Mehrere Exemplare des neuen Papst-Buches.

Religiöse Bücher

Religiöse Bücher im weiteren Sinn sind Druckwerke, die das Thema Religion in einem erheblichen Maße zum Inhalt haben, ohne dass dabei von vornherein eine Wertung vorgenommen werden muss. Im deutschsprachigen Raum werden mit dem Begriff religiöse Bücher im engeren Sinn hingegen solche bezeichnet, die Themen der christlichen Religion (egal welcher Konfession) in einem für diese positiven Ansatz behandeln.

Von Gerhard Hartmann |  Kevelaer - 06.01.2015

Religiöse Bücher im engeren Sinn gibt es seit der Erfindung des Buchdrucks, wobei damals vor allem Editionen der Bibel im Vordergrund standen. Seit dem späten 18. Jahrhundert, als in den beiden wichtigsten Gliedstaaten des Heiligen Römischen Reiches (Österreich und Preußen) die allgemeine Schulpflicht durchgesetzt wurde, wurden immer mehr Bevölkerungsschichten des Lesens kundig und standen daher als Adressaten für Bücher – auch religiöse – zur Verfügung.

Ab Herausbildung eines spezifischen katholischen Milieus im 19. Jahrhundert, das auch und vor allem durch den Kulturkampf geprägt wurde, gab es einen ersten Boom an religiösen Büchern katholischer Provenienz. Deren Schwerpunkte lagen in der sogenannten "Erbauungsliteratur", in Gebet- und Gesangbüchern sowie in solchen Schriften, die auf Kulturkampfthemen und die Formierung des Politischen Katholizismus Bezug nahmen. Eine ähnliche Entwicklung war übrigens auch im Protestantismus durch die Erneuerungs- und Frömmigkeitsbewegung eines Friedrich Schleiermacher zu beobachten.

Im katholischen Bereich wurden solche Schriften vornehmlich von katholischen Verlagen herausgegeben. Sie sind im Gefolge der Revolution von 1848 und der daraufhin erfolgten Gewährung der bürgerlichen Freiheiten entstanden – wie etwa Presse- und Vereinsfreiheit oder eine verbesserte Gewerbefreiheit. Solche Verlage wurden entweder von katholischen Verlegerpersönlichkeiten (zuerst) oder von katholischen Pressvereinen (später) gegründet.

Bis zum Zweiten Weltkrieg bzw. zur Ära des Nationalsozialismus wiesen die religiösen Bücher im engeren Sinn im Wesentlichen folgende Gattungen auf:

- Bibelausgaben der verschiedensten Art

- Katechismen bzw. Lehrbücher für den Schulunterricht

- Erbauungsliteratur der unterschiedlichsten Art

- Gebet- und Gesangbücher

- theologische Werke (Sachbücher, Wissenschaft, Lehrbücher für die Theologischen Fakultäten etc.)

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts setzte hinsichtlich der inhaltlichen Gestaltung und Ausrichtung aufgrund der Modernisierung und Säkularisierung ein Wandel ein, der durch die Aufbruchsstimmung rund um das Zweite Vatikanische Konzil zusätzlich noch befördert wurde.

Im Wesentlichen sind das neben den zwangsläufig grafischen bzw. layoutmäßig laufenden Anpassungen folgende Entwicklungen:

Als Ausfluss der Sparte Katechismus/Schulbuch entwickelte sich ein inhaltlich wie illustrationsmäßig qualitatives Angebot an religiösen Kinder- und Jugendbüchern, die den Vergleich zu der parallelen Sparte im nichtreligiösen Markt nicht zu scheuen braucht. Der bisherige Bereich Erbauungsliteratur/Gebetbücher entwickelte sich zu der manchmal sogar literarisch beachtlichen Gattung eines spirituellen Angebots moderner zeitgenössischer Autoren. Nicht zuletzt durch die konziliare Aufbruchsstimmung entstand ein religiöses Sachbuchangebot, das die damaligen theologischen Fragen und Diskussionen auch für ein Laien-Leserpublikum aufbereitete.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts setzte ein rückläufiger Trend für das religiöse Buch ein, der verschiedene Ursachen hatte, die nicht zuletzt in der fortschreitenden Säkularisierung der west- bzw. mitteleuropäischen Industriegesellschaften liegen. Folgende Probleme kennzeichnen Anfang des 21. Jahrhunderts das religiöse Buch: Der Rückgang der getauften Bevölkerung und darin wiederum der aktiv am kirchlichen Leben Teilnehmenden führte auch zu einer generellen Reduktion des Angebots an religiösen Büchern im weiteren wie im engeren Sinne. Davon sind zum einen religiöse Bücher betroffen, die z. B. unmittelbar auf einen Sakramentsempfang ausgerichtet sind (z. B. Erstkommunion, Firmung), zum anderen auch religiös-theologische Bücher, weil z. B. die Zahl der Priester und anderer akademisch gebildeter Tätiger in der Verkündung stark abgenommen hat.

