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Das Wort zum Sonntag vom 04.07.2015

"Euer Herz lasse sich nicht verwirren", gesprochen von Verena Maria Kitz

"Euer Herz lasse sich nicht verwirren", an diesen Satz des Jesus von Nazareth habe ich in dieser turbulenten Woche immer wieder denken müssen. "Euer Herz lasse sich nicht verwirren", das hat Jesus seinen Jüngern geraten, in einer absoluten Krisensituation, nämlich kurz vor seinem Tod. Um Tod oder Sterben von Europa geht es in der aktuellen Krise rund um Griechenland, Gott sei Dank, nicht. Aber wie hat Martin Schulz, der Präsident des Europaparlamentes Mitte dieser Woche sinngemäß gesagt: "Das, was derzeit geschieht, das habe ich noch nie in meinem politischen Leben erlebt". Damit hat er auf den Punkt gebracht, was viele in dieser Woche empfinden: So ein Durcheinander hat es noch nicht gegeben. Das hat Folgen: Viele Leute machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder und Enkel, andere haben die Nase voll von dem Ganzen und sind wütend. Aber sehr viele sind auch unsicher und kommen sich hilflos und ohnmächtig vor. Und das schafft Verwirrung. Wie sagt das Lexikon: Verwirrung, das ist ein starkes Gefühl, bei dem sich die Betroffenen rat- und hilflos fühlen.

Erklärungen für die Verwirrung

In früheren Zeiten hatte man die Ursache für solche Verwirrungen ganz klar: Das war der Diabolos, das heißt auf Griechisch: der Durcheinanderwerfer. Der hat Verwirrung gestiftet, eine böse Macht, die die Leute vom Guten abbringt und mit diabolischer Kraft jede Ordnung durcheinanderwirbelt. Aber so weit weg ist dieses Erklärungsmuster anscheinend nicht:  Wenn ich hier mit anderen rede oder manche Interviews höre, auch mit Leuten aus Griechenland: Da gibt es schon einige, die die jeweils andere Seite kräftig verteufeln. Aber so einfach ist es eben nicht, dass man sagen könnte: Die oder die sind schuld. Und das Verteufeln, das hilft sowieso nicht weiter, wenn ich aus der Verwirrung rauskommen will. "Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!", hat Jesus gesagt und Mut gemacht, in der Verwirrung auch auf Gott zu vertrauen. Aber wie geht das, wenn ich in so einem Durcheinander und Gewirr festhänge?

Ich glaube, so ähnlich wie bei einem verwirrten Wollknäuel: Ich muss es behutsam und geduldig entwirren. Wenn ich da wütend dran ziehe, gehen die Knoten fester zu. Und mit der Schere ist der Faden zerschnitten. Wenn ich also mein Herz entwirren lassen will,  dann muss ich ganz vorsichtig die einzelnen Fäden voneinander lösen. Mich sortieren: Worum geht es eigentlich? Was treibt mich gerade um und in welche Richtung? Will ich da überhaupt hin?  

Angst als schlechter Ratgeber

Wenn ich das mache, merke ich: Zurzeit ist ganz viel unklar, und ich habe auch im Moment nichts zu entscheiden. Aber die Angst vor dem Unbekannten, die ist auf jeden Fall ein schlechter Ratgeber. Deswegen will ich die Entwicklung aufmerksam verfolgen. Aber ich muss mich auch nicht von jeder Eilmeldung neu verwirren lassen. Stattdessen kann ich mich fragen:  Was kann ich denn tun für Europa in meinem Alltag? Dafür, dass wir uns in dieser Gemeinschaft besser kennenlernen und füreinander einstehen? Und ich kann gute Gedanken und Gebete schicken. Zu den Menschen in Griechenland und auch zu den Politikern, die weiter verhandeln. Ich bete darum, dass sie sich nicht verwirren lassen. Und sich weiter einsetzen für eine gemeinsame Zukunft hier in Europa.