Auch die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten verhöhnten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Er ist doch der König von Israel! Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben. Er hat auf Gott vertraut: der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber, die man zusammen mit ihm gekreuzigt hatte.

Der Tod Jesu

Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land. Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija. Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken.

Die anderen aber sagten: Lass doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft. Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte, und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich, und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt.

Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen. Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!

Der Autor

P. Christoph Kreitmeir ist Franziskaner und arbeitet als Priester, Seelsorger und psycho-spiritueller Lebensberater.

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