Heiner Wilmer, seit 2018 Bischof von Hildesheim
"Eskalationsspirale" drohe in einen Krieg zu münden

Bischof Wilmer erhebt schwere Vorwürfe gegen USA und Iran

Im USA-Iran-Konflikt lässt Justitia-et-Pax-Bischof Heiner Wilmer kein gutes Haar an beiden Seiten: Man dürfe sich nicht vom iranischen Regime und seinem Vormachtstreben täuschen lassen. Kriegsgefahr gehe jedoch auch von Amerika aus – nicht zuletzt wegen der Politik des amtierenden Präsidenten.

Bonn - 09.01.2020

Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Heiner Wilmer, äußert sich besorgt über die Lage im Nahen Osten und erhebt Vorwürfe gegen die USA und Iran. Die jüngsten Entwicklungen mit ihrer "Eskalationsspirale" drohten in einen Krieg zu münden, erklärte der Hildesheimer Bischof am Donnerstag in Bonn. "Sollte dieser nicht vermieden werden, so werden nicht nur unzählige Menschen darunter zu leiden haben, sondern die Länder der Region geraten noch tiefer als bislang schon in den Abwärtsstrudel aus Hass, gesellschaftlicher Zerrüttung, Gewalt, Terror und Verarmung."

Wilmer forderte: "Alle Kräfte der Diplomatie müssen aufgeboten werden, um ein weiteres großes Blutvergießen im geschundenen Nahen Osten zu vermeiden." Vor allem seien hier die beiden Streitparteien gefordert, aber auch andere Akteure weltweit, auch die Europäische Union. Wilmer bittet die Katholiken in Deutschland um "ihr leidenschaftliches Gebet". Er warnte davor, sich über das iranische Regime zu täuschen. "In seinem Bestreben, eine Vormachtstellung im Nahen Osten zu erringen und die Schiiten im konfessionellen Konflikt mit den Sunniten obsiegen zu lassen, überzieht der Iran die Länder der Region mit den Gewalttaten ihm nahestehender Gruppen und Milizen." Der Iran missachte aktuell die Menschenrechte und sei "ein Hindernis auf dem Weg zu einem gerechten Frieden auch in seinen Nachbarländern".

Auch gegen die USA erhob der Bischof Vorwürfe, denn auch von den Vereinigten Staaten gehe die derzeitige Kriegsgefahr aus. "Ihre Nahost-Politik wirkt seit Jahren konzeptionslos und unberechenbar. Auch trägt die Verachtung des derzeitigen Präsidenten gegenüber zwischenstaatlicher Kooperation und multilateralen Strukturen zur Zersetzung der internationalen Ordnung bei." Dies wirke sich auch auf Möglichkeiten der Streitschlichtung und der Friedenssicherung aus. "Nicht zufällig ist die neue Runde der Spannungen zwischen den USA und dem Iran durch den Austritt der USA aus dem von zahlreichen internationalen Mächten geschlossenen Abkommen zur Verhinderung beziehungsweise Verlangsamung des iranischen Nuklearprogramms eingeläutet worden", betonte Wilmer.

Papst warnt vor Ausweitung des Iran-USA-Konflikts

Auch Papst Franziskus äußerte sich erstmals konkreter zu den jüngsten Spannungen zwischen dem Iran und den USA. Diese seien "sehr besorgniserregend" und könnten "die Basis eines umfangreichen Konflikts von größerem Ausmaß werden, den wir alle hoffen, verhindern zu können", so der Papst am Donnerstag im Vatikan. Zudem drohe die jüngste Eskalation "den langsamen Prozess des Wiederaufbaus des Irak" zu gefährden. In seiner Ansprache vor dem Diplomatische Korps erneuerte er seinen Appell vom Sonntag, "Dialog und Selbstbeherrschung" zu wahren, und zwar "unter voller Achtung der internationalen Rechtsordnung". Beim traditionellen Neujahrsempfang für die beim Vatikan akkreditierten Diplomaten verlangte der Papst zudem erneute Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft, die Kriege in Syrien und Jemen zu beenden. Ebenfalls sehr besorgt äußerte er sich zu Libyen.

Die Konflikte dort hätten sich in jüngster Zeit "durch das Eindringen extremistischer Gruppen und einer weiteren Verschärfung der Gewalt in den vergangenen Tagen verstärkt". Das Land sei ein "fruchtbarer Boden für die Geißel der Ausbeutung und den Menschenhandel", so Franziskus. Viele dort endeten als "Beute organisierter Kriminalität, die sie unter unmenschlichen und erniedrigenden Bedingungen wie auch unter Folter, sexueller Gewalt und Erpressung gefangen hält". (tmg/KNA)