Traditionalistenbischof Bernard Fellay.
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Bischof Bernard Fellay zu Gesprächen in Rom

Leiter der Piusbrüder erneut im Vatikan empfangen

Der Obere der traditionalistischen Piusbruderschaft, Bernard Fellay, wurde erneut im Vatikan empfangen. Noch überraschender als der Besuch selbst ist die Liste der Gesprächspartner von Fellay.

Vatikanstadt - 15.10.2016

Der Obere der traditionalistischen Piusbruderschaft, Bernard Fellay, ist im Vatikan empfangen worden. Wie die Bruderschaft am Freitag auf ihrer französischsprachigen Internetseite mitteilte, führte Fellay am Donnerstag Gespräche mit dem Präfekten der Glaubenskongregation Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Zudem habe er im vatikanischen Gästehaus Santa Marta kurz Papst Franziskus begrüßt. Der Vatikan äußerte sich bislang offiziell nicht dazu.

Franziskus zeigt Offenheit für den Dialog

Bereits am April war es an gleicher Stelle zu einer ersten Unterredung zwischen Fellay und dem Papst gekommen. Franziskus hatte später in einem Interview bekundet, dass er eine Einigung mit den Traditionalisten anstrebe. Er stellte den Piusbrüdern eine Zukunft in voller Gemeinschaft mit der Kirche in Form einer sogenannten Personalprälatur in Aussicht.

Linktipp: Fellay: Einigung mit dem Vatikan steht bevor

Große Freude beim Chef der Piusbruderschaft: Die Verhandlungen mit dem Vatikan gehen ihrem Abschluss entgegen, sagt Bischof Bernard Fellay. Und das, obwohl er stets auf seine Bedingungen poche. (Artikel von September 2016)

Zwischen der katholischen Kirche und der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. bestehen seit ihrer Gründung im Jahr 1969 Spannungen. Im Jahr 1988 stellte der Vatikan die Exkommunikation des Gründers Marcel Lefebvre und vier von ihm unerlaubt geweihten Bischöfen fest. Papst Benedikt XVI. ließ diese Strafe im Jahr 2009 aufheben. Die Bruderschaft lehnt bis heute Bestandteile des Zweiten Vatikanischen Konzils ab, was den zentralen Streitpunkt zwischen beiden Seiten darstellt.

Fellay hofft auf baldige Einigung

Im September hatte Bernard Fellay angekündigt, dass eine Einigung kurz bevor stehe. Er verwies dabei auf die Äußerungen des Papstes von April und Mai sowie auf die vorangegangene Gespräche mit Verantwortlichen des Vatikan. Beim jetzigen Treffen handelte es sich laut der Bruderschaft um die zweite Unterredung mit dem Präfekten der Glaubenskongregation seit zwei Jahren. Die erste fand am 23. September 2014 statt. Die Begegnung sei seit langem geplant gewesen, hieß es weiter.

Von vatikanischer Seite seien bei dem Gespräch mit Müller auch der Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, und der Leiter der für traditionalistische Gruppen zuständigen päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, Kurienerzbischof Guido Pozzo, zugegen gewesen. (kim/KNA)

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Lange spielten sie in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle. Doch als Papst Benedikt XVI. die Messe nach tridentinischem Ritus 2007 wieder erlaubte, fanden auch sie wieder mehr Beachtung: die Traditionalisten. Die bekanntesten unter ihnen sind die Piusbrüder.