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Das Wort zum Sonntag vom 10.08.2019

Medizinische Forschung mit Mischwesen? gesprochen von Dr. Wolfgang Beck (kath.)

Es wirkt wie aus einem Gruselfilm, was da in den letzten Tagen von japanischen Forschern berichtet wurde: Tierische Embryonen werden mit menschlichen Genen versehen. Da verbreiten sich schnell Horrorbilder, in allen Medien, weltweit. Angebliche Mischwesen zwischen Mensch und Tier, was für eine Vorstellung.

Wenn die Aufregung so groß ist, meine ich, es sollte genauer und sachlicher hingeschaut werden.

Zunächst: Es geht um die Verbindung von menschlichen und tierischen Genen mit der langfristigen Perspektive, Organe für menschliche Transplantationen zu gewinnen. Es geht nicht um Mischwesen und auch nicht darum, dass hier Forscher "Gott spielen" wollen. Wie so häufig ist bei medizinischen Forschungen für Außenstehende schwer einzuschätzen, was die Einzelnen an ihren Mikroskopen und Petrischalen da überhaupt machen.

Eine wichtige Grenze ist aus christlicher Perspektive dort zu sehen, wo es zu einer verbrauchenden Embryonenforschung kommt. Es ist immer wieder zu unterstreichen: Menschliches Leben ist auch in seinen Frühstadien unbedingt zu schützen. Es darf auch im Rahmen der Forschung nicht als Verbrauchsmaterial angesehen werden. Die Hoffnung auf Verhinderung von Krankheiten ist nachvollziehbar. Und, ja, es ist sogar eine ehrenvolle Motivation für die medizinische Forschung.

In weiter Ferne mögen manche auch auf tierische Organe hoffen, die für Transplantationen bei Menschen genutzt werden können. Wer das verwerflich findet, dürfte ja auch kein Fleisch essen oder Tiere auf andere Weise für den Menschen nutzen. Tiere zu nutzen, um menschliches Leben zu retten, ist nicht verwerflich.

Ein klares Stopp-Schild aber muss aufgestellt werden, wo menschliches Leben benutzt wird, um diese Forschung zu betreiben. Natürlich, all das ist kompliziert. Und die Aufregung in manchen Medien und Kommentaren zeigt auch, dass nur ein kleiner Kreis auf das notwendige Spezialwissen zurückgreifen kann, um hier angemessen und bis ins Detail die Forschung verfolgen zu können.

Gerade deshalb meine ich, dass sich eine zentrale Forderung an die Forscherinnen und Forscher selbst zu richten hat: Erklärt uns Außenstehenden immer wieder, was ihr macht! Natürlich gibt es hier Arbeiten in hochkomplexen Feldern. Und es dürfte für viele Forscher*innen lästig sein, die eigenen Arbeiten immer wieder zu erläutern. Schließlich ist für die breite Öffentlichkeit und normale Bürger*innen schwer zu verstehen, was da in den Labors überhaupt gemacht wird. Die Verantwortlichen in Universitäten und Forschungsinstituten dürfen aber das Erklären und auch das Diskutieren moralischer Grenzen nicht anderen überlassen. Sie dürfen sich nicht vom breiten gesellschaftlichen Diskutieren entbinden, auch wenn sie das viel Zeit und Energie kostet. Sie dürfen das Erklären und Diskutieren nicht anderen überlassen und glauben, sie hätten Wichtigeres zu tun. Und sie dürfen sich nicht bloß auf die Forderung nach liberalen Rahmenbedingungen beschränken. Das schürt lediglich Ängste und abstruse Fantasien.

Zu einer verantwortlichen Genforschung in der Medizin gehört neben dem Schutz jedes menschlichen Lebens auch die Bereitschaft, die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite auf diesem Weg mitzunehmen und sich den Gesprächen außerhalb der Wissenschaft zu stellen. Als Christen ist uns an solchen breiten Diskussionen gelegen, um auch der Not vieler Menschen mit ihren Krankheiten gerecht zu werden.