Eine Bibel liegt auf dem Ambo vor leeren Kirchenbänken.
Bistum Münster bezeichnet Stellungnahme als "nicht hilfreich"

"So war es!" - Pfarrer verteidigt Predigt nach Protesten erneut

Pfarrer Ulrich Zurkuhlen hatte in seiner Predigt dazu aufgerufen, Missbrauchstätern zu vergeben. 70 Gläubige verließen daraufhin die Messe. Nun hat er seine Positionen erneut verteidigt. Das Bistum Münster findet das jedoch nicht sehr hilfreich.

Münster - 08.07.2019

Nach Protesten durch Gläubige hat der emeritierte Münsteraner Pfarrer Ulrich Zurkuhlen seine Predigt erneut verteidigt. Es sei das erste Mal in seinen 54 Jahren als Priester gewesen, dass er von einer Gruppe Protestlern niedergeschrien wurde, schreibt Zurkuhlen in einem am Montag auf seiner eigenen Homepage veröffentlichten Text. Er habe sagen wollen, dass Vergebung größer als Schuld sei, doch das "war nicht möglich, weil die Leute so herum schrien, dass ich mich nicht mal durch das Mikrofon verständlich machen konnte".

Die Stellungnahme sei nicht mit dem Bistum Münster abgesprochen, teilte der Pressesprecher des Bistums, Stephan Kronenburg, auf Anfrage von katholisch.de mit. "Und sie ist auch sicher nicht hilfreich." Die Position des Bistums sei in dieser Sache klar. "Vergeben können, wenn sie das können, die Opfer. Es gibt keinen Anspruch oder kein Recht auf Vergebung", so Kronenburg.

Zurkuhlen: Vergebung als christliche Grundaufgabe

Zurkuhlen hatte Ende Juni im Sonntagsgottesdienst zum Thema Vergebung gepredigt. Aufhänger waren zwei Frauen, die schlecht über ihre verstorbenen Ehemänner gesprochen hätten. Schließlich kam er auf Vergebung für Priester zu sprechen, die Minderjährige sexuell missbraucht haben. "Dann habe ich gesagt, dass ich es auch an der Zeit fände, dass unsere kirchlichen Hierarchen auch den Missbrauchstätern irgendwann vergeben würden", schreibt Zurkuhlen jetzt. Er hätte gerne begründet, "warum ich meine, dass Vergebung zu den Grundaufgaben von Christen gehört". In seinem Text, der mit "So war es!" überschrieben ist, verweist er auf den Umgang Jesu mit der Ehebrecherin und den Brudermord des Kain. Das alles sei ihm jedoch nicht möglich zu erklären gewesen, "weil ich, wie gesagt, niedergeschrien wurde".

Als Reaktion auf die Predigt Zurkuhlens hatten etwa 70 Teilnehmer den Gottesdienst unter lautem Protest verlassen. Zurkuhlen zeigte sich vergangenen Donnerstag gegenüber "kirche-und-leben.de" schockiert darüber. Nach dem Vorfall hatte der Bischof von Münster, Felix Genn, den Priester gebeten, bis auf weiteres nicht mehr zu predigen. Ein formelles Predigt-Verbot hatte er aber nicht ausgesprochen. Der leitende Pfarrer der Gemeinde, Stefan Rau, drückte sein Bedauern über den Vorfall aus. "Das Thema Vergebung ist keine Bringpflicht der Opfer. Dieser Eindruck ist wohl entstanden – und das dürfen wir nicht so stehen lassen", sagte Rau. In der Gemeinde soll am Montagabend ein öffentliches Gespräch stattfinden, zu dem die Pfarreileitung die Gläubigen einlädt. Pfarrer Rau teilte mit, dass Zurkuhlen eine Teilnahme daran abgelehnt hätte. (cst)

20 Gemeindemitglieder kamen zu Diskussionsveranstaltung

Nach dem Eklat um die Predigt des emeritierten Geistlichen Ulrich Zurkuhlen über Missbrauch nahmen jetzt 120 Teilnehmer an einer Diskussionsveranstaltung in Münster teil. Emotionen bestimmten den Abend. Unterdessen hat sich Zurkuhlen erneut zu Wort gemeldet.