Gerald von Aurillac

Die mittelalterliche Gesellschaft setzte sich aus streng getrennten Ständen und festgeschriebenen sozialen Rollen zusammen – doch dieser Heilige passte in keine Schublade. Gerald von Aurillac (um 855-909) kam als Sohn eines einflussreichen Lehnsherrn im südfranzösischen Aurillac (Provinz siehe Bild) zur Welt. Obwohl er ein kränkelndes Kind war, erhielt er zunächst die standesgemäße Ausbildung eines zukünftigen Herrschers, wurde also in den schönen Künsten, im Jagen und Bogenschießen unterwiesen. Doch als der von Akne gezeichnete Gerald auch noch zunehmend erblindete, schwenkten seine Eltern um und bereiteten ihn auf eine Vorbereitung zum kirchlichen Amt vor. Nachdem Gerald seinem Vater nachgefolgt und sogar den Ehrentitel eines Grafen erhalten hatte, wollte er einen Mönchsorden gründen. Sein geistlicher Berater Gausbert, der spätere Bischof von Rodez, riet ihm jedoch davon ab. Er solle stattdessen seine soziale Stellung als Laie für die Botschaft des Evangeliums nutzen. Gerald nahm ihn beim Wort: Er war seinem König ein treuer Verbündeter und seinen Untertanen gegenüber freigiebig. Im Jahr 899 ließ er eine Abtei errichten, in dessen Schule auch einmal der spätere Papst Silvester II. unterrichtet werden sollte. Der selbst asketisch lebende Graf starb am 13. Oktober 909 und wurde in der von ihm gegründeten Abtei beigesetzt. 

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Gebet des Tages

Gott, unser Schöpfer.
Die Gegensätze in der Welt klagen uns an:
Reichtum und Not,
Hunger und Überfluss,
Sorglosigkeit und Leid stehen gegeneinander.

Hilf du uns allen,
dass wir aufhören, die Gegensätze zu verschärfen,
und anfangen,
einander Brüder und Schwestern zu sein.

(aus dem Tagesgebet)

Röm 2, 1-11

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

Du bist unentschuldbar - wer du auch bist, Mensch -, wenn du richtest. Denn worin du den andern richtest, darin verurteilst du dich selber, da du, der Richtende, dasselbe tust. Wir wissen aber, dass Gottes Gericht über alle, die solche Dinge tun, der Wahrheit entspricht. Meinst du etwa, du könntest dem Gericht Gottes entrinnen, wenn du die richtest, die solche Dinge tun, und dasselbe tust wie sie?

Verachtest du etwa den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt? Weil du aber starrsinnig bist und dein Herz nicht umkehrt, sammelst du Zorn gegen dich für den „Tag des Zornes“, den Tag der Offenbarung von Gottes gerechtem Gericht.

Er wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen: denen, die beharrlich Gutes tun und Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, gibt er ewiges Leben, denen aber, die selbstsüchtig nicht der Wahrheit, sondern der Ungerechtigkeit gehorchen, widerfährt Zorn und Grimm. Not und Bedrängnis wird jeden Menschen treffen, der das Böse tut, zuerst den Juden, aber ebenso den Griechen; Herrlichkeit, Ehre und Friede werden jedem zuteil, der das Gute tut, zuerst dem Juden, aber ebenso dem Griechen; denn Gott richtet ohne Ansehen der Person.

Lk 11, 42-46

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch Pharisäern! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse, die Gerechtigkeit aber und die Liebe zu Gott vergesst ihr. Man muss das eine tun, ohne das andere zu unterlassen. Weh euch Pharisäern! Ihr wollt in den Synagogen den vordersten Sitz haben und auf den Straßen und Plätzen von allen gegrüßt werden.

Weh euch: Ihr seid wie Gräber, die man nicht mehr sieht; die Leute gehen darüber, ohne es zu merken. Darauf erwiderte ihm ein Gesetzeslehrer: Meister, damit beleidigst du auch uns. Er antwortete: Weh auch euch Gesetzeslehrern! Ihr ladet den Menschen Lasten auf, die sie kaum tragen können, selbst aber rührt ihr keinen Finger dafür.