Besondere Kapellen künden von Liebe, Engagement und Erfindungsreichtum
Glaube auf engstem Raum

Besondere Kapellen künden von Liebe, Engagement und Erfindungsreichtum

Kapellen und kleine Kirchen gibt es überall in Deutschland und sie dienen ganz unterschiedlichen Zwecken: Mal hat ihre Erbauung mit Trauer zu tun, mal mit Dankbarkeit oder auch nur einer fixen Idee. Katholisch.de stellt fünf besondere Exemplare vor.

Von Christoph Paul Hartmann |  Bonn - 10.03.2019

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Bruder-Klaus-Feldkapelle (Wachendorf)

Diese Kapelle ist nicht wie andere in der Eifel: Es gibt keinen Altar, keine Fenster und das Dach ist offen. Und doch verbindet dieses schroffe, turmartige und mit Beton verkleidete Gebäude viel mit seiner Umgebung: Der Schweizer Star-Architekt Peter Zumthor ließ die kleine Kirche nach alten Eifler Handwerkstraditionen von vielen Freiwilligen bauen. Sie trieben zuerst 112 in Zeltform angeordnete Fichtenstämme in den Boden und ummantelten diese Konstruktion mit Beton. Drei Wochen lang wurde im Inneren dann ein Feuer geschürt, das die Baumstämme trocknete und vom Beton ablöste. Entstanden ist ein dunkler, beinahe schmuckloser Raum, nur von Kerzen und Sonnenlicht erhellt. Geweiht ist die Kapelle dem Heiligen Nikolaus von Flüe – genannt Bruder Klaus, einem Schweizer Einsiedler aus dem 15. Jahrhundert. Er ist Friedensheiliger und Schutzpatron der Katholischen Landvolkbewegung. Dieser fühlte sich eine Landwirtfamilie aus der Region verbunden, sodass sie "aus Dankbarkeit für ein gutes und erfülltes Leben" die Kapelle zu seinen Ehren stiftete. 2007 weihte sie der damalige Kölner Weihbischof Heiner Koch.

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Russisch-orthodoxe Kirche der Heiligen Elisabeth (Wiesbaden)

Es ist ein steingewordener Beweis von Liebe und Trauer, der da auf dem Wiesbadener Neroberg steht: 1844 hatte Herzog Adolf von Nassau die russische Prinzessin Elisabet Michailowna aus der Romanow-Familie geheiratet, die beiden hatten sich bei einem Besuch der Nassauer in Russland ineinander verliebt. Die neue Herzogin war beim Volk sehr beliebt und die Beziehung des Paares wird als sehr glücklich beschrieben. Doch dieses Glück dauerte nicht lange: Nur ein Jahr später starb Elisabeth bei der Geburt einer Tochter, die ebenfalls nicht überlebte. Der Herzog geriet in solche Trauer, dass er eine Million Rubel aus der Mitgift in die Hand nahm und seiner Frau eine Grabeskirche baute. Den Standort auf dem Neroberg wählte er, damit er die Kapelle von seiner Residenz aus sehen konnte. Das Innere der Kirche ist von der prachtvollen Ikonostase geprägt, die wie die gesamte Ausgestaltung der Kirche sehr farbenfroh und in neobyzantinischen Formen ausgestaltet ist. Davon hebt sich die deutlich schlichtere Grabkapelle ab, in der seit 1855 die sterblichen Überreste der Prinzessin in einem Sarkophag aus weißem Marmor ruhen. Die Kirche ist aber heute nicht nur ein Ort des Todes, sondern auch des Lebens: Sie dient der russisch-orthodoxen Gemeinde Wiesbadens als Gottesdienstort.

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Video: © katholisch.de

Auf dem Weg in Deutschlands höchstes Gotteshaus, die Zugspitzkapelle "Mariae Heimsuchung“.

