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Das Wort zum Sonntag vom 20.04.2019

Hochzeitsmahl bei Gott - gesprochen von Lissy Eichert (kath.)

Einen guten Ostermorgen!

In seiner Kluft – Lederhose, Basecap, Sonnenbrille – stand Max meist ganz hinten in unsrer Kirche. Breitbeinig, die Arme verschränkt, seine Tattoos gut sichtbar, um den Hals ein etwa 20 cm großes Holzkreuz. Oft hing er mit den Kumpels von der Straße ab; zischte ein Bierchen. Oder zwei.
Dann lag er im Sterben. Am Samstagnachmittag rief mich der Pfleger von der Palliativstation an: Wäre schön, wenn jemand vorbeikommen könnte. Kurz darauf stand ich vor seinem Zimmer. Ich war bange, den lebensfrohen, starken Mann sterbend zu sehen.
Doch es kam anders. Als ich an seinem Bett saß, ergriff Max meine Hand und hielt sie ganz fest. Das große Kreuz lag auf seiner Brust. Mit der anderen Hand hielt er sich an diesem Stück Holz fest. "Ich will noch nicht, aber ich muss wohl", sagte er.  Wir weinten und lachten gleichzeitig. Dann blickte er zum Fenster. Die Nachmittagssonne schien. "Die freuen sich auf Dich, da oben", sagte ich. Und er: "Ich weiß."
"Sterben kann eine schöne Zeit sein. Eine, auf die man sich freuen kann, wie auf eine Hochzeit." Das sagt der Leiter des Neuköllner Hospizes. Der Mann hat Nerven! Sterben ist ja nun wirklich alles andere als ein Grund zur Freude. Alles loslassen müssen, wofür ich gelebt habe. Angst haben. Hilflos sein.
Der Hospizleiter vergleicht die Zeit des Sterbens mit der Vorfreude auf eine Hochzeit. Was Max wohl dazu gesagt hätte?
Hochzeit. Zwei trauen sich, gemeinsam durchs Leben zu gehen. Ein Wagnis, klar. Wird das Versprechen ewiger Liebe und Treue halten? Garantie gibt’s ja nicht. Und doch glauben da zwei fest an ihre Liebe. Trauen sich zu, einander gut zu sein. Und die Hand des anderen nicht loszulassen, auch wenn es schwer wird.
Wenn das kein Glück ist!
Hochzeit ist auch ein Bild für den Himmel, das Leben nach dem Tod. In der Bibel wird das Leben bei Gott mit einem Hochzeitsmahl verglichen: Mit Gott und allen, die mir vorausgestorben sind, am Tisch sitzen. Essen, Trinken, Lachen. Wiedersehen feiern. Zum Beispiel mit Max.
Ja, ich glaube daran. Weil Gott uns versprochen hat, dass der Tod nicht mehr sein wird, keine Klage, keine Trauer, kein Schmerz. (vgl. Offb 21, 4ff). Dass Gott selbst alle Tränen trocknen wird.
Und das Schönste:  Diese Zusage Gottes gilt nicht erst für später, im Himmel,  sie gilt hier und jetzt. Was für ein Glück für uns: neues Leben, das schon heute beginnt.
Diesem Versprechen traue ich. Und deshalb stehe ich für Ostern. Auch wenn die Welt voller Leid und Tod, voller Karfreitag, ist: Ich stehe dafür, dass Gott Versprechen erfüllt. Auch wenn ich das nicht immer gleich erkenne.  
Im Sterben hielt Max meine Hand. Drückte sie sanft und fest zugleich. Mit der anderen Hand umfasste er das Kreuz. Ein Moment voller Nähe. Dankbarkeit. Und Mut.
Mein Freund war entschlossen, sich trotz aller Ungewissheit in Gottes offene Arme zu werfen. Er vertraute darauf: der Tod ist nicht das Ende. Das Beste liegt immer noch vor uns. Weil Gottes Liebe stärker ist als der Tod.
Ich wünsche Ihnen gesegnete, herzensfrohe Ostern.