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Johannes Chrysostomus

Chrysostomus ("Goldmund") – dieser Beiname klingt süß und fast ein wenig märchenhaft. Doch Johannes (349/344-407) war der wohl wortgewaltigste Prediger der griechischsprachigen Christenheit. Er wurde als Sohn wohlhabender Eltern in Antiochia am Orontes (heute Türkei) geboren und erhielt höhere antike Bildung. Nach dem Tod seiner Mutter lebte er jahrelang streng asketisch als Einsiedler in den syrischen Bergen, bis ihn sein schwacher Gesundheitszustand zur Rückkehr zwang. Daraufhin wurde Johannes Kleriker in seiner Heimatstadt. Seine mitreißenden Predigten verschafften ihm so viel Einfluss beim Volk, dass Kaiser Arcadius ihn gegen seinen Willen zum Patriarchen von Konstantinopel ernannte. Der Asket verabscheute die Intrigen, Eitelkeiten und Sittenlosigkeit in der damals reichsten Stadt des römischen Reichs. Johannes disziplinierte seinen Klerus, betrieb Armenfürsorge und kritisierte offen die Mächtigen. Daraufhin wurde der unliebsame Prediger gleich zweimal verbannt und starb entkräftet am 14. September 407 in Komana (heute Türkei). Johannes Chrysostomus hinterlässt ein zweischneidiges Erbe: In drastischen Bildern rechtfertigte er Gewalt gegen Juden als verdiente Strafe Gottes und wurde so zu einem Weichensteller des christlichen Antijudaismus. Gleichzeitig trug der Kirchenvater maßgeblich zur Weiterentwicklung der frühchristlichen Theologie bei. Besonders die orthodoxe Kirche verehrt ihn als einen der "drei heiligen Patriarchen".

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Gebet des Tages

Gott, du Stärke aller,
die auf dich vertrauen.
Du hast dem heiligen Johannes Chrysostomus
die Gabe der Rede geschenkt
und ihm in den Bedrängnissen
seines Lebens geholfen.

Belehre uns durch sein Wort
und ermutige uns durch sein Vorbild.

(Tagesgebet)

1 Tim 1, 1-2.12-14

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an Timotheus

Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Auftrag Gottes, unseres Retters, und Christi Jesu, unserer Hoffnung, an Timotheus, seinen echten Sohn durch den Glauben. Gnade, Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn.

Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus Jesus, unserem Herrn. Er hat mich für treu gehalten und in seinen Dienst genommen, obwohl ich ihn früher lästerte, verfolgte und verhöhnte. Aber ich habe Erbarmen gefunden, denn ich wusste in meinem Unglauben nicht, was ich tat. So übergroß war die Gnade unseres Herrn, die mir in Christus Jesus den Glauben und die Liebe schenkte.

 

Lk 6, 39-42

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? Der Jünger steht nicht über seinem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein.

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen!, während du den Balken in deinem eigenen Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.