Mariä Heimsuchung (Garmisch-Partenkirchen)

Höher ist keine: Auf stolzen 2.600 Metern Höhe steht die Kirche "Mariä Heimsuchung" auf der Zugspitze, direkt unter dem Gipfel. Damit ist sie das höchste Gotteshaus Deutschlands. Als sie Anfang der 1980er Jahre gebaut wurde, mussten 100 Kubikmeter Fels weggesprengt werden, um für die kleine Kirche Platz zu machen. 1981 wurde sie vom damaligen Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger geweiht. Die Außenseite des Baus prägen grobe Steine, womit sich die Kirche in das Alpenpanorama einfügt. Der Innenraum ist mit Szenen aus der Bibel ausgemalt, so ist etwa gleich rechts neben dem Altar der auferstandene Jesus dargestellt. Direkt hinter dem Altar steht ein geschnitztes Relief, das den Besuch der Heiligen Maria bei ihrer Tante Elisabeth zeigt und damit das Patrozinium der Kirche abbildet. Bei gutem Wetter findet in der Kirche jeden Sonntag ein Gottesdienst statt, zu dem vor allem Touristen und Ausflügler, aber auch manche Einheimische kommen. In der von den Ortsansässigen liebevoll "Kircherl" genannten Kapelle können Paare auch heiraten.

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Telefonzellenkapelle (Dorsten)

"Beten könnte man auch 'telefonieren' mit Gott bezeichnen" – unter diesem Motto steht die kleine gelbe Kapelle auf dem Hardtberg in Dorsten. Es ist vielleicht die kleinste Kapelle der Welt. Dabei ist die Gestalt als Kapelle schon das zweite Leben des gelben Bauwerks. Denn das Häuschen ist eine umgewidmete Telefonzelle. Diese quadratischen gelben Häuschen des Typs "TelH78" standen über Jahre in vielen deutschen Städten und gaben vor der Erfindung des Mobiltelefons die Möglichkeit, von unterwegs jemanden anzurufen. Doch die Ausbreitung der Handys entzog den Telefonzellen die wirtschaftliche Grundlage. 500 ausgemusterte Exemplare verkaufte die Telekom im Jahr 2013 – und ein findiger Dorstener erstand drei davon. Aus einem Häuschen wurde eine winzig kleine Bar, aus dem anderen eine Galerie. Zuletzt kam ihm die Idee, aus der dritten Telefonzelle eine Kapelle zu machen. Ein Plan, der dem örtlichen Pfarrer gefiel. Mit seinem Segen darf sich der ehemalige Fernsprecher offiziell "Kapelle" nennen. Doch nicht nur die gelbe Farbe erinnert noch an die Telefonzeiten: Auch einen Hörer gibt es noch – sowohl ganz buchstäblich zum in die Hand nehmen wie auch im übertragenen Sinn.

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Dorfkirche (Bahnitz)

Wer hier in der ersten Reihe sitzt, kann den Atem des Pfarrers spüren – oder ihm in den Predigttext gucken. In der Dorfkirche von Bahnitz im Havelland ist es sehr eng: In der 14 Quadratmeter kleinen Kirche des 170-Seelen-Dorfes ist nur Platz für 33 Gottesdienstbesucher, die sitzen dafür auf zwei Etagen. Möglich macht das eine kleine Empore. Doch es war nicht immer so beengt in Bahnitz: Ursprünglich stand in dem Ort eine große Barockkirche. Doch nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg war das Gotteshaus in einem kritischen Zustand. In der DDR gab es weder die Mittel noch den Willen, die Kirche wieder instand zu setzen. Nach Jahren des Verfalls wurde das Kirchenschiff 1969 abgerissen, die Gemeinde feierte ihre Gottesdienste in einem Bauwagen. Von der einstigen Kirche war nur noch ein Stupf des Turmes übrig geblieben. Mitte der 1970er Jahre machten sich einige engagierte Einwohner daran, aus diesem Rest der Kirche wieder einen Gottesdienstort zu machen: Mit einem neuen Dach, der Empore und neuer Möblierung haben die Bahnitzer seitdem wieder eine richtige Kirche – zumindest die kleinste des Havellandes.

Von Christoph Paul Hartmann