Treuer Begleiter und wunderbarer Schriftsteller

Treuer Begleiter und wunderbarer Schriftsteller

Was wäre die Bibel ohne die Weihnachtsgeschichte von Lukas? Der Evangelist erzählt von der Geburt Jesu, obwohl er den Heiland nach eigener Aussage nie kennengelernt hat. Am 18. Oktober ist sein Gedenktag.

Von Margret Nußbaum |  Bonn - 28.02.2015

Er ist neben Johannes, Markus und Matthäus einer der vier Evangelisten. Geboren wurde Lukas vermutlich in Antiochia/Syrien. Er soll aus einer vornehmen Familie stammen und war mit dem Apostel Paulus befreundet, wie eine Stelle im Brief an die Kolosser (Kol 4,14) bezeugt. Wer die Geschichten über die Krankenheilungen im Lukas-Evangelium liest, kann sich gut vorstellen, dass er selber Arzt gewesen sein soll. Besonders einfühlsam geschrieben ist die Erzählung vom barmherzigen Samariter.

Nach kirchlicher Überlieferung begleitete der Evangelist Lukas Paulus auf seinen Missionsreisen, predigte mit ihm in Jerusalem und Rom und hielt ihm bis zu seinem Tod als einziger Freund die Treue (2 Timotheus 4,11). Danach verließ Lukas die Ewige Stadt und ging vermutlich nach Achaja auf der griechischen Halbinsel Peloponnes. Im Alter von 84 Jahren soll er um das Jahr 63 als Bischof von Theben in Böotien/Griechenland gestorben sein. Ob er den Märtyrertod erleiden musste, ist nicht belegt. Seine Reliquien wurden im Jahr 357 nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, gebracht und dort in der Apostelkirche beigesetzt. Reliquien liegen aber auch in der Basilika von Padua. Sein Kopf soll im russisch-orthodoxen Panteleimon-Kloster auf dem Berg Athos ruhen.

Redakteur und Maler

Lukas verstand sein Handwerk als Evangelist. Er konnte vortrefflich recherchieren, redigieren und schreiben. Seine Informationsquellen waren die Anhänger des Paulus, die er bei den Missionsreisen traf. Lukas sprach mit Augen- und Ohrenzeugen und oft auch mit der Mutter Jesu, die er besonders verehrte. Als Grundlage benutzte er darüber hinaus die bereits geschriebenen Evangelien von Markus und Matthäus. Der Stil des Evangelisten Lukas ist allerdings gefälliger. Deutlich wird seine griechische Bildung, die ausgewählte Sprache.

Bild: © KNA

Der geflügelte Stier ist das Zeichen für den Evangelisten Lukas.

Und es ist sein Evangelium, das am meisten von der Gottesmutter erzählt. Kein Wunder, dass Lukas als erster ein Marienbild gemalt haben soll. Einer Legende zufolge soll es sich dabei um das Gnadenbild "Salus populi Romani" in der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom handeln. Seit dem Mittelalter wird Lukas oft dargestellt, wie er die Muttergottes malt. Das bekannteste Gemälde stammt von Rogier van der Weyden und ist in der Alten Pinakothek in München ausgestellt (siehe oben).

Faszinierend beschriebene Weihnachtsgeschichte

Darüber hinaus hat Lukas die Apostelgeschichte geschrieben. Er gilt in der Tradition als Begleiter des Paulus, der die meisten Begebenheiten aus eigenem Erleben kannte. Allerdings geht die neuere Forschung davon aus, dass der Verfasser des Doppelwerkes nicht der Paulusbegleiter war. Immer wieder wird in seinen Texten deutlich, wie sehr ihm gerechte soziale Beziehungen am Herzen lagen – sowie das Bemühen um Sünder und die von der Gesellschaft Verachteten und Ausgestoßenen. Die beiden Werke des Heiligen Lukas – sein Evangelium und die Apostelgeschichte - werden unter dem Begriff "Lukanisches Doppelwerk" zusammengefasst.

Keiner beschreibt die Weihnachtsgeschichte so faszinierend wie der Evangelist. Matthäus hält sich dabei eher kurz, Markus und Johannes erwähnen sie erst gar nicht. Und so ist es kein Wunder, dass die Weihnachtsgeschichte nach Lukas auch heute noch Jahr für Jahr gern vorgelesen wird - in der Christmette, in der Familie, bei Krippenfeiern.

Video: © katholisch.de

Was ist die Bibel?

Das Symbol des Evangelisten Lukas ist der Stier – eines der vier mächtigen Wesen der Apokalypse. Lukas wird oft dargestellt mit einem Buch oder einer Schriftrolle – sein Evangelium schreibend. Es gibt eine Reihe von Berufsgruppen, die ihn zu ihrem Schutzheiligen erkoren haben: Ärzte, Maler, Bildschnitzer, Drucker, Glaser. Seit dem 15. Jahrhundert existieren so genannte Lukas-Gilden – Vereinigungen christlicher Ärzte.

Evangelien-Verse für das Vieh

Aber auch Maler, Bildschnitzer und Buchdrucker schlossen sich zu zunftartigen Bruderschaften unter dem Patronat des Heiligen Lukas zusammen. Für Künstler hatte die Zugehörigkeit zu einer solchen Gilde nur Vorteile. Denn sie bot ihnen auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten Sicherheit und Unterstützung. Die Gilde übernahm zum Beispiel die soziale Absicherung in Not- und Krankheitsfällen oder die Vormundschaft über Witwen und Waisen verstorbener Mitglieder.

Auch im Brauchtum hat der 18. Oktober, der Lukas-Tag, eine gewisse Bedeutung. Früher gaben Bauersleute dem Vieh geweihte Zettel mit Versen aus dem Lukas-Evangelium zum Fressen. Es sollte sie vor Seuchen und Unfällen schützen. Lukas-Zettel sollten auch unheilbar Kranken oder Frauen bei einer schweren Geburt helfen. Am Lukastag wurde in ländlichen Gegenden das Herbstfeuer entzündet und Laub und Kartoffelkraut verbrannt.

Von Margret Nußbaum

Gedenktag: 18. Oktober

Patron von Bologna, Padua und Reutlingen; der Ärzte, Chirurgen, Kranken, Künstler, Goldschmiede, Glasmaler, Bildhauer, Sticker, Buchbinder, Notare und Metzger; der christlichen Kunst; des Viehs und des Wetters.