Laienvertreter kritisiert Woelki – "Argumente statt Autorität"
Synodaler Weg "nicht mehr zu stoppen"

Laienvertreter kritisiert Woelki – "Argumente statt Autorität"

Der Synodale Weg ist nicht mehr zu stoppen, findet der Vorsitzende des Kölner Diözesanrates, Tim Kurzbach. Lediglich eine Minderheit komme nicht damit klar, dass alle das gleiche Recht haben. Er übt ebenso scharfe Kritik an Kardinal Woelki.

Köln/Stuttgart - 03.02.2020

Der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln, Tim Kurzbach, stellt sich entschieden hinter den Reformprozess des sogenannten Synodalen Weges. "Dieser Weg ist nicht mehr zu stoppen", schreibt der Laienvertreter im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag). Die erste Synodalversammlung in Frankfurt am Main habe offenbart, wie viele in der katholischen Kirche echte Veränderung wünschten, so Kurzbach. Nur eine kleine Gruppe von "Traditionalisten", sei "damit überfordert, dass beim Synodalen Weg auf einmal jeder und jede mit gleichem Recht sprechen" könne. Diese "Minderheit" wolle "auf dem Weg niemanden überzeugen, sondern nur ihren eigenen Weg akzeptieren", schreibt der Solinger Oberbürgermeister.

Scharfe Kritik übt Kurzbach am Kölner Kardinal Rainer Woelki und dessen Widerstand gegen den Synodalen Weg. "Ich fürchte, er zerstört die Autorität seines bischöflichen Amtes, indem er nicht mit guten Argumenten in der Versammlung zu überzeugen versucht, sondern sich anschließend darüber empört, dass er nicht von Amts wegen mehr Macht hat." Dabei sollte er "doch längst erkannt haben, dass das Amt allein eben keine wahre Autorität mehr begründet".

Tim Kurzbach, Oberbürgermeister von Solingen

Tim Kurzbach (SPD) ist seit 2015 Oberbürgermeister von Solingen. Seit 2014 ist er Vorsitzender des Diözesanrates im Erzbistum Köln.

Die "angstfreien Diskussionen" in Frankfurt hätten "die scheinbare Macht auch eines Kölner Kardinals entzaubert", meint Kurzbach. Auch Woelki sei nur eine Stimme unter den vielen Getauften. "Die Angst vor einer bischöflichen Macht, die nicht auf klugem Argumentieren und klugem Handeln beruht", werde "auch in Köln vergehen".

Auch der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes kritisierte Woelkis Verhalten. "Abreisen und Nachtreten – Kardinal Woelki, das ist nicht fair!", schrieb Hermes auf Facebook. Wörtlich: "Aus dem sakramentalen Dienstamt abzuleiten, dass man mit 'normalen' Gläubigen nicht gemeinsam zu einem Gottesdienst gehen oder bei einer Beratung sitzen kann – das verrät mehr Statusangst als ekklesiologischen Sachverstand." Mit Blick auf Woelkis Einlassung, nicht alle hätten Rederecht erhalten, sagte Hermes, dass die Redemeldungen aller Teilnehmer aufgenommen worden seien. Die Kritik beziehe sich dann wohl darauf, "unter der Leitung eines Tagungspräsidiums gleich behandelt worden zu sein". Dies könne nur kritisieren, wer das "grundsätzliche Setting" nicht akzeptiere.

Während der ersten Synodalversammlung hatte Kardinal Woelki kritisiert, die hierarchische Ordnung der Kirche werde infrage gestellt. Es sei der Eindruck erweckt worden, dass Bischöfe und Laien gleich seien, sagte er gegenüber dem "domradio" am Samstag. Dies habe "eigentlich nichts mit dem zu tun, was katholische Kirche ist und meint". Nicht jede Meinung habe Gehör gefunden. Macht sei ausgeübt worden, "indem nicht alle Rederecht erhalten haben, die sich gemeldet haben". "Es sind eigentlich alle meine Befürchtungen wahr geworden", so Woelki. Der Kölner Erzbischof sah sich auch in seiner Sorge bestätigt, "dass hier quasi ein protestantisches Kirchenparlament durch die Art der Verfasstheit und der Konstituierung dieser Veranstaltung implementiert wird". (mpl/KNA)

3.2., 14:30 Uhr: Ergänzt um Statement von Hermes.