Salesianerpater Thomas Uzhunnalil spricht unter Tränen bei einer Pressekonferenz in Rom am 16. September 2017.
Ordensmann berichtet von seiner 18-monatigen Geiselhaft

Befreiter Uzhunnalil: "Gott war freundlich zu mir"

Bei einer bewegenden Pressekonferenz hat Pater Tom Uzhunnalil von seiner 18-monatigen Geiselhaft berichtet. Trotz des glücklichen Ausgangs brach der Ordensmann an einer Stelle in Tränen aus.

Rom - 16.09.2017

Der nach 18-monatiger Geiselhaft freigelassene Ordensmann Tom Uzhunnalil war nach eigenen Worten offenbar mit dem Ziel einer Lösegeld-Erpressung verschleppt worden. Bei dem Überfall auf ein katholisches Pflegeheim in der jemenitischen Hafenstadt Aden sei er von den Attentätern abgesondert worden, "vielleicht weil sie sich darüber klar wurden, dass ich Inder war, Ausländer, und dass sie also Geld verlangen konnten", sagte der 59-Jährige Salesianerpater laut dem italienischen katholischen Pressedienst SIR am Samstag in Rom.

Beim Drehen der Videos, in denen er um seine Freilassung bittet, habe er auf Anweisung der Entführer eine schlechte Behandlung vortäuschen müssen, "um schneller Antworten zu bekommen und Aufmerksamkeit zu wecken", sagte Uzhunnalil. In Wirklichkeit hätten die Geiselnehmer für ihn sogar einen Arzt und Medikamente für seine Diabetes-Erkrankung besorgt, obwohl diese unter den Kriegsbedingungen im Jemen äußerst schwierig zu bekommen seien.

Tränen beim Gedanken über tote Schwestern

Nach eigenen Angaben erlitt der Priester zu keiner Zeit Gewalt durch die Entführer, noch wurde er bedroht oder gezwungen, zum Islam überzutreten. "Gott ist sehr freundlich mit mir gewesen", sagte er laut SIR. Dem Pressedienst zufolge brach er jedoch bei der Erwähnung der vier Ordensschwestern, die bei dem Überfall am 4. März 2016 ermordet wurden, in Tränen aus.

Uzhunnalil war am 12. September im Oman freigelassen worden. Neben kirchlichen Kreisen und der indischen Regierung hatte sich auch Papst Franziskus mit Appellen für seine Befreiung eingesetzt. Der Salesianerorden betonte in einer Mitteilung, es sei kein Lösegeld gezahlt worden. Der aus Indien stammende Priester hält sich derzeit in der Zentrale seines Ordens in Rom auf und steht den Angaben zufolge noch in ärztlicher Behandlung. (KNA)