Ein Kardinal unterhält sich mit einem Monsignore bei der Feier eines Gottesdienstes im Petersdom.
Medien spekulieren über Intrige gegen Franziskus

Bericht: Geheimtreffen von 110 Bischöfen in Portugal

Warum treffen sich 110 Bischöfe aus aller Welt in einem Luxus-Hotel in Portugal? Und was hat eine Organisation aus den USA damit zu tun, die dem amtierenden Papst kritisch gegenübersteht? Medien bringen eine Verschwörung gegen Franziskus ins Spiel.

Lissabon - 28.01.2020

Auf Einladung einer papstkritischen Organisation haben sich 110 Bischöfe aus 42 Ländern in einem Luxus-Hotel nahe der portugiesischen Kleinstadt Sintra getroffen, um sich zu vernetzen. Unter den Teilnehmern befanden sich drei Kardinäle, berichtete die portugiesische Nachrichtenseite "7Margens" am Dienstag. Zu den anwesenden Purpurträgern zählen demnach der Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus Souraphiel, und wohl der mexikanische Kardinal Francisco Robles Ortega, Erzbischof von Guadalajara. Die meisten Bischöfe stammten aus Lateinamerika, aber auch Oberhirten aus Afrika und Asien waren in großer Zahl anwesend. Aus Europa und Nordamerika nahmen ebenfalls Bischöfe teil. Als Herkunftsländer wurden etwa die USA, Chile, Mexiko, Angola, Äthiopien, Pakistan und einige Staaten im Nahen Osten genannt.

Das viertägige Treffen fand unter größter Geheimhaltung statt und soll einen "informellen" Rahmen gehabt haben. Veranstaltet wurde die Zusammenkunft vom "Acton Institute", einem konservativ-neoliberalen Think-Tank aus den USA. Er wurde 1990 von einem katholischen Priester gegründet und steht im Ruf, sich in Opposition zu Papst Franziskus zu befinden. Deshalb wurde in den Medien über eine Intrige oder Verschwörung gegen das Kirchenoberhaupt im Zusammenhang mit der Konferenz gemutmaßt.

"Laudato si": Enzyklika "ökonomisch fehlerhaft"

Bei dem Geheimtreffen wurde nach Angaben von nicht näher genannten Teilnehmern über "sozioökonomische und demografische Ungleichgewicht" geredet, aber auch über "das ethische Defizit" in der heutigen Welt, das zu "Korruption, Ungerechtigkeit und Ungleichheit" führe. Außerdem setzten sich die teilnehmenden Bischöfe kritisch mit dem in 50 Jahren prognostizierten weltweiten Bevölkerungsrückgang und familienpolitischen Entwicklungen auseinander.

Der Patriarch von Lissabon sei ebenfalls eingeladen gewesen, heißt es in Medienberichten. Er soll jedoch nicht an dem Treffen teilgenommen haben. Der päpstliche Nuntius des Landes, Erzbischof Ivo Scapolo, soll ebenfalls nicht anwesend gewesen sein, sich aber mit teilnehmenden Bischöfen aus Chile am Rande der Konferenz getroffen haben. Von 2011 bis 2019 war Scapolo Papstbotschafter in Chile, bevor er nach Portugal versetzt worden war. In Chile wurde seine Amtszeit zuletzt vom Missbrauchsskandal der Kirche des Andenlandes überschattet gewesen.

Das "Acton Institiute" hat in den vergangenen Jahren bereits in zahlreichen Ländern Lateinamerikas ähnliche Treffen veranstaltet. Der Think-Tank ist neben den USA auch in Rom ansässig und veranstaltet regelmäßig Konferenzen an den dortigen kirchlichen Universitäten. Die Einrichtung sieht das Pontifikat von Papst Franziskus kritisch. So bezeichnete Samuel Gregg, der Forschungsdirektor des Instituts, die Enzyklika "Laudato si" etwa als "gut gemeint, aber als ökonomisch fehlerhaft". (rom)