Thomas von Aquin

Als seine eigenen Verwandten ihn entführten, konnten sie nicht ahnen, dass Thomas (1225-1274) einmal als größter Gelehrter des europäischen Mittelalters in die Geschichte eingehen würde. Aus Sicht des Grafenpaares von Aquino war ihr Sohn vielmehr im Begriff, die Familie zu blamieren. Die Eltern hatten Thomas bereits als Fünfjährigen in das Benediktinerkloster Montecassino geschickt, wo Thomas für eine glänzende kirchliche Karriere vorbereitet werden sollte. Während seines Studiums in Neapel lernte er die neu gegründeten Dominikaner kennen und trat gegen den Willen seiner Eltern in den Bettelorden ein. Die Familie entführte Thomas und hielt ihn über ein Jahr gefangen. Thomas aber blieb stur und durfte schließlich zu den Dominikanern zurückkehren. Auf den Schriften seines Lehrers Albertus Magnus aufbauend erbrachte Thomas eine Synthese zwischen christlicher Theologie und der damals in Europa wiederentdeckten Philosophie des Aristoteles. Neben einer enormen Menge theologischer Abhandlungen verfasste Thomas bis heute bekannte liturgische Texte wie das "Tantum ergo". Nach Lehrtätigkeiten in Paris, Neapel und Rom starb er am 7. März 1274 auf dem Weg zum 2. Konzil von Lyon. Am 28. Januar 1369 wurden seine Gebeine nach Toulouse überführt.

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Gebet des Tages

Gott, du Quell der Weisheit,

du hast dem heiligen Thomas von Aquin
ein leidenschaftliches Verlangen geschenkt,
nach Heiligkeit zu streben
und deine Wahrheit zu erfassen.

Hilf uns verstehen, was er gelehrt,
und nachahmen, was er uns vorgelebt hat.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Weish 7,7–10.15–16

Lesung aus dem Buch der Weisheit

Ich betete, und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir.

Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr. Keinen Edelstein stellte ich ihr gleich; denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand, und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm. Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und zog ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt.

Mir aber gewähre Gott, nach meiner Einsicht zu sprechen und zu denken, wie die empfangenen Gaben es wert sind; denn er ist der Führer der Weisheit und hält die Weisen auf dem rechten Weg. Wir und unsere Worte sind in seiner Hand, auch alle Klugheit und praktische Erfahrung.

Mt 23,8–12

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern. Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.

Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus.

Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.