Nach wie vor hält sich aber das Angebot und der Verkauf religiöser Kinderbücher, weil Eltern – oft entgegengesetzt ihrer eigenen Haltung – (noch weiter) bestrebt sind, ihren Kindern eine religiöse Erziehung angedeihen zu lassen.

Der seit Ende des 20. Jahrhunderts eingesetzte Wandel des Medienangebots und der Mediennutzung hat auch Auswirkungen auf das Buch, und somit auch auf das religiöse Buch. Dazu gehört die Verlagerung von Inhalten bisher in gedruckter Form in die digitale Form z. B. eines Online-Angebots oder eines Lesegeräts. Dazu gehört z. B. auch die Beobachtung, dass die Mediennutzer beim Buch immer mehr nach geringeren Umfängen und besserer Aufbereitung ("Inhalte in kleinen Häppchen") verlangen.

Zitat: Gerhard Hartmann

In den letzten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts wurde ein Trend sichtbar, der sich in Teilbereichen sogar zu verstärken scheint: Immer mehr nicht-religiöse Verlage entdecken das religiöse Buch für ihr Programmangebot. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen besitzen durch die zunehmende Konzentration im Verlags- wie im Sortimentsbuchhandel die nicht-religiösen Verlage einen viel stärkeren Vertriebsdurchsatz als die meisten religiösen Verlage. Zum anderen unterstehen nicht-religiöse Verlage keiner amtskirchlichen Bevormundung bzw. direkten wie indirekten Zensur. Kritische Themen bzw. Autoren können daher dort ungehindert erscheinen.(1)

Der seit Ende des 20. Jahrhunderts eingesetzte Wandel des Medienangebots und der Mediennutzung hat auch Auswirkungen auf das Buch, und somit auch auf das religiöse Buch. Dazu gehört die Verlagerung von Inhalten bisher in gedruckter Form in die digitale Form z. B. eines Online-Angebots oder eines Lesegeräts. Dazu gehört z. B. auch die Beobachtung, dass die Mediennutzer beim Buch immer mehr nach geringeren Umfängen und besserer Aufbereitung ("Inhalte in kleinen Häppchen") verlangen. Das wird zur Folge haben, dass wahrscheinlich nur jene Art von Büchern übrig bleibt, die sich zumindest für eine digitale Verbreitung nicht anbietet. Dazu gehören mit Sicherheit stark illustrierte Kinderbücher, aber auch jene Bücher, die als Geschenk einsetzbar sind. Ebenso jene, wo das ästhetische und haptische Moment eine große Rolle spielt.

Somit stellt sich als Zukunftsfrage für das religiöse Buch im weiteren Sinn die Aufgabe, wie religiöse Inhalte angesichts dieser Trends in geeigneter Form zum Mediennutzer transportiert werden können. Dass dies nicht mehr mit den Instrumentarien des ausgehenden 19. Jahrhunderts bewerkstelligt werden kann, ist unbestritten. Hier zeigt sich seit etwa 2010 ein verstärkter Trend im Buchhandel in Richtung Nonbook.

Religiöse Inhalte werden also in Zukunft nicht mehr nur durch das gedruckte Wort in Büchern und Zeitschriften alleine verbreitet, sondern vermehrt zum einen in digitaler Form und zum anderen auch nonverbal (Nonbook). Diesen Herausforderungen müssen sich jene Institutionen stellen, die berufsmäßig oder gewerbsmäßig mit der Verbreitung religiöser Inhalte zu tun haben.

(1) Das hängt vor allem auch mit einem Strukturwandel der katholischen Verlage zusammen. Im 19. Jahrhundert wurden solche – wie oben erwähnt – von katholischen Einzelpersönlichkeiten (Laien) bzw. von Vereinen (Pressvereinen), die von Laien getragen wurden, gegründet. Nach 1945 etablierten sich zunehmend Verlage, die in direkter gesellschaftsrechtlicher Abhängigkeit von Bistümern und Ordensgemeinschaften stehen.

Von Gerhard Hartmann