Fernsehkameras bei einer Pressekonferenz.
Bild: © KNA

Privates Fernsehen

Den Kirchen werden angemessene Sendezeiten im Programm eingeräumt. Grundsätzlich wird eine Sendezeit bis zu 45 Minuten wöchentlich für beide Kirchen angestrebt." Dieser Passus aus dem Rahmenvertrag zwischen RTL und der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland vom 22. Februar 1989 bildet die Grundlage für das kirchliche Programmengagement bei RTL. Ebenso gilt dies für die ProSiebenSat.1 Media AG.

Von Dietmar Heeg |  Kevelaer - 06.01.2015

Programmgeschichte und -entwicklung

Die kirchlichen Verkündigungsprogramme im Privatfernsehen waren von Anfang an davon geprägt – gemeinsam (katholische und evangelische Kirche) mit den Verantwortlichen der Sender –, kreative Formate zu entwickeln, die zur "Programmtemperatur" des jeweiligen Senders passen. Bis heute wird mit Sendern über die "angemessenen Sendezeiten", die im Rahmenvertrag festgeschrieben sind, immer wieder auch kontrovers diskutiert.

Eine Auswahl kirchlicher Programme nach über 20 Jahren Privatfernsehen zeigt die Vielfalt, aber auch die Problematik kirchlicher Programmarbeit.

Die älteste Verkündigungssendung ist seit 1989 bis heute das Format (Sat.1) "So gesehen" (samstags, 17.28 Uhr); aktuell moderiert der Kapuzinerpater Paulus Terwitte gesellschaftliche Themen.

Ein Meilenstein war 1994 die fiktionale Serie "Schwarz greift ein" (39 Folgen). Mit dieser Serie ist es aus kirchlicher Sicht zum ersten Mal gelungen, ein unterhaltsames, fiktionales Programm mitzuentwickeln und zur besten Sat.1-Sendezeit um 20.15 Uhr zu platzieren. Hier konnten kirchliche Themen (Abtreibung, soziales Engagement etc.) auf unterhaltsame Art auf den Schirm gebracht werden. 2010 wurde die Talkshow "So gesehen – Talk am Sonntag" (sonntags, 9.00 Uhr, 20 min.) bei Sat.1 etabliert, die viele Jahre vorher schon bei N24 unter dem Titel "N24 Ethik – Um Gottes willen" lief. Ebenfalls seit 2010 läuft immer dienstags im Sat.1-Frühstücksfernsehen der kirchliche Beitrag "Gewissensfrage", in dem Fragen zur Alltagsethik aus christlicher und biblischer Sicht thematisiert werden.

Seit 1996 bis heute ist der "RTL-Bibelclip" (sonntags, 17.35 Uhr) Quotenrenner unter den Verkündigungsprogrammen im deutschen Fernsehen. Aktuelle Nachrichtenbilder der Woche werden mit einem Bibelvers unterlegt, der das aktuelle Thema aus biblischer Sicht "kommentiert". Der Clip erreicht gut drei Millionen Zuschauer.

Von 1997 bis 2000 wurde jeweils pro Jahr eine Staffel des RTL-Lebenshilfemagazins "Wir kämpfen für sie!" mit sechs Folgen ausgestrahlt. In der 45-minütigen Sendung wurde die caritative Seite der Kirche in den Mittelpunkt gestellt. Dazu kamen bei RTL Reportagen zu den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI.

Zwar unterliegt der Kindersender SUPER RTL nicht dem o. g. Rahmenvertrag, dennoch konnte – in Zusammenarbeit mit dem Kindermissionswerk – 2004 das Kinderprogramm "Starkids" starten, bei dem Sternsinger in fünf Staffeln Prominente nach ihrem Glauben und sozialen Engagement befragt haben.

Ein Novum war 2008 der Zeichentrickfilm "Barberbieni" (Abenteuer im Vatikan, 50 min.) als Kinderprogramm bei RTL. Der Film erzählt – unter katechetischem Aspekt – Geschichten rund um den Vatikan.

Im "RTL-"Adventskalender", der 2009 und 2010 an allen Tagen im Advent in den RTL-Magazinen "Punkt 6" und "Punkt 9" als Beitrag gelaufen ist, geht es um Prominente und ihren Bezug zu Weihnachten.

Der Programmüberblick zeigt, dass die im Rahmenvertrag angestrebten 45 Minuten Verkündigungsprogramm pro Woche nur zeitweise realisiert werden konnten.

Herausforderungen

Für die kirchliche Arbeit im Privatfernsehen gilt es, eine gute Balance zwischen Pflicht und Kür zu finden. Zur Pflicht gehört es, die bestehenden Programme immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und den Erwartungen der Zuschauer gerecht zu werden. Der Zuschauer im Privatfernsehen ist in der Regel derjenige, den die Kirche in der Pastoral nicht mehr erreicht, der vielleicht noch Kirchenmitglied ist oder auch nicht. Deshalb ist kirchliche TV-Arbeit eine Art von "Fernstehendenpastoral", die mit niederschwelligen Verkündigungsprogrammen eine Brücke zu einem Millionenpublikum herstellen kann.

Die Macher des Kirchenprogramms müssen sich immer wieder die Frage des seligen Papstes Johannes Paul II. stellen: "Gibt es in den herkömmlichen Massenmedien noch einen Platz für Christus? Können wir in den neuen Medien einen Platz für ihn beanspruchen?" (Botschaft zum Welttag des sozialen Kommunikationsmittels 1997).

Die Antwort ist klar: Ja, es gibt Platz für die christliche Botschaft in den Medien und die Verantwortlichen der kirchlichen TV-Arbeit müssen diesen Platz mit kreativen Ideen in Zusammenarbeit mit den Sendern beanspruchen und füllen. Deshalb ist kein Bedenkenträgertum gefragt; vielmehr gilt das Wort des Apostels Paulus: "Verkünde das Wort, sei es gelegen oder ungelegen" (2 Timotheus 4,2).

Von Dietmar Heeg