Bischof Felix Genn spricht mit einem Mikro in der Hand.
Rund 70 Gläubige hatten Gottesdienst verlassen

Nach Protesten: Bischof Genn fordert Pfarrer zum Predigt-Verzicht auf

Pfarrer Ulrich Zurkuhlen hatte im Gottesdienst dafür geworben, auch Priestern zu vergeben, die Kinder missbraucht haben. Bei den Gläubigen kam das gar nicht gut an. Nun hat sich Münsters Bischof Felix Genn zu Wort gemeldet.

Münster - 06.07.2019

Nach der Aufregung über seine Predigt zu Missbrauch und Vergebung soll ein emeritierter Münsteraner Pfarrer nicht mehr predigen. Bischof Felix Genn habe den Geistlichen dazu aufgefordert, sagte Bistumssprecher Stephan Kronenburg am Freitagabend auf Anfrage in Münster. Es handele sich aber nicht um ein formelles Predigtverbot. Die Aufforderung habe zunächst keine zeitliche Begrenzung.

Pfarrer Ulrich Zurkuhlen hatte in seiner Predigt am vergangenen Wochenende dafür geworben, einander vergeben zu können und die Äußerung ausdrücklich auch auf Priester bezogen, die als Täter Minderjährige sexuell missbraucht haben. Gottesdienstbesucher berichteten, der Pfarrer habe über einen befreundeten Priester gesprochen, der als Täter beschuldigt wird. Es müsse an der Zeit sein, ihm zu vergeben. Als Reaktion auf die Predigt hatten etwa 70 Teilnehmer den Gottesdienst unter lautem Protest verlassen.

Zurkuhlen: Niemand sei nur abgründig böse

Der leitende Pfarrer der Gemeinde, Stefan Rau, sagte laut dem Münsteraner Internetportal "kirche-und-leben.de", der Predigtinhalt sei "mehr als unbedacht" gewesen. Im Gottesdienst seien nach seiner Information auch Missbrauchsopfer gewesen. Pfarrer Zurkuhlen habe das nach eigenen Bekunden nicht gewusst. Rau lud die Gemeinde für Montag zu einem Gespräch ein.

Zurkuhlen selbst verteidigte seine Predigt gegenüber "kirche-und-leben.de". Gegen "den schreienden Mob" habe er die biblisch so wichtige Bedeutung von Vergebung nicht darlegen können: "Wir beten ja nicht umsonst im Vaterunser: Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern." Sogar Bischöfe sprächen von Priester-Tätern als "Verbrecher", obwohl diese durchaus auch gute Seelsorger gewesen sein könnten, so Zurkuhlen. Niemand sei nur abgründig böse: "Oft verbinden sich Güte und Schuld miteinander oder stehen ohne Berührung nebeneinander." (bod/KNA)