Filmaufnahmen von Erzbischof Robert Zollitsch.
Bild: © KNA

Produktions-gesellschaften

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vollzog sich in der Kirche eine neue Art zu denken und zu sprechen, ohne dass dabei der Tiefe der Vergangenheit Substanz entzogen wurde. Geprägt von eindrucksvollen Neuerungen auf dem Gebiet der Kommunikationstechnologie entstanden Fachbegriffe, die heute längst zum alltäglichen Vokabular gesellschaftlicher Kommunikation gehören.

Von Martin Choroba |  Kevelaer - 06.01.2015

"Informationsgesellschaft", "Massenmedien", "Mediengeneration" sind Oberbegriffe einer "neuen Sprache", die große Möglichkeiten für die Sendung der Kirche ebenso hervorgebracht hat wie neue pastorale Herausforderungen.(1)

In dieses Spannungsfeld gesellschaftlicher Kommunikation hat sich die katholische Kirche in Deutschland bewusst hineingewagt, indem sie 1960 die Gründung einer Produktionsgesellschaft noch vor Beginn des Konzils unternahm. Die Tellux-Gruppe umfasst heute 22 Beteiligungsunternehmen in allen Bereichen der Medien, besonders aber im Fernseh- und Filmgeschäft. Hier entstehen Programme auf privat-wirtschaftlicher Basis, mit deren Inhalten Kirche und ihre Botschaft in den säkularen Medien über nunmehr 50 Jahre verankert werden konnte.

Was aber ist unter diesen Inhalten zu verstehen, was wurde in all den Jahren produziert? Im Wesentlichen war und ist die Arbeit durch die unterschiedlichen Entwicklungen der audiovisuellen Medien bestimmt. Anfänglich stand durch das öffentlich-rechtliche Monopol der kritische, pädagogische Geist der 60er-Jahre im Vordergrund der Programme, der auch durch die Reformbestrebungen des Konzils vorgegeben wurde. Die folgenden Jahrzehnte waren dann von einem Aufbruch bestimmt, der die inhaltliche Ausrichtung des Fernseh- und Filmgeschehens zunehmend zu einem Marktgeschehen – nicht zuletzt durch das Duale System des Fernsehens in Deutschland – veränderte. Unterhaltung und Emotionalisierung als Ausdruck einer kommerziellen Ausrichtung sind Realitäten, mit denen sich heutige Fernseh- und Filmmacher auseinandersetzen müssen.

Dies bedeutet keine zwangsläufige Absage an substanzielle Inhalte, sondern vielmehr eine kreative Herausforderung, insbesondere auch für kirchliche Produktionsgesellschaften. Eine Chance, die innerkirchlich noch nicht überall nachhaltig und realistisch registriert wurde, weil die Erwartung an Verkündigungsarbeit auch im Fernsehen bewusst oder unbewusst immer noch durch den pädagogischen Eifer jener 60er-Jahre stimuliert wird. Religiöse Rede im Film- und Fernsehgeschäft ist heute genauso möglich wie damals(2), aber heute sind die Anforderungen andere, weil das Publikum nach wie vor Orientierung und Identität sucht. Hier liegt die eigentliche Kunst kirchlicher Produktionsgesellschaften, indem ihre Programme, die immer auch Bildungsangebote sind, dem Spannungsfeld zwischen inhaltlicher Anspruchshaltung und wirtschaftlicher Effizienz standhalten müssen. Diese Programme sollten dabei dem scheinbaren Mainstream differenziert begegnen, ohne ihm zu verfallen. Sie müssen stets das von Gott geschaffene menschliche Individuum in der Masse entdecken, erhalten und gegen alle Angriffe schützen.(3)

Die Gründungsväter der Tellux haben in diesem Sinne den Grundstein gesetzt, wenn sie der Verpflichtung der Kirche an der gesellschaftlichen Kommunikation durch die praktische Programmarbeit der kirchlichen Produktionsgesellschaft Tellux eine klare Gestalt gegeben haben.

(1) Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel. Pastoralinstruktion "Aetatis Novae" zur sozialen Kommunikation zwanzig Jahre nach Communio et Progressio. Arbeitshilfen 98, (Einleitung). 22. Februar. Bonn 1992. S. 6

(2) Vgl. Bieger, Eckhard: Religiöse Rede im Fernsehen. Katholisches Institut für Medieninformation. Köln 1995, S. 9f.

(3) Vgl. Pastoralinstruktion "Aetatis Novae" zur sozialen Kommunikation 20 Jahre nach Communio et Progressio, Februar 1992, S. 13, hg. von: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn; vgl. Virtualität und Inszenierung. Unterwegs in der digitalen Mediengesellschaft – Ein medienethisches Impulspapier, Juni 2011, S. 37, hg. von: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn

Von Martin Choroba