Domkapitel: Judenfeindliche Darstellungen sind "bleibendes Ärgernis"
Sogar Hakenkreuze in Kölner Kathedrale

Domkapitel: Judenfeindliche Darstellungen sind "bleibendes Ärgernis"

Ob Henker mit "Judenhüten", ein Wasserspeier in Form einer "Judensau" oder sogar Hakenkreuze: Im Kölner Dom finden sich diverse antijüdische Darstellungen. Die will das Domkapitel nun stärker zum Thema machen, jedoch nicht entfernen. Und das hat Gründe.

Köln - 25.10.2018

Das Kölner Domkapitel will die antijüdischen Darstellungen an und im Kölner Dom verstärkt zum Thema machen. Die judenfeindlichen Artefakte stellten ein "bleibendes Ärgernis" dar, sagte der Kölner Domkapitular und Weihbischof Rolf Steinhäuser am Donnerstag vor Journalisten in Köln. Es gelte, sich dieser Geschichte immer wieder zu stellen, so der Bischofsvikar für den interreligiösen Dialog.

Steinhäuser präsentierte mit dem Vorsitzenden der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Jürgen Wilhelm, und dem Ehrenpräsidenten des Zentral-Dombau-Vereins, Michael H.G. Hoffmann, die Publikation "Der Dom und die Juden". Die Neuauflage des vor zehn Jahren veröffentlichten Domblattes beschreibt die etwa zehn judenfeindlichen Darstellungen der Kathedrale näher. Der 260-seitige Band fasst die Ergebnisse einer Tagung zum Thema zusammen.

Laut Wilhelm wurde das Buch mit Blick auf das Jahr 2021 neu aufgelegt, wenn der 1.700-jährigen jüdischen Präsenz in Deutschland und nördlich der Alpen gedacht werde. Gerade in der heutigen Zeit müssten die Zusammenhänge zwischen Antijudaismus und Antisemitismus thematisiert werden. Dies solle auch mit einer Ausstellung und einem Flyer über die judenfeindlichen Darstellungen am Dom geschehen, die in den kommenden drei Jahren erarbeitet würden. Zudem würden Domführungen zum Thema konzipiert und die Domführer entsprechend weitergebildet. 2016 hatten die Kölnische Gesellschaft und das Domkapitel den Arbeitskreis "Der Dom und die Juden" gegründet.

Eine als "Judensau" bezeichnete mittelalterliche Schmähskulptur ist an der Außenwand der Stadtkirche Sankt Marien in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) zu sehen.

Steinhäuser betonte, dass die katholische Kirche ihre Haltung zu den Juden beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) völlig revidiert habe. Die judenfeindlichen Darstellungen könnten aber "nicht einfach mit Hammer oder Säge vernichtet werden". Die Dokumentation stelle einen "Akt der heilenden Erinnerung" dar und damit einen wichtigen Schritt auf die jüdische Gemeinde.

Die früheste antijüdische Darstellung findet sich laut der Dokumentation am Dreikönigenschrein, der 1225 vollendet wurde. In einer Geißelungsszene tragen zwei Henkersknechte mit karikaturhaft verzerrten Gesichtszügen Judenhüte. Eine antijüdische Tendenz weist auch ein Wasserspeier an einem Chorpfeiler auf: Die sogenannte Judensau zeigt ein Schwein - ein mit den Juden verbundenes Sinnbild des Lasters. Die jüngste antijüdische Darstellung im Michaelsportal datiert aus dem Jahr 1880. Aus nationalsozialistischer Zeit finden sich aber laut Dombaumeister Peter Füssenich auch noch fünf bis zehn Hakenkreuze, die Steinmetze auf eigene Initiative hin in Ersatzsteine eingearbeitet hatten.

Das Thema antijüdische Darstellungen an und in Kirchen war im Jahr des Reformationsjubiläums verstärkt in den Blick gerückt. Dabei spielte insbesondere die gut sichtbare "Judensau" an der Stadtkirche in Wittenberg eine Rolle, in der der Reformator Martin Luther gepredigt hatte. Zuletzt distanzierte sich auch das Münsteraner Domkapitel von einer antijudaistischen Marienskulptur im Sankt-Paulus-Dom zu Münster. (tmg/KNA)