Ein Hörfunk-Studio mit Schaltern und Mikrofon.

Privater Hörfunk

Mit Einführung des dualen Rundfunksystems im Jahr 1984 können die Kirchen über das Drittsenderecht eigene Inhalte in den Programmen der neuen Privatsender platzieren. Konsequent gründen die Bistümer eigene Privatfunkredaktionen: Im Mai 1986 geht das Bistum Mainz als erste kirchliche Privatfunkredaktion bei einem privaten Rundfunkanbieter auf Sendung, andere folgen, sodass mittlerweile die meisten Privatfunkredaktionen der (Erz-)Bistümer 20 Jahre oder länger "on air" sind.

Von Klaus Depta |  Kevelaer - 06.01.2015

Bereits in dieser Phase entsteht der Wunsch, sich zu vernetzen und Synergien zu schaffen. Wie die Privatfunkbeauftragten organisieren sich auch die Redakteure zur KAPRI, ein Akronym für Katholische Arbeitsgemeinschaft für Private Rundfunk-Initiativen. Die Formulierung "Die Redakteure wollen für den Glauben werben", festgehalten bei der ersten KAPRI-Redakteurskonferenz am 16. März 1987 in Bonn, wird zu einem wichtigen verbindenden Leitsatz der weiteren Arbeit. Dies gilt trotz unterschiedlicher Organisationsformen der Redaktionen: Die Mehrheit ist direkt in den Ordinariaten angesiedelt. Einige wenige arbeiten in der Trägerschaft kirchlicher Einrichtungen, so z. B. im Erzbistum München-Freising als Teil des Sankt Michaelsbundes und im Bistum Erfurt als Teil des St. Benno-Verlags. Nach dem Agenturmodell beliefern die Redaktionen in der Regel landesweite, regionale und lokale Sender, nur in wenigen Fällen (Klassik Radio) auch bundesweite Programme. Zahlenmäßig die mit Abstand meisten Sender beliefert die KiP (Katholische Kirche im Privatfunk) in Nordrhein-Westfalen: Die Zulieferungen zum Mantelprogramm der NRW-Lokalradios erreicht 45 verschiedene Sender. Eine Besonderheit bildet das Erzbistum Köln, das im Jahr 2000 mit dem "domradio" ein eigenes Vollprogramm installiert.

Das wesentliche Forum zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch bilden halbjährlich stattfindende KAPRI-Konferenzen an wechselnden Tagungsorten. Themen wie der Umgang mit Podcasts, Stand der Digitalisierung, neuen Sendeformen wie DAB +, um nur wenige zu nennen, gehören zur Tagesordnung, i. d. R. gestützt durch kompetente Referenten. Erklärtes Ziel der Tagungen ist es, an Innovationen bei den zu beliefernden Sendern kompetent und sachkundig partizipieren zu können. Ein Hintergrundgespräch mit dem Ortsbischof oder einem anderen Repräsentanten vor Ort ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der jeweiligen Tagung.

Die Sinnhaftigkeit des Privatfunkengagements liegt auf der Hand: Kirchliche Beiträge erreichen viele Menschen auch da, wo sie selbst nicht nach einer Begegnung mit Kirche suchen, diese auch nicht erwarten und zum Teil auch nicht mit ihr rechnen.

Zitat: Klaus Depta

Die KAPRI arbeitet eng mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) Audio/Video zusammen: Über die KNA stehen den Redaktionen Korrespondentenberichte und vielfältige Beiträge zur Verfügung. Darüber hinaus fungiert die KNA als Austausch- und Distributionsplattform, indem sie Beiträge aus einzelnen Redaktionen übernimmt und diese allen Privatfunkredaktionen zur Verfügung stellt – für alle Beteiligten eine Win-win-Situation.

Die Sinnhaftigkeit des Privatfunkengagements liegt auf der Hand: Kirchliche Beiträge erreichen viele Menschen auch da, wo sie selbst nicht nach einer Begegnung mit Kirche suchen, diese auch nicht erwarten und zum Teil auch nicht mit ihr rechnen.

Deshalb kann man das Privatfunkengagement der meisten (Erz-)Bistümer auch mit der einfachen Formel "da sein, wo die Menschen sind" umschreiben. Denn nach wie vor erreichen Hörfunkbeiträge über 80 Prozent der Bevölkerung. Die Sinus-Studie hat ergeben, dass Katholiken sich über Fragen des Glaubens zu 11 % häufig oder ab und zu im Internet informieren, aber zu 27 % über Kurzbeiträge im Radio. Hörerreaktionen wie "Auch ich als entsorgter Christ … finde es gut, dass es im Privatfunk kirchliche Beiträge gibt", sind keine Seltenheit. Die regelmäßigen Media-Analysen verdeutlichen die hohe Akzeptanz kirchlicher Programme: Die Kirchensendungen im privaten Radio werden nachweislich nicht zum Abschaltfaktor. Wie akzeptiert Privatfunkarbeit ist, wird beispielhaft auch an der Hilfsaktion "Lichtblicke" deutlich, die von den Caritasverbänden in den fünf Bistümern NRWs, der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe sowie 45 NRW-Lokalradios getragen wird und seit 1998 rund 28,3 Millionen Euro (Stand Frühjahr 2012) an Spenden einnehmen konnte.

Für die weitere Arbeit der KAPRI-Redaktionen wird wichtig sein, die Verschmelzung unterschiedlicher Formate wie Radio, Fernsehen und Internet (einschließlich Bewegtbilder im Internet) aktiv umzusetzen und sinnvolle Inhalte dafür zu produzieren. Dabei wird die KAPRI neue, intensive Formen der Vernetzung sowie der Schaffung von Synergien entwickeln müssen, um auch weiterhin dazu beizutragen, der Frohen Botschaft und kirchlichen Praxis in den Lebenswelten eines Großteils der Menschen in Deutschland Raum zu geben.

Von Klaus Depta