Unbeflecktes Herz Mariä

Der Name dieses Gedenktags mag vielen antiquiert und befremdlich erscheinen, doch fügt er sich überraschend gut in den heutigen Sprachgebrauch ein: Liebende "öffnen" einander ihre Herzen (vgl. Lk 1,38), große Erlebnisse werden im Herzen "bewahrt" (vgl. Lk 2,19) und das Leiden Unschuldiger "trifft" mitten ins Herz (vgl. Lk 2,35). All diese menschlichen Höhen und Tiefen hat auch Maria, die Mutter Jesu, erlebt. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Kirche schon früh in Marias Herz ein Symbol für ihre einzigartige Gottesbeziehung gefunden hat. Eine solch gnadenvolle Verbindung kann sich nicht selbst genügen, sondern will immer weitere Kreise ziehen: Ab dem 13. Jahrhundert wussten sich die Gläubigen von dieser Hoffnung getragen und sahen in diesem Herz auch ein Zeichen für die liebende Sorge Marias um alle Menschen. Inmitten der unfassbaren Gräuel des Zweiten Weltkriegs vertraute Papst Pius XII. die Welt ganz bewusst dem Herzen Mariens an und führte den Gedenktag offiziell für den 22. August ein. Später verlegte ihn die Liturgiereform auf den Samstag nach dem Hochfest Herz Jesu und verdeutlichte so die christologische Basis des Gedenktags: Wie bei anderen Marienfesten bezeichnet "unbefleckt" die Bewahrung Marias vor den sonst alle Menschen umfassenden Strukturen der Sünde. Diese Freiheit hat sich Maria nicht verdient, sondern sie wurde ihr im Hinblick auf Christus geschenkt. Und so ist der heutige Gedenktag vielen Gläubigen vor allem ein ermutigendes Zeichen dafür, wie Gott das Innerste des Menschen wandeln kann, wenn er "Herz zu Herz" zu ihm spricht.

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Gebet des Tages

Gott,
du hast dem Heiligen Geist
im Herzen der seligen Jungfrau Maria
eine würdige Wohnung bereitet.

Auf ihre Fürbitte hin
erfülle auch unser Leben mit deiner Gegenwart
und mache uns
zu einem Tempel deiner Herrlichkeit.

(aus dem Tagesgebet)

Jes 61, 9-11

Lesung aus dem Buch Jesaja

So spricht der Herr: Die Nachkommen meines Volkes werden bei allen Nationen bekannt sein und ihre Kinder in allen Völkern. Jeder, der sie sieht, wird erkennen: Das sind die Nachkommen, die der Herr gesegnet hat.

Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn. Meine Seele soll jubeln über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt. Denn wie die Erde die Saat wachsen lässt und der Garten die Pflanzen hervorbringt, so bringt Gott, der Herr, Gerechtigkeit hervor und Ruhm vor allen Völkern.

 

Lk 2, 41-51

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.

Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.

Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.

Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.