Gottessohn als homosexuelle Witzfigur dargestellt

Gericht verbietet Netflix-Satire über Jesus

Aktualisiert am 09.01.2020  –  Lesedauer: 

Rio de Janeiro ‐ Eine Online-Petition gegen den Film hatte mehr als zwei Millionen Unterstützer gefunden, zudem gab es einen Brandanschlag auf die Produktionsfirma: Jetzt muss Netflix laut Gerichtsurteil seine umstrittene Jesus-Satire absetzen.

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Ein Gericht in Rio de Janeiro hat den US-Streamingdienst Netflix angewiesen, sein umstrittenes Weihnachtsspecial "The First Temptation of Christ" (Die erste Versuchung Christi) abzusetzen. Das berichteten örtliche Medien am Mittwoch (Ortszeit). Der brasilianische Film, der Jesus als homosexuelle Witzfigur darstellt, sorge in der "mehrheitlich christlichen Gesellschaft Brasiliens" für Unruhe, so der Richter. Nach einer Protestwelle gegen den Film war zu Weihnachten ein Brandanschlag gegen die Produktionsfirma in Rio de Janeiro ausgeführt worden.

Der 46 Minuten lange Film hatte bereits seit seiner Veröffentlichung Anfang Dezember für Kontroversen gesorgt. Der texanische Bischof von Tyler, Joseph Strickland, hatte auf Twitter Kritik geäußert: "Habe gerade Netflix abbestellt. Hatte eh keine Zeit, es zu nutzen - aber Gotteslästerer verdienen nicht einen Penny Unterstützung." Auch der Bischof von Palmares in Brasilien, Henrique Soares da Costa, übte scharfe Kritik an dem Film. Er sei "ein Schlag ins Gesicht aller Christen", schrieb der Bischof auf Facebook. Er rief die Gläubigen dazu auf, ihre Netflix-Abos zu kündigen. Zudem fand eine Online-Petition gegen den Film mehr als zwei Millionen Unterstützer.

Brandanschlag auf Produktionsfirma

Der von der brasilianischen Comedy-Truppe "Porta dos Fundos" (Hintertür) produzierte Film wurde auch in Brasilien kritisiert. Am 24. Dezember wurde zudem ein Brandanschlag auf die Produktionsfirma in Rio de Janeiro verübt. Die Polizei vermutet dahinter eine rechtsextreme Gruppe, die sich in der Tradition nationalsozialistischer Bewegungen aus Brasiliens 30er-Jahren sieht. Der Anführer soll sich nach dem Anschlag nach Russland abgesetzt haben und werde von Interpol gesucht, so die Polizei.

Bei dem nun ergangenen Urteil handelt es sich um eine einstweilige Verfügung. Aus "gesundem Menschenverstand heraus" sei es besser, den Film bis zu einem endgültigen Urteil abzusetzen, so der Richter. Er wolle damit "die Gemüter beruhigen", zudem sei das "Recht auf freie Meinungsäußerung nicht absolut".

Das Urteil sorgte für Kritik unter anderem von Brasiliens Anwaltskammer; auch in den Sozialen Medien gab es Proteste. Weder "Porta dos Fundos" noch Netflix äußerten sich bislang zu dem bereits am Dienstag ergangenen Urteil. Der Film war auch am Mittwochabend (Ortszeit) noch online abzurufen. (tmg/KNA)