Wendelin von Tholey

Je weniger historische Fakten aus dem Leben der Heiligen überliefert sind, desto bunter sind häufig die sie umgebenden Legenden – so auch bei Wendelin von Tholey (6. Jahrhundert). In der ausgehenden Völkerwanderungszeit baute der Trierer Bischof Magnerich nachweislich auf Einsiedler, um das Umland seines Amtssitzes zu missionieren. Wahrscheinlich zählte Wendelin zu eben jenen Glaubensboten, die daraufhin pastoral im ländlichen Gebiet des heutigen Saarlands tätig waren. Das ist zugegebenermaßen etwas dünn, doch zum Glück weiß der Volksglaube mehr Details zu berichten: Der Tradition nach war Wendelin ein iro-schottischer Königssohn, der sich für ein asketisches Leben entschlossen hatte und als Bettelmönch durch Mitteleuropa zog. Eines Tages verweigerte ihm ein reicher Gutsherr nicht nur eine Spende, sondern fuhr Wendelin wütend an, er solle sich doch Arbeit suchen. Wendelin nahm die Beleidigung demütig entgegen und stellte sich als Hirt in den Dienst des Gutsherrn. Zum Glück für seinen neuen Dienstherrn kannte sich Wendelin mit Heilkunde aus und hatte ein besonderes Talent für die Viehzucht. Alles lief bestens – bis Wendelin die Herde einmal zu weit vom Hof wegtrieb. Ausgerechnet an diesem Tag wollte der Gutsherr einen erfolgreichen Feldzug groß feiern. Die zum Verzehr bestimmten Tiere jetzt noch rechtzeitig zurückzubringen schien ausgeschlossen. Außer sich vor Zorn ließ er Wendelin mit der Herde stehen und ritt davon. Doch als der Gutsherr seinen Hof erreichte, wartete Wendelin mitsamt den Tieren dort schon auf ihn. Erst da erkannte der erschrockene Gutsherr, dass es sich bei seinem Hirten um einen heiligen Gottesmann handelte und baute ihm eine Einsiedelei. Dort lebte Wendelin ein zurückgezogenes Leben und stand den ratsuchenden Landbewohnern hilfsbereit zur Seite, bis ihn die Mönche von Tholey zu ihrem Abt wählten. Aus Wendelins kleiner Einsiedelei entwickelte sich mit der Zeit eine ganze Stadt: das nach ihm benannte St. Wendel.

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Gebet des Tages

Barmherziger Gott,
du selber weckst in uns das Verlangen,
dir zu dienen.

Heilige uns durch Werke der Buße,
erleuchte und stärke uns,
damit wir treu den Weg deiner Gebote gehen.

(aus dem Tagesgebet)

Eph 2, 12-22

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser

Schwestern und Brüder!

Einst wart ihr von Christus getrennt, der Gemeinde Israels fremd und von dem Bund der Verheißung ausgeschlossen; ihr hattet keine Hoffnung und lebtet ohne Gott in der Welt.Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen.

Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile - Juden und Heiden - und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. Er hob das Gesetz samt seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen. Er stiftete Frieden und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet.

Er kam und verkündete den Frieden: euch, den Fernen, und uns, den Nahen. Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater. Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst.

Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut.

Lk 12, 35-38

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft.

Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie.