Josef Kentenich

Nichts deutete anfangs daraufhin, dass aus Josef Kentenich (1885-1968) einmal der Gründer einer internationalen Bewegung werden würden. Schließlich entstammte er nicht nur kleinbäuerlichen Verhältnissen, sondern wurde als uneheliches Kind geboren. Als Josef acht Jahre alt war, gab ihn seine alleinstehende Mutter in ein Waisenhaus. Dabei empfahl sie ihn der Fürsprache Mariens – diese Frömmigkeit sollte Josef sein Leben lang prägen. Im Jahr 1904 trat er der Gemeinschaft der Pallottiner bei und empfing sechs Jahre später die Priesterweihe. Anschließend leitete Josef als Spiritual das Studienheim des Ordens. Der ambitionierte Erzieher wollte die Jugendlichen als väterlicher Freund in ihrer Entwicklung unterstützen und lehnte die damals übliche "schwarze Pädagogik" ab: freiheitliche Persönlichkeitsentwicklung statt gewaltvolles Brechen des Willens. Am 19. April 1914 gründete Josef eine Marianische Kongregation, aus der später das Schönstattwerk hervorging. Mit der Einziehung vieler Mitglieder im Ersten Weltkrieg breitete sich die Kongregation auch überregional aus. Am 1. Oktober 1926 folgte mit den Schönstätter Marienschwestern das erste Säkularinstitut der Kirche. Mehrere Jahre der NS-Zeit verbrachte Josef als offener Kritiker des Regimes im Konzentrationslager Dachau. Er überlebte nicht nur, sondern gründete während seiner Haft zwei weitere Schönstattgemeinschaften. Im Jahr 1948 schien Josef am Ziel: Der Krieg war vorbei und aus seiner Gründung war eine internationale kirchenrechtlich anerkannte Bewegung geworden. Doch aus einem kritischen Brief entwickelte sich ein Konflikt mit der Amtskirche, der 1951 in Josefs Verbannung aus Europa gipfelte. Weil er sich trotz allem als kirchentreuer Priester sah, folgte er der Anweisung und zog als Auslandsseelsorger in die USA. Erst im Dezember 1965 rehabilitierte ihn Papst Paul VI., und der mittlerweile über Achtzigjährige kehrte in seine Heimat zurück. Josef starb unmittelbar nach einer Messfeier am 15. September 1968 in Schönstatt. Sein Seligsprechungsprozess läuft seit 1975.