Franziska Salesia Aviat

Unter welchen Bedingungen leben und arbeiten die Menschen, die unsere Konsumgüter produzieren? Diese bis heute aktuelle Frage ließ die junge Leonie Aviat (1844-1914) nicht mehr los. Bereits während ihrer Schulzeit im Pensionat der "Schwestern der Heimsuchung" fiel die Tochter angesehener Geschäftsleute aufgrund ihres caritativen Engagements auf. Über die dortige Oberin Maria Salesia Chappuis und den Spiritual Louis Brisson lernte sie die Ideen des Ordensgründers Franz von Sales kennen, welche sie tief prägen sollten. Als die zwanzigjährige Leonie in einer Fabrik etwas für ihre Mutter abholen sollte, war sie schockiert über den Zustand der jungen Arbeiterinnen. Im Zuge der Industrialisierung zogen in ganz Frankreich arbeitssuchende Mädchen vom Land in die Städte, wo sie in den neu entstandenen Fabriken ausgebeutet wurden. Zusammen mit Louis Brisson gründete Leonie die "Ordensgemeinschaft der Oblatinnen des hl. Franz von Sales" und nahm den Ordensnamen Franziska Salesia an. Die Schwestern gründeten Arbeiterinnenwerke, eröffneten Werkstätte und betreuten Schulen. Innerhalb zweier Jahrzehnte breitete sich die Gemeinschaft bereits auf drei Kontinente aus. Die Ordensgründerin starb am 10. Januar 1914.

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Gebet des Tages

Barmherziger Gott,
du hast deinen Sohn in diese Welt gesandt,
um die Menschen
aus der alten Knechtschaft zu erlösen.

Schenke allen, die auf deine Hilfe warten,
die Freiheit des neuen Lebens.
(aus der Tagesliturgie)

1 Joh 4, 19 - 5, 4

Lesung aus dem ersten Johannesbrief

Liebe Schwestern und Brüder! Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.

Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben. Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, stammt von Gott, und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der von ihm stammt.

Wir erkennen, dass wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen. Denn die Liebe zu Gott besteht darin, dass wir seine Gebote halten. Seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.

Lk 4, 14-22a

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas    

In jener Zeit kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.

So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:

Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete.