Katholische Laien fordern kirchliche Verwaltungsgerichte
Landeskomitee der Katholiken in Bayern wünscht sich "klares Zeichen für Demokratie"

Katholische Laien fordern kirchliche Verwaltungsgerichte

Soll auch in der Kirche das Rechtsstaatsprinzip gelten? Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern hat dazu eine eindeutige Meinung und fordert deshalb die Einführung von kirchlichen Verwaltungsgerichten – ein Wunsch, der bald Wirklichkeit werden könnte.

Bamberg - 16.11.2019

Das oberste Gremium der katholischen Laien in Bayern hat sich für eine eigenständige kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit ausgesprochen. Es sei "dringend erforderlich, dass das Rechtsstaatsprinzip zum Tragen kommt", sagte der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Joachim Unterländer, am Wochenende bei der Herbstvollversammlung des Gremiums in Bamberg.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der eine entsprechende Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz zu den rechtlichen Folgen aus dem Missbrauchsskandal leitet, nahm ebenfalls an dem Treffen des Landeskomitees teil und sagte, er hoffe, dass eine solche Verwaltungsgerichtsbarkeit im kommenden Jahr in Kraft gesetzt werden könne. Man sei in der "Finalphase". Dies gelte auch für ein eigenes Sexualstrafrecht, das der weltlichen Gerichtsbarkeit nachgelagert sei, und eine Disziplinarordnung.

Mit Blick auf die angekündigte Reformdebatte in der katholischen Kirche erklärte Unterländer, diese werde vom Landeskomitee nachdrücklich unterstützt. Es brauche aber eine Diskussion darüber, wie verbindlich die Beratungen des Synodalen Weges seien. Notwendig sei im Gegensatz zum Dialogprozess zwischen 2011 und 2015 diesmal mehr Verbindlichkeit. Es gehe dabei darum, dass die Reformdebatte bei den aktiven Gläubigen akzeptiert werde.

"Äußerst kritisch zu sehen" sei die Debatte rund um die Amazonas-Synode, sagte Unterländer. Explizit nannte er "die Begleiterscheinungen" um die indigenen Holzfiguren und eine Petition konservativer Katholiken, die den Papst öffentlich zur Buße wegen angeblichen Götzendienstes aufriefen. Das Bischofstreffen in Rom sei ein umweltpolitisches Zeichen gewesen, aber auch eines der kulturellen und sozialen Wertschätzung der indigenen Kultur.

Außerdem beschloss die Herbstvollversammlung einen Antrag von "pax christi", in dem das Landeskomitee aufgefordert wird, sich bei den Bundestagsfraktionen für einen Abzug der in Deutschland stationierten Atomwaffen einzusetzen. Außerdem solle dafür geworben werden, ein neues multilaterales Abkommen "unter Einbeziehung der USA und Russland" zum Verbot der Stationierung von Kurz- und Mittelstreckenraketen in Europa zu erreichen. Dabei bezieht sich der Antrag explizit auf die Kündigung des sogenannten INF-Vertrags durch die USA im Februar 2019.

"Demokratie braucht Menschen und Werte"

Weiter riefen die bayerischen Katholiken alle Christen zum entschiedenen Eintreten für die Demokratie auf. Es brauche ein "klares Zeichen für Demokratie, für Menschenrechte und für unsere soziale Ordnung", sagte Unterländer. Der Einsatz für die Demokratie sei angesichts der steigenden Gefährdung durch Egoismus, Nationalismus und Extremismus bin hin zum Terrorismus jede Anstrengung wert, heißt es in einer beschlossenen Stellungnahme.

Mit der Tagung unter dem Titel "Demokratie braucht Menschen und Werte" erinnerte das Landeskomitee an die erste demokratische Verfassung Bayerns, die vor 100 Jahren in Bamberg beschlossen wurde. Schick sagte, Christen seien dabei an vorderster Front beteiligt gewesen, ebenso beim Grundgesetz sowie beim Fall der Mauer. Daraus erwachse eine Verpflichtung. "Wir Christen sollen mit aller Entschiedenheit zum Gemeinsinn und zum Aufbau des Gemeinwohls beitragen."(rom/KNA)